Wertschätzung

Alles hat einen Wert in der Gesellschaft – Material, Pflanzen und Lebewesen. Werte, die die Gesellschaft selbst festlegt. Werte, die ich leider oft nicht verstehe, denn für mich haben gewisse Dinge einen anderen Wert. Zum Beispiel Diamanten. Ich kann diesem glitzernden Stein einfach nichts abgewinnen und jeder der denkt, er könnte mir damit eine Freude machen, den muss ich enttäuschen. Für mich ist eine besondere Muschel am Strand oder ein besonderer Stein, den ich beim Wandern finde, um so vieles mehr wert als ein teures Schmuckstück. Solche Mitbringsel dekorieren oftmals meine Regale. Bei mir befindet sich der Wert im Kopf und nicht in der Geldbörse.

Damit habe ich direkt ein anderes Wort für Wert: Juwel.
Kennt Ihr den schönen Spruch: „Du bist ein Juwel?“

Was Menschen einst als Begriff einem wertvollen Stein gegeben haben, hat für mich so viele andere Bedeutungen. So, wie vieles für mich anders auf dieser Welt ist. Wertvolle Dinge sind für mich oft wertlos und umgedreht. Bin ich deswegen dumm oder falsch?

Jemand sagte mal zu mir: „Wie kannst du ein teures Schmuckstück verwehren oder gar abwerten? Tickst du noch richtig?“
Tja, das frage ich mich jeden Tag neu. Ticke ich noch richtig? Bin ich die Uhr, die verkehrt herum läuft? Die schlimm für gut und hässlich für schön hält?
Leider ist das oft der Fall. Meine Wertschätzung scheint eine völlig andere zu sein, als die vieler Menschen um mich herum.

Was bedeutet eigentlich „Wert“ und „Schätzung“?
Wert ist ein individueller Begriff und darf niemals verallgemeinert werden, doch das wird er. Er wird daran gemessen, was die Mehrheit der Gesellschaft bestimmt.
Wenn ich das einmal anders betrachte: Je seltener etwas existiert, desto mehr Wert hat es. Mit dieser Einstellung ständen wir als Asperger-Autisten doch toll da, oder nicht? Wir sind ziemlich selten anzutreffen, genau wie ein Diamant oder Gold. Doch schätzt man AS-Betroffene deswegen mehr?
Leider lehrt mich die Erfahrung immer wieder, dass sich der Begriff „Schätzung“ in einer Schieflage in unserem Wortschatz befindet.
Asperger Autisten haben so unglaublich viele Stärken, die sie wertvoll machen und viel mehr geschätzt werden sollten.
Inzwischen geht ein kleiner Ruck durch die Berufsbranche, die immer mehr Betroffene einen Beruf ermöglicht, in dem er optimal aufgehoben ist. Es würde mich sehr freuen, wenn es so weiterginge. Es erscheinen auch immer mehr Bücher über und von Betroffenen, die eine bessere Aufklärung betreiben, als manches Fachbuch. Auch dafür bin ich dankbar.

Wertschätzung ist für mich eine Tugend. Ich wertschätze mit dem Herzen und treffe dabei immer häufiger auf völlig andere Dinge, als es in der Gesellschaft der Fall ist. Ich wertschätze zum Beispiel keine Einladung, die kaltherzig und unpersönlich einhergeht, sondern die in einem kleinen Rahmen mich gezielt erfreuen soll. Ich schätze keine teure Torte von einem Konditor zum Geburtstag, sondern den kleinen selbstgebackenen Kuchen aus der eigenen Küche. Es ist der Gedanke, der mich erfreut, nicht der Preis, der sich dahinter verbirgt. Doch ist es nicht so, dass genau das in der Gesellschaft eine größere Wertschätzung erhält? Wozu werden viele Preisverleihungen in einem unsagbar teuren Rahmen veranstaltet? Doch nur, um ihnen „mehr Wert“ zu geben. Ich frage mich, ob die Menschen, die daran teilnehmen und auch auf den After-Show-Partys anwesend sein müssen, wirklich glücklich damit sind? Ihre Gesichter zeigen andere Gefühle. Und doch „wertschätzt“ man solche Veranstaltungen in der Öffentlichkeit. Ich kann in dieser Scheinwelt leider nicht leben.

Tja, das ist wieder mal so ein Thema, was mich von vielen anderen unterscheidet …
(Meine Blogs gibt es auch zusammengefasst alseBook oder  Printausgabezum Lesen)
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5 Gedanken zu „Wertschätzung

  1. Leon Maus

    „Wozu werden viele Preisverleihungen in einem unsagbar teuren Rahmen veranstaltet?“ – Weil es eben ‚Preisverleihungen‘ sind und keine ‚Wertverleihungen‘. Wertloses wird auch mit Preis wertlos bleiben.
    Es isr schwierig und wohl auch eine Lebensaufgabe, ein eigenes, inneres Wertesystem zu entwickeln und zu pflegen. Das Angebot an äußeren Wertesystemen ist so reichhaltig wie enttäuschend.

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  2. 2ndplanetleft

    Für mich haben Schmuck oder Gold auch keine Bedeutung. Es sind eher kleine Dinge, wie zB eine Käseform, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Aber an sich sind alle materiellen Dinge für mich eher weniger wichtig. Meine Familie und ein paar wenige Bekannte sind da wichtiger und vor allem, dass alle gesund sind. Leider scheint es in der Gesellschaft immer mehr um Status und Statussymbole zu gehen. Wertschätzung gegenüber anderen oder unserem Planeten gehen zunehmend verloren.

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  3. Horst

    Scheint ein Wert einem sicher, beginnt dessen Schätzung zu sinken und es werden neue Werte gesucht. Erst wenn der sicher geglaubte Wert einem nicht mehr sicher erscheint, wird der eigentlich Wert wieder sichtbar – hoffentlich nicht zu spät.

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