Archiv für den Monat Mai 2017

Ich kann die Welt nicht verstehen

Gerade jetzt im Jahre 2017 zeigen sich meine  Probleme, die Welt nicht verstehen zu können, so deutlich wie nie zuvor. Es ist nicht nur die politische Lage, die in der Welt herrscht, sondern auch meine Betrachtungsweise auf viele Menschen und Vorgänge finden kein Verstehen.
In politischer Hinsicht teilen sicherlich viele Menschen, ob vom Autismus betroffen oder nicht, meine Meinung, aber es geht mir um etwas ganz anderes. Es geht mir um eine Art Wertfreiheit.

Ich betrachte die Menschen immer zunächst wertfrei und verstehe den Menschen an sich als ein soziales Wesen mit guten Absichten. Damit stehe ich sicherlich ziemlich allein da.
Ich kann so oft nicht verstehen, was die Menschen sich gegenseitig antun und oder beabsichtigen, um einen Vorteil zu erlangen. Warum dieser Wettkampf? Wofür? Bekommt man dafür Bonuspunkte bei der Lebenszeitverlängerung?  Wie kann es sein, dass ständig unsoziale Denker an die Macht kommen und die Welt zur Aufruhr und zum Krieg verführt? Wie kann es sein, dass genau solche Menschen von der Mehrheit des Volkes gewählt und dann auch noch bejubelt werden? Welche Menschen stecken hinter einem solchen Verhalten? Für mich ist das alles krank. Und es macht mich sprachlos.
Es schmerzt, wenn ich mir bewusst werden muss, dass viele Menschen einfach nicht sozial sind. Das bedeutet für mich, dass sie daran interessiert sind, anderen zu schaden, um ihre eigenen sozialen Unfähigkeiten zu vertuschen. Sie gehen ohne Skrupel gegen andere vor und fühlen sich gut dabei. Woran kann ich diese Menschen frühzeitig erkennen, wenn ich ihnen begegne? Ich habe dabei große Probleme.

Wenn ich das Unglück auf dieser Erde betrachte, denke ich manchmal, dass die Erde in zwei Welten geteilt werden sollte. Wirklich! Und dabei bin ich weder rassistisch noch diktatorisch. Aber es sind doch letztendlich die Lügen und Täuschungen, die viele Menschen zu einem normalen Umgang erklärt haben und jetzt Früchte tragen. Lügen, die so offensichtlich sind, dass man sie doch nicht überhören kann…
Auf der einen Hälfte der Erde würde ich alle missgünstigen, unsozialen und verlogenen Menschen, und auf der anderen die wohlgesonnen, die sich gegenseitig wettbewerbsfrei stützen und sich nicht in die Belange des anderen einmischen, solange sie anderen nicht schaden, unterbringen. Sollte Schaden entstehen, dann würde ich sie direkt auf die andere Seite der Erde verbannen.
So ähnlich nehme ich die Welt inzwischen wahr, nur dass die Erde nicht geteilt ist. Nein, ich fühle mich vielen Vorgängen und Menschen gegenüber fassungslos und gelähmt ausgeliefert und weiß oft nicht, wo auf der Welt ich mich aufhalten kann, damit mich die Bösartigkeit nicht erreicht. Ich will nicht einer von denen werden, die Hass gegen andere Menschen schüren.
Mittlerweile bin ich soweit, mich von allen Nachrichten zu distanzieren, weil sie mich in meiner Wahrnehmung des Guten auf der Welt beeinträchtigen. So wird doch ständig nur von den schlechten Dingen berichtet und die Menschen damit immer mehr zum Schlechten gedrängt. Ich will das nicht. Ich höre mir das nicht mehr an.
Die Welt ist im Grunde ein herrliches Paradies, in dem man mit Freundlichkeit, Respekt und Toleranz wirklich gut leben kann. Stattdessen hauen sich die Menschen Hass, Wut und Zorn um die Ohren. Mitleid den Opfern gegenüber wächst, doch die Täter regieren weiterhin. Was muss passieren, damit der Terror unter den Menschen aufhört? Der Terror lebt von der Aufmerksamkeit und der Verbreitung seiner Taten. Er erreicht genau die, die ständig hinschauen und sich mitreißen lassen. Diese Menschen erleiden Ängste, die sie dann weitergeben und entwickeln Lebensansichten, die nicht ihre eigenen sind. Und schon ist der Hass geboren.
Wo ist die Grenze? Es gibt keine, denn sie ist fließend und ich finde, jeder Mensch sollte sich langsam fragen, inwieweit er sich von seinem Glück noch entfernen möchte, indem er sich mitreißen lässt.

Ich freue mich über jeden Menschen, der mir begegnet, und der nicht von hinterlistigen Absichten beherrscht wird. Doch wenn man mit einer autistischen Wahrnehmung lebt, kann man solche Menschen oft schwer auf Anhieb erkennen. Die Eigenschaft, das gesprochene Wort als solches zu erkennen, wofür es einst gemacht wurde, ist mein größtes Problem, denn genau dort hat die Menschheit die größte Täuschung überhaupt eingebaut: die Lüge. Sie ist es, die in Wahrheit regiert. Gute Worte werden für schlechte Absichten benutzt. Sie sollen beruhigen, vertuschen und über etwas hinwegtäuschen, was der Redner nicht aussprechen möchte.
Ich fühle mich hilfelos…
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Wertschätzung

Alles hat einen Wert in der Gesellschaft – Material, Pflanzen und Lebewesen. Werte, die die Gesellschaft selbst festlegt. Werte, die ich leider oft nicht verstehe, denn für mich haben gewisse Dinge einen anderen Wert. Zum Beispiel Diamanten. Ich kann diesem glitzernden Stein einfach nichts abgewinnen und jeder der denkt, er könnte mir damit eine Freude machen, den muss ich enttäuschen. Für mich ist eine besondere Muschel am Strand oder ein besonderer Stein, den ich beim Wandern finde, um so vieles mehr wert als ein teures Schmuckstück. Solche Mitbringsel dekorieren oftmals meine Regale. Bei mir befindet sich der Wert im Kopf und nicht in der Geldbörse.

Damit habe ich direkt ein anderes Wort für Wert: Juwel.
Kennt Ihr den schönen Spruch: „Du bist ein Juwel?“

Was Menschen einst als Begriff einem wertvollen Stein gegeben haben, hat für mich so viele andere Bedeutungen. So, wie vieles für mich anders auf dieser Welt ist. Wertvolle Dinge sind für mich oft wertlos und umgedreht. Bin ich deswegen dumm oder falsch?

Jemand sagte mal zu mir: „Wie kannst du ein teures Schmuckstück verwehren oder gar abwerten? Tickst du noch richtig?“
Tja, das frage ich mich jeden Tag neu. Ticke ich noch richtig? Bin ich die Uhr, die verkehrt herum läuft? Die schlimm für gut und hässlich für schön hält?
Leider ist das oft der Fall. Meine Wertschätzung scheint eine völlig andere zu sein, als die vieler Menschen um mich herum.

Was bedeutet eigentlich „Wert“ und „Schätzung“?
Wert ist ein individueller Begriff und darf niemals verallgemeinert werden, doch das wird er. Er wird daran gemessen, was die Mehrheit der Gesellschaft bestimmt.
Wenn ich das einmal anders betrachte: Je seltener etwas existiert, desto mehr Wert hat es. Mit dieser Einstellung ständen wir als Asperger-Autisten doch toll da, oder nicht? Wir sind ziemlich selten anzutreffen, genau wie ein Diamant oder Gold. Doch schätzt man AS-Betroffene deswegen mehr?
Leider lehrt mich die Erfahrung immer wieder, dass sich der Begriff „Schätzung“ in einer Schieflage in unserem Wortschatz befindet.
Asperger Autisten haben so unglaublich viele Stärken, die sie wertvoll machen und viel mehr geschätzt werden sollten.
Inzwischen geht ein kleiner Ruck durch die Berufsbranche, die immer mehr Betroffene einen Beruf ermöglicht, in dem er optimal aufgehoben ist. Es würde mich sehr freuen, wenn es so weiterginge. Es erscheinen auch immer mehr Bücher über und von Betroffenen, die eine bessere Aufklärung betreiben, als manches Fachbuch. Auch dafür bin ich dankbar.

Wertschätzung ist für mich eine Tugend. Ich wertschätze mit dem Herzen und treffe dabei immer häufiger auf völlig andere Dinge, als es in der Gesellschaft der Fall ist. Ich wertschätze zum Beispiel keine Einladung, die kaltherzig und unpersönlich einhergeht, sondern die in einem kleinen Rahmen mich gezielt erfreuen soll. Ich schätze keine teure Torte von einem Konditor zum Geburtstag, sondern den kleinen selbstgebackenen Kuchen aus der eigenen Küche. Es ist der Gedanke, der mich erfreut, nicht der Preis, der sich dahinter verbirgt. Doch ist es nicht so, dass genau das in der Gesellschaft eine größere Wertschätzung erhält? Wozu werden viele Preisverleihungen in einem unsagbar teuren Rahmen veranstaltet? Doch nur, um ihnen „mehr Wert“ zu geben. Ich frage mich, ob die Menschen, die daran teilnehmen und auch auf den After-Show-Partys anwesend sein müssen, wirklich glücklich damit sind? Ihre Gesichter zeigen andere Gefühle. Und doch „wertschätzt“ man solche Veranstaltungen in der Öffentlichkeit. Ich kann in dieser Scheinwelt leider nicht leben.

Tja, das ist wieder mal so ein Thema, was mich von vielen anderen unterscheidet …
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