Dennis – oder Elias und die goldene Ananas

Dies wird ein etwas anderer Blog, als man bisher von mir gewöhnt ist, denn er handelt nicht direkt von mir, sondern von jemand anderem …

Es ist immer wieder erstaunlich, wie ähnlich sich Menschen mit Asperger-Syndrom sind. Mich erreichen fast täglich Emails von Lesern meiner Blogs oder Bücher, worin eindringlich geschildert wird, dass sie das Gefühl haben, ich hätte den Text über sie verfasst. Und in der Tat, es gibt oft viele Gemeinsamkeiten.

Es war ein purer Zufall, dass mich eine Nachricht erreichte, die sich anders anhörte. Damit will ich euch heute Dennis Kornblum vorstellen. Oder sollte ich besser Elias Bach sagen? Die beiden verbindet etwas, nämlich die goldene Ananas. So der Titel seines ersten Romans.
Dennis ist ein Neuautor, der sich zwecks Austauschs unter Autoren bei mir meldete. Ein Asperger-Autist, der über einen Asperger-Autist einen Roman verfasst hat. Und der hat es in sich!

Der Titel „Die goldene Ananas“ weckte schon mal meine Neugier.
Dennis nennt seinen Protagonist Elias Bach und zeichnet einen Alltag in der Geschichte, der seinem ähnelt.

Ich bestellte mir das Buch und begann zu lesen. Tja, nun war ich die, die glaubte, jemand habe ein Buch über mich verfasst, auch wenn die Interessen von Elias nicht meine sind und auch mein Alltag etwas anders aussieht, aber „der Schuh passte“. Und nicht nur das, ich fand auch interessante Aspekte, die mich meine Söhne besser verstehen ließen, so schildert Dennis doch das Leben eines männlichen Aspergers.

Ich nahm weiteren Kontakt zu ihm auf, um mitzuteilen, dass ihm mit dieser Geschichte ein äußerst guter Roman gelungen sei. So erfuhr ich, dass er das Ziel verfolge, als Schriftsteller auf dem Buchmarkt durchzustarten. Die ersten Rückmeldungen zu seinem Buch sind hervorragend.

Warum verfasse ich diesen Blog über Dennis?
Das will ich euch gerne erklären.

Viele Menschen mit Autismus sind arbeitslos oder berufsunfähig. Sie erleiden Depressionen und Ängste. Für diese Menschen ist es nicht leicht, plötzlich in eine Masse hineinzuschwimmen, wie in diesem Falle die Buchbranche, und dort mit einer bestimmten Einstellung in Sachen Gerechtigkeit und Ehrlichkeit zu bestehen. Wie in jeder Handelsbranche sind das nicht gerade die Tugenden des Geschäfts. Autisten müssen starke Kompromisse eingehen, wenn sie in einer Welt voller Regeln von nicht autistischen Menschen existieren möchten.

Dennis hat sich entschieden, es zu wagen und bekam recht schnell die Härte des Geschäfts zu spüren, als ihn die erste Ungerechtigkeit erreichte.
Wir Asperger-Autisten erleiden sehr schnell das Gefühl von Schuld oder schlechtem Gewissen, weil uns die spontane soziale Interaktion, wie nicht autistische Menschen sie führen, zu schaffen macht. Zur Wehr zu setzen fällt uns schwer.

Die nächste Frage wäre: Wie wehrt man sich „angemessen“ in der Buchbranche? Ist man ehrlich und schlägt mit gleichen Mitteln zurück oder lügt man den anderen mit erweichenden Worten an, um der sozialen Etikette zu entsprechen? Dazwischen gibt es nicht viel. Für Asperger-Autisten ein schweres Unterfangen, weil er nur ungern lügt. Die Lüge macht ihm zu schaffen. Er mag ehrliche und gerechte Konversationen. Gleichzeitig ist er einem Streitgespräch oft nicht gewachsen.

Aus meiner Sicht gibt es nur zwei Wege in dieser Branche: Seine Standpunkte vertreten und sich durchkämpfen oder lächelnd über die Welt der zwei Sprachen hinwegsehen. Gelassenheit ist ein wichtiges Thema und nicht gerade die Stärke eines Asperger-Autisten. Ein mitunter anstrengender Prozess, aber die Übung zahlt sich aus.
Da vielen Asperger-Autisten auch die Intuition zu schaffen macht, benötigt er genau diese Übung, um herauszufinden, wogegen er sich wehrt und worüber er einfach hinwegsieht.

Viele Autisten haben schon Bücher verfasst, doch diese auch zu vertreiben oder gar einen guten Verlag dafür zu begeistern, ist für sie extrem harte Arbeit.

Ich würde mir wünschen, dass Dennis sich durchkämpft, weil ich glaube, dass noch viele gute Romane folgen werden, die Menschen lesen sollten, ob autistisch oder nicht autistisch. Üblicherweise sind Menschen mit Autismus sehr hartnäckig, was die Ziele betrifft, die sie sich setzen.
Jeder Schritt zählt, der die Menschen miteinander verbindet.
Ich gestehe Dennis mit seiner Art zu schreiben gute Chancen ein, ein anerkannter Schriftsteller zu werden und unterstütze sein Tätigkeit und Ziele, auch in Hinsicht darauf, damit ein wirklich gutes „Handwerk“ als Lebensaufgabe zu sehen, was für Asperger Autisten ein wichtiger Faktor ist.

Damit ihr endlich erfahrt, um welches Buch es sich handelt, hier der Klappentext zu
Die goldene Ananas
Der junge Elias lebt seit fünfeinhalb Jahren in Wohnheimen für gemeindenahe Psychiatrie. Er hat die Diagnose Asperger-Syndrom und steht jeglichen Veränderungen ängstlich und grundsätzlich ablehnend gegenüber. Daher erfüllt es ihn eher mit Widerwillen, dass er nun in eine eigene Wohnung ziehen soll, in das Dachgeschoss eines Fünfparteienhauses. Hier geht es ihm anfänglich nur darum, möglichst seine Ruhe zu haben und seinen streng strukturierten Tagesablauf einzuhalten, der aus einer sechsstündigen E-Gitarren-Einheit, dem Konsum von Death-Metal-Alben, dem Schauen von Filmen und genau getimten Mahlzeiten und Zigarettenpausen besteht. Nach und nach werden jedoch die übrigen Hausbewohner auf ihn aufmerksam, und er kommt immer mehr in sozialen Kontakt, vor allem zu dem extrovertierten Endfünfziger Willi. Und plötzlich steht er vor ganz neuen Herausforderungen – Soll er es wagen, einer richtigen Band vorzuspielen? Die hübsche Kellnerin vom Café Auberge nach einer Verabredung zu fragen? Vielleicht hat Willi ja recht mit der „goldenen Ananas“…



Meine Meinung dazu:
Eine geniale und besondere Geschichte für alle Leser, aber besonders für solche, die zugleich etwas über das Asperger Syndrom/Autismus erfahren möchten. Sie verdeutlicht auf eine liebenswerte Art und Weise, wo die unsichtbaren Probleme der Betroffenen liegen, die vielfach unter uns in der Gesellschaft leben. Themen wie soziale Interaktionsschwierigkeiten, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Unsicherheit, Selbstkritik, Schuldgefühle, Angst und schlussendlich die Liebe kommen in der Geschichte zur Sprache, die sich sehr schön lesen lässt. Man beginnt eine Art Reise, wenn man in das Leben von Elias einsteigt.

Für mich als Betroffene des Syndroms war es das reinste Lesevergnügen, weil ich nahezu alle Emotionen und Gedanken von Elias, dem 26-jährigen Protagonisten mit Asperger Syndrom, nachvollziehen konnte. Kaum ist er vom Wohnheim in eine eigene Dachwohnung gezogen, lernt er die Mitbewohner des Hauses kennen. Solche, die ihn ermuntern und ermutigen, sich mehr auf die Menschen einzulassen, aber auch solche, die ihn schamlos ausnutzen.

Der Autor schildert auf beeindruckende Weise den Drang des jungen Mannes zum Perfektionismus und gleichzeitig die Sehnsucht, in einer ihm zunächst recht oberflächlich erscheinenden Welt dazuzugehören. Seine Bemühungen sind liebevoll, authentisch und manchmal sogar zum Schmunzeln, sodass es eine Freude ist, als Leser Gast in seiner Geschichte sein zu dürfen. Doch sind die Menschen um ihn herum wirklich so oberflächlich oder verbirgt sich ein Geheimnis in der Welt der nicht autistischen Menschen? Das will Elias herausfinden. Und was hat es mit der goldenen Ananas auf sich?

Zitat aus dem Buch: „Menschen können einem viel geben, wenn es die richtigen sind.“

Mir hat das Buch sehr viel Freude bereitet und erhält meine absolute Leseempfehlung. Unterhaltung und das Kennenlernen einer Lebensform im Autismus Spektrum zugleich. Als Erstlingswerk des Autoren eine sehr gute Leistung. Ich hoffe noch auf weitere Werke von Dennis Kornblum.

Jetzt seid ihr dran, liebe Leser des Blogs! Würde euch dieses Buch neugierig machen?

Link zum Buch:
https://tredition.de/autoren/dennis-kornblum-33279/die-goldene-ananas-paperback-138531/
Website:
denniskornblum.com


(Meine Blogs gibt es auch zusammengefasst als eBook oder  Printausgabe zum Lesen)

4 Gedanken zu „Dennis – oder Elias und die goldene Ananas

  1. lizzzy07

    Aus irgendeinem Grund habe ich Lust, auch einen Roman zu schreiben. Einen Roman, der sowohl Autismus als nicht ausdrücklich genannte, aber merkliche Eigenschaft des Protagonisten als auch mein Spezialinteresse als sozial-kulturellen Kontext beinhaltet. Nur: Wie fange ich das am besten an?

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    1. Denkmomente Autor

      Das ist ja klasse, dass dich dieser Beitrag anregt, selbst zu schreiben. Der beste Weg, das zu beginnen ist, einfach loszulegen. Entweder mit dem Stift oder am Computer. Schau doch mal, was passiert, wenn die ersten Worte purzeln.

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      Antwort
      1. lizzzy07

        Vermutlich mein Hauptproblem: dran bleiben. Meine Potentielle Hauptfigur beginnt als (jüdisches) Kind, wird erwachsen, studiert, gründet eine Familie, findet eine erfüllende, aber für einen Autisten halt sehr anstrengende Arbeit. Und irgendwie werden die sehr oft orthodoxe Rabbiner. Mit seinen Höhen und Tiefen als Jude in Deutschland.

        Gefällt 1 Person

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