Schlagwort-Archive: Asperger und die Arbeit

Der Weg in die Unabhängigkeit

Die Abhängigkeit ist ein Zustand, der mir sehr viel Angst macht und doch muss ich mir eingestehen, niemals die völlige Unabhängigkeit zu erlangen. Dafür habe ich zu viele Baustellen, bei denen ich auf andere angewiesen bin. Aber das hindert mich nicht, mich in vielen Bereichen unabhängig zu machen.

Für mich ist es wichtig, auf so wenig Hilfe wie möglich im Leben angewiesen zu sein. Das beginnt schon bei banalen Alltagssituationen wie Wohnen und allen dazugehörigen Arbeiten. Ich kann meinen Alltag komplett allein organisieren und doch benötige ich Hilfe bei einigen technischen Angelegenheiten, weil ich überhaupt kein technisches Knowhow besitze. Alles, was ich mit dem Computer mache, musste ich unter großer Mühe lernen. Ich besitze kein Handy oder Smartphone und kann weder einen Fernseher noch ein Telefon programmieren. Der Stress, der dabei in mir entsteht, ist so groß, dass ich eher darauf verzichte, als es zu machen. Zur Not kann ich jedoch Fremdhilfe in Anspruch nehmen.

Was Menschen ohne Autismus oft alleine bewältigen, ist für mich immer eine große Errungenschaft. Wo ich mit Stolz auf meinen gut organisierten Haushalt schaue, zucken andere nur die Schultern. Na und? Das ist doch nichts besonderes. Doch, für mich schon! Es kostet mich viel Planung und Kraft, weil bei mir der natürliche Instinkt und die spontane Intuition nicht gut ausgeprägt sind.

Ich lege viel Wert darauf, andere nicht mit meinen Problemen zu belasten. Auch in diesem Bereich ist mir die Unabhängigkeit sehr wichtig. Es gibt mir ein gutes Gefühl, nicht in der Schuld anderer zu stehen, weil mir diese Abhängigkeit sehr zu schaffen macht. In mir spielt sich immer der Gedanke ab, wie ich dem anderen eine –Gegenleistung bieten könnte und müsste. Es setzt also einen Denkprozess in mir in Gang, den ich nicht ausblenden kann, auch wenn er nicht nötig ist.

Ich legte viel Wert darauf, unsere Kinder ohne die Hilfe anderer groß zu ziehen und doch genoss ich die Abhängigkeit des Einkommens meines Mannes in dieser Zeit. Ich verdiente zwar immer ein wenig dazu, doch es hätte niemals ausgereicht. Dafür erbrachte ich viele Gegenleistungen, erfüllte Ehrenämter und Hilfe in der Familie. In mir arbeitete ständig das Gefühl, nicht genug getan zu haben, dabei war es mehr als ausreichend, was ich leistete. Doch das bemerkte ich erst viele Jahre später. Heute bin ich sehr stolz auf meine damaligen Leistungen.

Heute bin ich auch finanziell unabhängig, weil unsere Kinder den Weg in ein eigenes Leben gefunden haben und ich beginnen konnte, meine eigenen beruflichen Ziele Stück für Stück umzusetzen. Das war und ist immer noch harte Arbeit, aber es gibt mir ein sehr gutes Gefühl. Ich fragte mich vor einigen Jahren, was ich gerne tun würde und genau das tat ich. Zu allen, die versuchten, mich davon abzuhalten, brach ich ganz langsam den Kontakt ab. Ich wollte mich nicht mehr von ihnen bestimmen lassen und somit abhängig machen.

Doch mit Unabhängigkeit meine ich auch etwas anderes.

Es ist die Gewissheit, auch alleine und unabhängig leben zu können, obwohl ich verheiratet bin. Der Gedanke, von meinem Mann abhängig zu sein, macht mir immer wieder große Angst. Es beginnt schon damit, dass er oft die gemeinsamen Fahrten mit dem Wagen übernimmt. Das habe ich geändert. Ich bin genauso in der Lage, große Strecken mit dem Wagen zu schaffen wie er. Das habe ich mir mühselig in den letzten Jahren beigebracht. Dabei musste ich anfangs gegen meine Angst arbeiten, weil ich durch die Gewohnheit immer abhängiger von meinem Mann wurde, obwohl er das nicht beabsichtigte. Er meinte und meint es immer gut, wenn er mir hilft, doch je älter ich werde, desto wichtiger erscheint mir die Unabhängigkeit.
Ebenso ergeht es mir bei bürokratischen Angelegenheiten, die ich immer öfter alleine regel, um die Beamtensprache besser zu verstehen. Das ist sehr anstrengend, aber es macht mir Angst, auch in diesem Bereich abhängig zu sein.

In den letzten Jahren, nachdem ich weiß, eine Betroffene des Asperger Syndroms zu sein, habe ich nach einem Zusammenbruch gelernt, mich aus den Fängen anderer Menschen zu befreien. Ihnen nicht mehr gefallen zu wollen oder ein Leben vorzugaukeln, das nicht meins ist. Der Zusammenbruch resultierte letztendlich aus dieser Abhängigkeit. Ich schwor mir, nie wieder um die Gunst oder die Aufmerksamkeit von Menschen zu buhlen, die meine Schwäche, nicht nein sagen zu können, ausnutzten. Die mich immer tiefer in die Abhängigkeit und damit in ein großes Schuldbewusstsein trieben.

Es ist nicht vielen Menschen mit Autismus gegeben, unabhängig zu leben, aber jeder kleine Baustein, den ich alleine für mein Leben dazugebe, ist ein Hochgenuss. Und jede Hilfe, mich so unabhängig wie möglich leben zu lassen, ist ein großes Glück für mich. Vielleicht bin ich auch einfach nur in der Lage, mein selbstständiges Leben viel mehr zu wertschätzen als andere, wenn man mich so sein lässt, wie ich bin. Jeder Mensch trägt eine Vollkommenheit in sich, die manchmal erst entdeckt werden muss… auch wenn er hin und wieder Hilfe braucht!

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Zusammenarbeit? Die perfekte Zahl wäre 4 ½!

Immer wieder versuche ich mit anderen zusammenzuarbeiten, doch es scheitert regelmäßig nach einer bestimmten Zeit. Es hat nichts damit zu tun, dass ich nicht mit diesen Menschen zusammenarbeiten möchte, im Gegenteil. Doch meine Vorstellung von Zusammenarbeit deckt sich oft nicht mit denen anderer. Und umgedreht. Das will ich näher beleuchten:

Ich bin sehr zuverlässig, pünktlich, genau, ehrgeizig und anspruchsvoll. Das allein reicht schon aus, um eine Zusammenarbeit mit anderen als gescheitert anzusehen, es sei denn, der andere ist genauso wie ich. Doch da jeder dieser Eigenschaften einer eigenen Interpretation unterliegt, werden auch die Grenzen unterschiedlich festgelegt und wahrgenommen. Nur selten treffe ich auf Menschen, die fast genauso ticken wie ich. Doch es dauert nicht lange, und ich finde die ersten Unterschiede.

Mein Wunsch mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten ist groß, doch eine Zusammenarbeit hat immer etwas mit Erwartungen zu tun. Da ich sehr perfektionistisch veranlagt bin, ist in mir eine Art von Egoismus vorhanden, der sich negativ auf eine Zusammenarbeit auswirkt. Ich arbeite nach dem Prinzip Alles oder Nichts. Doch nichts ist perfekt im Leben und fordert ständig Kompromisse ein. Ein schwer auszuhaltendes Gefühl für mich. Ich möchte es gerne an einem Beispiel festmachen, was vor sechs Jahren passierte:

Ich schrieb ein Buch und fand einen Verlag, der es verlegen wollte. Zunächst freute ich mich, dass der Verlag viel von meiner Arbeit abnehmen würde (Lektorat, Coverentwurf, Druck, Vertrieb…) In diesem Moment sagt jeder Mensch: „Na, dann sei doch dankbar und etwas nachsichtig, wenn alles nicht genauso läuft, wie du es dir vorstellst. Lass doch mal die Geister anderer entscheiden“. Und genau da scheiden die Geister.

Ich habe die Vorstellung von einem Produkt und wurde natürlich fündig, als ich mich auf Fehlersuche begab. Und tatsächlich, ich fand viele Schreibfehler, die nicht vom Lektorat beseitigt wurden und bat den Verlag, dieses zu korrigieren, da es mir das Gefühl gibt, ein schlechtes Produkt zu veröffentlichen. Das kann ich kaum aushalten. Man sagte mir die Beseitigung der Fehler zu, führte sie aber nicht durch. Daraufhin war ich irritiert. Sollte ich noch einmal nachhaken? Wie wirkt sich das auf unsere Zusammenarbeit aus? Wirke ich aufdringlich und nörgelnd? Ich wurde sehr unsicher und ließ es schließlich, weil in mir die Angst entstand, in eine Diskussion verwickelt zu werden oder Vorwürfe gemacht zu bekommen, denen ich spontan nicht gewachsen war. Ich dachte immer, dass es Feigheit von mir sei, doch heute weiß ich, dass es mein Problem mit der sozialen Interaktion ist. Mir fehlt oft die spontane angemessene Reaktion.
Das Buch wurde mir daraufhin fortan fremd und ich konnte mich nicht mehr damit identifizieren. Ein Produkt von mir läuft nur dann konform, wenn es nach meinem Ermessen fertiggestellt ist. Alles andere stoße ich ab.
Des weiteren kam es zu diversen Vertragspunkten, die nicht eingehalten wurden. Es betraf die Werbung und Lesungsveranstaltungen, um die sich der Verlag trotz meiner Bitten nicht kümmerte. Dazu sollte ich schreiben, wenn ein Autor unter Vertrag steht, dürfen Lesungen an bestimmten Orten (z.B. Buchhandlung) nur vom Verlag eingerichtet werden. Ebenso hat nur der Verlag das Recht auf gewisse Werbung, weil ich die Rechte abgegeben habe.
Ich hakte diesbezüglich ganz mutig nach. Der Verlag war genervt und zeigte keinerlei Interesse mehr, mit mir zusammen zu arbeiten. Das Buch wurde ein großer Misserfolg. Das führte dazu, dass ich begann, mich selbst um diese Arbeit zu kümmern und wurde Selfpublisher. Es funktionierte. Ich konnte die ersten Erfolge verbuchen und meinen Perfektionismus und Anspruch ausleben.
Dennoch…

Ich versuchte es vor kurzem erneut und es geschah fast genau das Gleiche wie beim ersten Mal.
Liegt das Scheitern jetzt an mir? Sehe ich die Vereinbarungen „zu eng“?
Es gibt einen Vertrag, eine Abmachung und klare Regeln und doch werden sie nicht eingehalten oder nur oberflächlich eingehalten. Ich frage mich, wozu man solche Verträge macht? Ich bekomme den Begriff „kleinkariert“ zu hören, dazu den Spruch „Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird“. Ich bin irritiert und weiß nicht mehr, wem oder was ich vertrauen soll und entschließe mich, alles wieder alleine zu machen. Das funktioniert.

So sieht eine typische Zusammenarbeit bei mir aus.

Das Schlimme an solchen Situationen ist, dass tatsächlich in der Öffentlichkeit ein Bild über Autisten entstehen kann, das vermittelt, dass man mit diesen Menschen nicht zusammen arbeiten kann. Sprüche wie „die lässt nicht mal eine fünf gerade sein und hat immer etwas auszusetzen“ hörte ich ständig in meiner Vergangenheit, dabei ist es nichts weiter als das Anstreben nach einer guten und möglichst fehlerfreien Arbeit. Sollte das nicht Ziel einer jeden Tätigkeit sein? Nein, nicht so im Leben von vielen NTs. Durch ihre Fähigkeit „die fünf gerade sein zu lassen“ gehen sie viel leichter durchs Leben. Ich wünschte, ich könnte das auch, aber ich kann es nicht.

Arbeitgeber sollten also wissen, dass viele Autisten sehr viel Wert auf „ordentliche“, ja nahezu perfekte Arbeit legen, also auch auf die Bereitschaft, dies anzustreben. Ich hege keinerlei Groll oder Absichten, meinen Arbeitgeber anzugreifen, zu schaden oder ihm das Leben schwer zu machen, sondern verfolge nur die Absicht des bestmöglichen Ergebnisses. Doch genau das ist das Problem, wenn ich mit anderen zusammenarbeite. Ich nerve sie einfach solange, bis sie keine Lust mehr haben, mit mir zu arbeiten, oder umgedreht und ich verliere die Lust an der Arbeit.

Ich weiß, dass mittlerweile immer mehr Stellen für Autisten eingerichtet werden, die genau solche Punkte berücksichtigen. Die Arbeitgeber stellen sich auf diese Menschen ein und arbeiten zum Teil mit Mediatoren (Vermittlern).
Doch die Frage bleibt: Wer ist jetzt unfähig sich auf wen einzustellen? Haben wir nicht alle die gleichen Probleme, nur umgedreht? Auch den Starrsinn? Ist letztendlich nicht die Zusammenarbeit eines Autisten mit einem NT die perfekte Zusammenarbeit? Der NT muss die fünf eben etwas ungerader sein lassen und der Autist eben etwas grader. Die perfekte Zahl wäre 4 ½!

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Leipziger Buchmesse – konträre Gefühle, Freude und Stress zugleich

Dieser Blog wird etwas anders ausgerichtet sein, als meine anderen, und doch wird er mit meinem Asperger Syndrom zu tun haben.
Der Bereich meiner Arbeit ist ebenso von der Symptomatik des Autismus‘ betroffen wie mein Privatleben und gehört ebenfalls zum Gesamtbild meiner Probleme im Leben.

Mein Spezialinteresse ist die Psychologie des Menschen – also die Verhaltensweisen, bzw. Verhaltensstörungen der Menschen. Mich interessieren die Reaktionen der Menschen auf bestimmte Geschehnisse – ihre Hintergründe und Ursachen.
Vor 20 Jahren begann ich mein Spezialinteresse in einen Nebenjob zu verwandeln, indem ich Bücher darüber schrieb. Geschichten, die von Menschen handelten, die als Kind Opfer sexuellen Missbrauchs geworden waren. Damit hatte meine Buchreihe ein Thema bekommen: Die Opfer-Täter-Theorie. Da ich ein großer Fan von Thrillern bin, kombinierte ich den sozialkritischen Text mit „the worst case“, also dem schlechtestem Fall. Das bedeutet, das Opfer wird in meinen Geschichten emotional so weit getrieben, bis es mordet.

Vor fünf Jahren sind meine Bücher von der Öffentlichkeit entdeckt und in die eBook Bestsellerliste von Amazon katapultiert worden. Damit begann sich mein Nebenjob in einen Vollzeitjob zu verwandeln. Seit 2011 schreibe ich jedes Jahr ein Buch und bin regelmäßig als freiberufliche und lesende Autorin auf der Leipziger Buchmesse zu finden.

Ich bin extrovertiert und daher sollte man annehmen, es würde mir nichts ausmachen, mich in den Trubel einer Messe zu stürzen.
Irrtum!
Ich bin sehr öffentlichkeits- und fotoscheu. Der einzige Grund, warum ich eine Buchmesse bewältigen kann, ist, dass ich dort ausschließlich über mein Spezialthema referieren kann. Dieser Punkt ist mein Anker und gibt mir Balance in all dem Stress, der mir dort begegnet.
Zum Stress gehören die vielen fremden Menschen und Situationen, die unvermeidbar sind. Hinzu kommt der Geräuschpegel, der es mir fast unmöglich macht, mit anderen Menschen ein konzentriertes Gespräch zu führen. Die Reizüberflutung, die mich wie eine Welle überrollt, ist enorm. Und doch gehören diese Auftritte in der Öffentlichkeit zu meiner Arbeit. Alle Menschen sind sehr nett und freundlich, doch ich stelle mich bereits viele Tage zuvor durch extreme Ruhe auf diesen Stress ein. Ich bereite mich auf Lesung, Fragen, Gespräche, Fotos und Interviews vor. Ich kann mich allerdings nicht länger als drei bis vier Stunden auf der Buchmesse aufhalten. Das ist sehr schade, aber nach dieser Zeit falle ich in eine tiefe Erschöpfung und muss mich hinlegen. Die vielen Eindrücke, die mich erreichen, beschäftigen mich oft noch tagelang und rauben mir den Nachtschlaf. Ich komme dann auch tagsüber kaum zu Kräften. Doch das sieht niemand. Alle Menschen erleben mich als freundlich, kommunikativ und gut gelaunt. Das bin ich auch in der Öffentlichkeit, denn ich bin trainiert.

Ich will kurz darüber berichten, wie die letzte Buchmesse (2015) ablief:
Ich wurde von meinem Verlag am Freitag zu einem „Meet & Greet“ der Autoren eingeladen. Am Samstag wurde ich zu einem netten Abendessen mit Autoren und Verlagsbetreuern eingeladen. Am Sonntag wurde ich zu einer Lesung mit Signierstunde eingeladen. Zudem wurde ich am Sonntag zusätzlich von meinem vorherigen Verlag zu einem Autorentreffen eingeladen.
Auf mich kamen demzufolge an drei Tagen Termine auf der Leipziger Buchmesse zu.
Wie sollte ich auf all diese netten Einladungen nun so reagieren, dass man mich verstand und nicht als desinteressiert wahrnahm? Es lag auf der Hand, dass ich unmöglich all diese Termine voller Energie wahrnehmen konnte. Also musste ich eine Entscheidung treffen. Und die sah wie folgt aus:

Ich informierte meine Verlagsbetreuer über meine Probleme und erklärte, dass ich mich gerne auf einen Tag konzentrieren würde. Wenn ich am Freitag zum „Meet & Greet“ und Samstag dem Autorenessen erschiene, würden mich die vielen Eindrücke schlaflos machen und mir zudem durch die vielen Gespräche meine Stimme zum Vorlesen rauben. Das würde die Lesung gefährden, den wichtigsten Teil meiner Arbeit – die Werbung. Also entschied ich mich, nur zu der Lesung zu erscheinen und dort für drei Stunden voller Konzentration für das Publikum da zu sein.
Die Verlagsbetreuer reagierten sehr verständnisvoll und begrüßten mich am Tag der Lesung sehr freundlich. Sie unterstützten meinen Auftritt mit viel Aufmerksamkeit und forderten mich nicht zusätzlich zu nicht abgesprochenen Aktionen auf. Ich konnte viel Publikum gewinnen, eine gute Lesung halten und viel Aufmerksamkeit beim Signieren aufbringen. Nach zwei Stunden verließ ich den Stand und traf mich mit einer sehr netten Kollegin zu einem entspannten Gespräch, um mich „herunterzuholen“. Danach besuchte ich den Stand meines anderen Verlages, der gerade ein Autorentreffen veranstaltete. Ich sammelte meine letzte Konzentration und konnte dort nur eine Stunde verbringen, bis ich bemerkte, dass sich alles um mich herum drehte. Ich konnte den Gesprächen nicht mehr folgen und musste mich verabschieden. Einige wirkten irritiert, als ich meinen Besuch so plötzlich abbrach. Genau das sind die Momente, in denen andere den Eindruck gewinnen, ich wäre arrogant. Bin ich aber nicht. Ich bin schlichtweg erschöpft. Doch ich kann es nicht jedem erklären.
Das sind Momente, in denen Asperger von der Gesellschaft missverstanden werden. Eine Autoren-Kollegin schrieb mich einen Tag später an, dass sie mein Verhalten unangemessen und unhöflich gefunden habe. Und wieder begann ich mich zu erklären.

Selbst als freiberuflicher Mensch sind mir häufiger Grenzen gesetzt, als mir lieb ist. Ich laufe jedes Mal, wenn ich meine Probleme zu erklären versuche, Gefahr, dass sich Menschen von mir zurückziehen. Manchmal gefährdet es wichtige Vertragsabschlüsse oder Besprechungen, die ich nicht wahrnehmen kann. Doch ich bin stets bemüht, verantwortungsvoll mir gegenüber zu handeln. Die erweist sich gleichzeitig als verantwortungsvoll dem Anderen gegenüber. Was nützt es, Dinge zu versprechen, denen ich nicht nachkommen kann?

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