Funkstille

Oh Mann, wenn ich daran denke, wie sehr mein Mann darunter leidet und ich diesen Zustand einfach nicht bei mir abstellen kann.

Ich frage mich, was diese Funkstille in mir auslöst.

Eigentlich lässt sich die Situation ganz einfach erklären: Die Funkstille wird bei mir ausgelöst, wenn ich mit einer Situation nicht mehr klarkomme. Über mein Regel- und Plan-Denken habe ich schon oft berichtet. In meinem Kopf sind feste Strukturen verankert, nach denen ich lebe, fühle, reagiere und … jetzt kommt‘s (!) … mich auch abschalte. Nämlich dann, wenn eine Situation entsteht, auf die ich keine Reaktionsstrategie abrufen kann. Es fühlt sich an, als wenn die Situation in mir drin ins Leere läuft, also verpufft! Wenn der andere dann nachsetzt und mich drängt, endlich zu reagieren, entsteht in mir diese Funkstille. (Es kann auch ein Overload oder ein Meltdown sein, aber darüber schrieb ich bereits) Sie zeigt sich sehr unangenehm dem Partner gegenüber, denn sie kommt einer Art Wut gleich, die ich verströme. Früher nannte man es „beleidigt sein“, aber es ist so vieles mehr in mir, das dann stattfindet, als nur beleidigt zu sein. Ich spüre in mir drin einen starken Widerstand, der sich nach außen wie eine Stichwaffe zeigt. Der andere hat danach keine Chance mehr, mich zu erreichen. Ich will dann stundenlang oder tagelang nicht mehr mit der verursachenden Person sprechen. Ich will nur noch, dass sie mich in Ruhe lässt, weil sie meine innere Ordnung durcheinander gebracht hat und nicht aufhört, weiter Unordnung in meinem Leben zu schaffen.

Bei mir gibt es die leichte, mittlere und starke Funkstille.

Die leichte lässt zu, dass ich innerhalb eines Tages wieder von der Person angesprochen werden und mit ihr über das Problem reden kann.

Die mittlere lässt mich tage- oder wochenlang in Kriegen und Kämpfen versinken und erst dann wieder auf Empfang gehen.

Die starke ist die Schlimmste. Dann hat der andere mich in einer Art und Weise bedrängt oder etwas verursacht, dass mich nie wieder den Kontakt herstellen lässt. Das kommt fast nie vor, ist aber dann die totale Funkstille.

Wie kann sich der andere/oder Partner jetzt am besten verhalten?

  1. Regel: lass mich bitte solange in Ruhe, bis ich von alleine wieder bereit bin, mich dir zu nähern.
  2. Regel: sie ergibt sich aus der 1. Regel: setze auf keinen Fall nach oder versuche mich aus der Funkstille zu holen, denn dadurch machst du es nur schlimmer.
  3. Regel: bitte lasse den Kontakt zu mir erst mal nicht abbrechen, denn ich weiß meistens selbst nicht einmal, wie stark meine Funkstille ist.

    4. Regel: Wenn ich wieder mit dir ins Gespräch komme, dann höre dir sehr aufmerksam an, was mir zu schaffen gemacht hat. Unter Umständen tut mir auch eine Entschuldigung gut, weil du meine Grenze überschritten hast. Du kanntest sie vielleicht nicht, aber es sollte nicht noch einmal vorkommen.

Die Beseitigung der Funkstille ergibt sich dadurch, ob oder wie schnell mein Gehirn das Chaos, das in mir entstanden ist, in der Lage ist zu beseitigen. Ob es dafür eine Regel oder eine Ordnung herstellen kann. Der andere sollte wissen, dass es Dinge gibt, die ich nicht lernen oder annehmen KANN. Es gibt dafür kein Programm auf meiner Festplatte. Beispiel: Mein Partner möchte, dass ich mit einem bestimmten Verhalten aufhöre, z.B. einer Macke (Händereiben) oder eine Sache (ständig Schreiben). Für alle, die es nicht wissen: solche Verhaltensweisen sind Beruhigungstechniken für mich, wenn ich aufgeregt oder durcheinander bin, oder es sind im Falle von Schreiben Spezialinteressen für mich, die mir ebenfalls dazu verhelfen, mich zu beruhigen und wohl zu fühlen. Was für nicht Betroffene des Asperger Syndrom manchmal „unmöglich“ oder „übertrieben“ erscheint, kann für mich pure Erholung bedeuten. Ich besitze weit weniger Konzentrationsfähigkeit als nicht Betroffene, wenn es um soziale Interaktionen oder Dinge geht, die mich stressen. Das lässt mich viel eher zusammenbrechen oder eben diese Funkstille in mir entstehen. Ich nehme nämlich viel mehr wahr und muss viel mehr durch meinen Autismus verarbeiten, als es normale Menschen können.

Also Funkstille ist wichtig in meinem Leben. Ich brauche sie, um wieder klarzukommen.

(Meine Blogs gibt es auch zusammengefasst alseBook oder  Printausgabezum Lesen)
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19 Gedanken zu „Funkstille

  1. 2ndplanetleft

    In einer Welt, in der alle nur noch am Senden sind und auf Empfang stehen, versteht kaum noch jemand, dass Funkstille für manche lebensnotwendig ist. Wenn ich (meist als Kind) in den Funkstille-Modus gefallen bin, wurde mir immer gesagt, ich soll nicht so bockig sein.😜

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    1. Denkmomente Autor

      Das kenne ich auch noch aus meiner Kindheit. Man nannte es „launisch“. Leider konnte ich damals meine Zimmertür nicht abschließen und wurde ständig bedrängt, nachzugeben, doch ich konnte nicht. Ich bekam die Situation einfach nicht einsortiert. Das hat mich dann so in die Enge getrieben, bis ich einen Overload bekam und stundenlang zusammengekrampft im Bett lag und in die Erstarrung fiel. Erst dann sgagten die anderen: „Lass sie in Ruhe. Die spinnt mal wieder.“ Natürlich wusste damals niemand, dass es eine Reaktion war, die ich nicht steuern konnte. Und ich fühlte mich oft sehr schlecht, falsch und schuldig deswegen.

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      1. Ulla

        Ich habe heute Ihren Blog empfohlen bekommen und empfinde ihn als absolute Bereicherung!!! Mein 7 jähriger Sohn ist Asperger ( vor 1 Jahr diagnostiziert) , mir war schon sehr früh klar, dass er ein besonderes Kind ist (besonders toll, mit besonderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die auch viel Verständnis von seinem Umfeld verlangen). Er ist jetzt in der Schule, erste Klasse, und die Schwierigkeiten fangen an. Er fängt oft aus für die Lehrer nicht nachvollziehbaren Situationen an zu verweigern. Manchmal dauert es eine halbe Stunde bis er wieder ansprechbar ist. Das gleiche erlebe ich hier zuhause öfter, wenn es um Situationen geht, die wir kären müssen. Zum Beispiel hat er in der Schule mit einem anderen Kind zusammen einen Jungen in den Bauch geschlagen. Als Grund nannte er: dieser Jungen habe gesagt, er wolle die beiden verprügeln. Das führte natürlich zu einem Gespräch mit der Direktorin. Meine Aufgabe war es nun natürlich das Ganze zu besprechen, dass man sich wohl verteidigen darf aber nicht, und schon gar nicht zu zweit, einen Jungen schlägt, nur weil er was gesagt hat.
        Er hat auf Nachfragen immer nur die Schultern gezuckt und als ich gesagt habe, dass das nicht geht und ich das nicht möchte, dass er sich so verhält, ist er weg gelaufen und hat sich unter seiner Bettdecke verkrochen und war nicht mehr ansprechbar – Funkstille!! Das habe ich in den Jahren mit ihm bereits gelernt: alles Reden nützt dann nichts, abwarten bis er irgendwann von allein wiederkommt. Mein Sohn war von den ganzen Ereignissen so erschöpft und geschafft, dass er 1,5 Stunden fest wie ein Stein geschlafen hat. Später haben wir nochmal geredet, bzw ich und es kam raus, dass er darüber nicht sprechen kann, weil es ihm peinlich ist und es ihm leid tut.
        Ich werde mir jetzt nach und nach die Einträge durchlesen und hoffe dass ich noch viel von Ihnen lernen kann!! Vielen herzlichen Dank für Ihren Blog!!!

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  2. Horst

    Dieser blog entstammt ja aus einer Anfrage zum letzten blog. Eine Seite der Medaille ist das Verständnis, warum es zu so einer Funkstille kommen kann und warum so eine Funkstille nötig ist, eine andere Seite ist wohl die Frage, ob die Person nochmals aus der Funkstille zurückkommt. Diese Funkstille ist bei fehlender Kommunikation und fehlendem Verständnis sehr leicht mit „ignorieren“ zu verwechseln. Toleranz von BEIDEN Seiten sollte hier mit offener Kommunikation einhergehen! Das Zugestehen der nötigen Funkstille scheint mir genauso nötig, wie die Angst des Partners vor völligem Abtauchen zu respektieren und zu beachten.

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    1. Denkmomente Autor

      Da hast du recht, lieber Horst! Das Thema „Verständnis“ scheint wiederum ein sehr spannendes Thema in einem neuen Blog zu werden. Verständnis ist immer gut, aber oftmals bei mir ein Problem, wenn mein Gehirn keine Signale dafür gibt. Das bedeutet, wenn ich in Funkstille falle, kann ich nichts mehr steuern. Mein Verstand ist ausgeschaltet, weil das Gehirn damit beschäftigt ist, für die entstandene Situation eine Regel zu finden. Bei mir muss jede Situation in eine Art Fach passen. Wenn dies nicht vorhanden ist, muss ich ein neues erstellen. Ist es erstellt, kommt in mir automatisch das Verständnis zustande und ich kann nachgeben und reagieren. Wie lange der Prozess allerdings dauert, kann ich nie vorher wissen. Deswegen ist es das beste, man lässt mich in Ruhe, um mein Gehirn „arbeiten“ zu lassen. Sollte sich für die Situation aber kein Fach erstellen, selbst nach Wochen und Monaten nicht, dann ist es eine Funkstille auf Lebenszeit. Ich habe dem anderen Menschen dann kein Empfinden mehr gegenüber, egal, wie sehr ich ihn vorher gemocht habe. Er ist bei mir praktisch gelöscht. Ich weiß nicht, ob das bei NTs auch so ist.

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    2. Birgit

      Danke Horst – du schreibst mir aus der Seele. Ich als NTlerin in einer Asperger Beziehung „mache ja auch meinen Teil mit“. Und genau diese Angst, die du aussprichst macht mich wahnsinnig und treibt mich in die Verzwieflung!!! Unbeschriebliche.

      Aus meiner Warte und meiner Situation kann ich alle Asperger in Bezug auf ihre Partner nur um Folgendes bitten:

      Versucht nicht immer NUR auf eure Bedürfnisse zu pochen, deren Einhaltung zu fordern. Sondern versucht auch anzuerkennen, dass euer Partner auch Bedürfnisse hat und diese theoretisch die gleiche Daseinsberechtigung und auch Werigkeit haben wie eure. Euer Pastner wird eh immer mehr verzichten, mehr Kompromisse eingehen und Abstriche machen als ihr. Das liegt in der Natur der Sache bzw. des Aspergers.

      Der Partner ohne Autismus hat auch Gefühle, Rechte, Bedürfnisse und ist genauso viel wert wie ihr. Von ihm zu fordern er müsse immer perfekt in eurer Welt funktionieren ist nicht okay. Er erwartet idealerweise ja auch nicht dass ihr perfekt in seiner (NT) Welt funktioniert.

      Ich will nicht alle über einen Kamm scheren oder angreifen. Bitte nicht falsch verstehen. Aber bitte nicht vergessen, dass der NT-Partner die gleichen Rechte hat wie der ASS-Partner. Danke!

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      1. Denkmomente Autor

        Vielen Dank für deinen Beitrag, liebe Birgit. Du sprichst ein Problem an, das ganz viele Menschen haben, deswegen bin ich sehr dankbar.
        Ich als Aspergerin kann nur soweit Stellung dazu beziehen, dass in meinem Gehirn eine Andersverdrahtung existiert, mit der ich die Welt und mein Leben anders wahrnehme und lebe. Ich kann mein Gehirn in vielerlei Hinsicht nicht verändern. Ich weiß, wie schwer es ist, wenn ein AS mit einem NT zusammenlebt und der NT empfindet es meistens als Nachteil, weil ein AS emotional mit vielen Situationen anders umgeht, was NTs oft nicht nachvollziehen könnne. Wenn du auf eine Veränderung eines AS-Betroffenen wartest, dann wartest du (leider und das meine ich nicht böse, sondern rein informativ) vergeblich. Dieses Problem haben ganz viele Paare (ich genauso mit einem NT-Mann) und sie müssen irgendwann entscheiden, inwieweit sie sich gegenseitig überhaupt noch als Partner sehen und ihre Eigenschaften gegenseitig akzeptieren lernen. Ich bin wie ich bin und du bist wie du bist. Jeder Versuch, einen autistischen Menschen zu verändern scheitert früher oder später. Aber wenn Gespräche stattfinden, in denen nach Kompromissen und nicht nach Veränderung gesucht wird, hat eine Partnerschaft gute Chancen. Keiner sollte fordern, sondern nur mitteilen, was er in der Lage ist zu geben. Wenn das als Maßstab eingehalten wird, kann sich jeder danach richten und die Partnerschaft wird sich gut anfühlen. Liebe Grüße, Marion

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  3. Uta

    Guten Abend,
    Vielen Dank für diese vielen klugen und für mich als Neuling wirklich sehr erhellenden Beiträge.
    Man findet so viel im Internet, liest so viel und doch kommt man oft nicht weiter .
    Das hier ist sehr lebensnah .
    Heute gerade – so denke ich – bin ich in einer Funkstille gelandet. Dies bei einem Freund den ich noch nicht sehr lange kenne und habe noch dazu den Fehler gemacht in mit Fragen zu bestürmen ( via SMS) was denn los sei.
    Irgendwann habe ich es aufgegeben .
    Trotzdem ist es natürlich schwierig wenn das so aus heiterem Himmel passiert und ich mir ehrlicherweise keiner Schuld bewusst bin.
    Seit er mir von seiner Diagnose erzählt hat lese ich viel und bemühe mich sehr keine “ Fehler“ zu machen.
    Daher ist es mir nicht ganz klar wie ich jetzt erfahre in welcher Stufe der Funkstille ich bin …
    und einfach abwarten ?
    Richtig ?
    Tage ? Wochen ? Monate ?
    Wir hatten ein Projekz zusammen geplant .
    Das fällt mir schon recht schwer.
    Vielen Dank

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    1. Denkmomente Autor

      Vielen Dank für deinen Kommentar, liebe Uta!
      Diese Situation entsteht sehr oft, wenn Menschen ohne Autismus auf Menschen mit Autismus stoßen. Es ist also nichts Außergewöhnliches. Auch ich kenne solche Situationen. Ich bin viel schneller überfordert als andere und somit auch schneller erschöpft. Leider ist der Rhytmus und die Schnelligkeit bei NTs (neurologisch Typischen) und AS (Aspergern) sehr unterschiedlich und es gibt keine Regel, nach denen bestimmt werden kann, wer sich denn nun im Recht befindet. Ich kann aus meiner Sicht als Betroffene nur sagen, bitte gib mir die Zeit, die brauche, wenn ich mich zurückziehen möchte, um mit der entstandenen Situation klarzukommen. Wenn du mir signalisierst, dass du geduldig auf meine Antwort wartest ohne mich ständig zu drängen, bin ich eher bereit und auch fähig zu reagieren, als wenn du mich unter Druck setzt. Ich bin ein sehr analytischer Typ, d.h. ich analysiere dein Verhalten, ob ich damit später immer wieder die gleichen Probleme bekomme oder ob es nur ein „Ausrutscher“ war. Das bestimmt die Länge meiner Funkstille. Merke ich, dass du mir Zeit zum Reagieren gibst, hast du gut Chancen, dass ich mich bald melde. Drängst du mich, wird es dauern. Drängst du mich weiterhin, wird es eine große Funkstille geben, denn dann gehe ich davon aus, dass du mir grundsätzlich nicht genug Zeit einräumst.
      So sieht meine Situation aus.

      Du schreibst, du möchtest den Asperger oder Autisten verstehen lernen. Das weiß der Betroffene grundsätzlich zu schätzen. Am besten ist es, du versuchst ihn nicht über Bücher zu verstehen, sondern, indem du ihn bittest, dir ein Zeichen zu geben, wenn du seine Grenze überschreitet. Und nimm die Reaktion bitte nicht persönlich. Er will dich nicht verletzen, wenn er seine Grenze mitteilt. Damit kannst du sofort reagieren und dich zurückziehen. Wenn dein Freund mag, kann er dir vielleicht später einmal schriftlich erklären, was in ihm vorgegangen ist.Vieleicht sogar in einem persönlichen Gespräch. Bei mir ist es z.B. passiert, dass ich einmal einen betroffenen lieben Freund viel gefragt habe und er sich gestalkt fühlte. Ich bin zu tief in seine Privatsphäre eingedrungen. Und ich habe seine Hinweise nicht verstanden. Erst als ich mich in aller Form entschuldigte, kam der Kontakt wieder zustande. Es gibt einfach keine Gebrauchsanleitung bei Beziehnungen zu autistischen Menschen. Aber die gibt es ja auch nicht bei NTs.

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      1. Uta

        Vielen Dank für diese wirklich einleuchtenden Erläuterungen.
        Das hilft mir weiter.
        Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, daher fällt es mir extrem schwer damit klar zu kommen ohne zu drängeln, nachzuhaken etc. Weil ich die „Dinge“ immer sofort persönlich nehme.
        Und gerade auch das Verhalten, dass Jemand einfach so „untertaucht/abtaucht“ beziehe ich auf mich und will erfahren, was genau schief oder falsch lief und wie ich es richten kann.

        Nun versuche ich also zu lernen. Geduld zu bewahren. Er ist es mir wert.
        Je länger und auch besser wir uns kennen desto eher braucht er diese Zeiten für sich… kann das denn sein ? Sie werden auch länger….und die Abstände dazwischen kürzer…So scheint es mir zumindest.

        Vielleicht kann ich das ja aber auch in einem persönlichen Gespräch mal eruieren.
        Wenn die Funkstille die wir momentan haben – vorbei ist.

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      2. Denkmomente Autor

        Hallo liebe Uta! Ja, du hast es richtig erkannt. Wenn dein Freund ein Autist ist, dann benötigt er immer wieder Zeiten, um sich zu erholen. Das hat etwas mit der Intensität der Beziehung zu tun. Ich bin ja seit über 30 Jahren verheiratet und je länger und intensiver mein Mann mit mir Zeit verbringen will, desto größer wird mein Drang nach Ruhe und Alleinsein. Ich habe durch meine Anderswahrnehmung mehr Mühe, soziale Kontakte zu verarbeiten. Sie kosten mich doppelt soviel Energie wie andere. Deswegen ermüde ich schneller und brauche mehr Ruhepausen. Wenn du deinem Freund diese Pausen einräumst, dann wird er sehr dankbar sein. Am besten, du fragst zwischendurch immer nach, ob er eine Pause von dir braucht. Nimm es nicht persönlich. Leider sind die Bedürfnisse vom Menschen ohne und mit Autismus oft sehr unterschiedlich. Genau das ist das Schwere an einer solchen Beziehung. Wird ein Autist permanent überfordert, zieht er sich mehr und mehr zurück. Das mache ich auch. Und genau das löst bei meinem Mann dann das Gefühl aus, dass er sich schlecht fühlt und will noch mehr Zeit mit mir verbringen. Das bewirkt dann das Gegenteil. Ich denke, dass es für Menschen ohne Autismus sehr schwer ist, damit so umzugehen, dass er sich nicht schlecht dabei fühlt. Viele Grüße!

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  4. Uta

    Ich mache es einfach mal : Also noch einmal viele Dank für dieses grossartige Portal hier und die vielen “ Denkmomente“. Natürlich hilft so etwas mehr als die ganzen Bücher und All das was man im Internet an „Weisheiten“ so findet .
    Gerade wenn man einen AS näher kennenlernt und sich eine Freundschaft vertieft- so scheint es mir- wird es nicht einfacher.
    Ich hatte mir am Anfang unseres Kennenlernens vorgenommen, dass es mir nicht so ergehen wird wie so vielen Frauen die verzweifelt in den Foren schrieben, dass sie nicht mehr klar kämen. Am Ende stellte sich dann heraus, dass sie letztendlich „ihren AS“ ändern wollten.
    Das sollte MIR nicht passieren.
    Nun denke ich bin ich nach geraumer Zeit wohl doch in diese Falle getappt.
    Anstatt – wie am Anfang- dankbar zu sein über die vielen positiven Eigenschaften die mein Freund mit sich bringt, haben mir die Seiten die an ihm ,nun sagen wir mal recht unemotional sind, dann doch zu schaffen gemacht. Und nach und nach habe ich unmerklich versucht zu manipulieren.
    Es gab dieses wo ich dachte „Funkstille“,/eigentlich waren es eher seine Pausen/ die waren bei ihm nie länger als 2-3 Tage . Und danach lief Alles immer sehr gut und harmonisch weiter- als wäre nix gewesen. Eine sehr angenehme Art von ihm.
    Letztendlich habe ich aber dann doch versucht in sein Leben einzugreifen. Erst habe ich mich 3 Tage nicht gemeldet- wolllte dafür noch ein Lob und als ich es nicht bekam habe ich ihm Vorwürfe gemacht, dass er anstatt sich mit mir zu beschäftigen anderweitig unterwegs war.
    Da ist ihm wohl zum ersten Mal der Kragen geplatzt. Noch dazu weil ich dann – nicht wie hier empfohlen- mich zurückzog. Sondern versuchte Alles „wieder gut zu machen“ indem ich immer mehr insisterte. Das Ganze über Stunden und Tage.
    Der Stalker Modus.
    Nun ist seit einer Woche wirklich echte Funkstille. (mindestens mittelstark)
    Die ich mich auch nicht traue zu durchbrechen. Denn ich habe so so viel falsch gemacht.

    Gibt es irgendetwas um da nochmal eine Chance auf eine Kontakt zu erwirken ? Kann ich etwas Sinnvolles tun ?
    Und ja, ich weiss, dass ich sehr sehr dumm war, denn ich hatte Deine Einträge hier …und ich habe eigentlich einen Kopf zum Denken.

    Vielen Dank

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    1. Denkmomente Autor

      Nun hat es doch geklappt.
      Ich danke dir so herzlich für deine Offenheit, denn genau das, was du schreibst, passiert Aspergern immer wieder, nämlich, dass man sie doch nicht so nehmen kann, wie sie wirklich sind. Das macht sie zutiefst traurig und zum Schluss natürlich irgendwie verbittert oder gar wütend, so dass diese Funkstille entsteht.
      Ich kann dich trotzden so gut verstehen, weil auch du Bedürfnisse hast, die du nicht wegtrainieren kannst. Es ist oft mit Unsicherheit oder Angst verbunden, den Partner zu verlieren, besonders wenn er sehr speziell ist. Und natürlich möchtest du deine Persönlichkeit genauso in die Beziehung einfließen lassen, wie dein Freund. Die Frage ist die, ob ein Mensch mit Autismus damit auf Dauer klarkommt. Ich schrieb einmal in einem Blog, dass Menschen, die mit Aspergern zusammenleben, viele Höhen und Tiefen erleben. Es geht immer ins Extreme. Und ich spreche aus Erfahrung. Natürlich macht sich dein Freund genauso Gedanken darüber, ob er das auf Dauer aushalten kann. Ich kenn niemanden mit AS, der Enge, Klammern, zu viel soziale Interaktion oder Eifersucht auf Dauer aushalten kann. Das ist selbst für Menschen ohne AS schwer. Fakt ist nur, dass der Asperger die Funkstille für sich einrichtet, um alles zu analysieren und gegeneinander abzuwägen. Er will dabei auch vollkommen in Ruhe gelassen werden. In dieser Zeit empfindet der Partner ganz viele Ängste, weil er nicht weiß, wie die Entscheidung ausfällt, besonders, wenn echte Liebe im Spiel ist.
      Du fragst nach einem Rat. Nun, bei mir war es bisher immer so gewesen, dass mir die Funkstille klar gemacht hat, wie wichtig mein Mann in meinem Leben ist, auch wenn er mich oft an meine Grenzen zwingt. Dennoch kann ich nie mit Bestimmtheit sagen, ob diese Funkstille eines Tages endgültig sein wird. Mein Mann leidet dadurch an Verlustängsten. Damit müssen wir leben.
      Ich kann dir nur empfehlen, deinen Freund komplett in Ruhe zu lassen und einfach mal auszuhalten. Nach 3-4 Wochen kannst du vorsichtig anklopfen (per Email?), ob er dir gerne etwas sagen möchte. Wenn er nicht reagiert, lass ihn weiter in Ruhe. Ich weiß, das wird sehr schwer für dich sein. Wichtig ist, ihn alles mitteilen zu lassen, was er zu sagen hat, sobald er bereit ist, und ihn nicht dabei zu unterbrechen. Denk einfach mal ein paar Tage darüber nach und dann fällst du eine Entscheidung, die dir guttut, denn auch du musst schauen, dass du nicht ewig leidest. Sollte dein Freund sich weiterhin für eine Beziehung mit dir entscheiden, dann stellt klare Regeln auf, denn ohne die wird es nicht auf Dauer funktionieren. Ihr fragt euch, was ihr euch gegenseitig wünscht und diskutiert, wie das umgesetzt werden kann. Bei einem Asperger darf es keinen Regelbruch geben. Er kann nicht intuitiv oder instinktiv leben, wie NTs. Er braucht klare Richtlinien.
      Vielleicht hilft dir das ein wenig weiter. Ich finde es sehr schön, dass du dir soviel Gedanken machst. Das wird dein Freund auch wahrnehmen. Alles Gute!!

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  5. Uta

    Hallo,
    Das war für mich wieder ein sehr wichtiger und lehrreicher Kommentar .
    Leider kann ich hier nichts “ liken“ .
    Dann also schriftlich.
    Ich habe sehr viel über Deine Worte nachgedacht .
    Ja, man kann AS nicht ändern, und ich wollte es auch nie . Ich wollte ihn je genauso wie er ist.
    Und trotzdem sind mir natürlich meine eigenen Gefühle so richtig in die Quere gekommen .

    Das Merkwürdige ist, dass es vor unserer Funkstille nochmal richtig gut lief und wir den Streit über mein “ Klammern “ gut weg gesteckt hatten .
    So dachte ich zumindest .
    Und doch kam plötzlich von einem Tag auf den nächsten : nichts mehr / null . Das war allerdings 4 Tage später .
    Kann das auch so verzögert sein ? So eine Funkstille?

    Er las noch ( am 4. Tag nach dem “ Klammern und Streit “ ) einen Tag lang Text Nachrichten von mir mit / hörte sich auch sprachnachrichten an . Aber antwortete nie. Das war sehr merkwürdig .
    Ab dem nächsten Tag war das Handy aus und er nicht mehr zu erreichen .
    Durch einen Freund erfuhr ich nach 3 Tagen er sei in Amsterdam .
    Trotzdem habe ich mich dran gehalten und mich eine ganze Woche nicht gemeldet .

    Leider habe ich aber heute Deinen Kommentar viel zu spät gelesen . Denn ich hatte mich nun nach der einen Woche gemeldet und ihn wieder gebeten Kontakt aufzunehmen .
    Ich dachte einfach das reicht .
    Natürlich kam heute keine Antwort .
    Wo ich dann deinen Text las wurde mir auch klar warum keine Antwort kam.
    Also werde ich mich wieder ruhig verhalten und diesmal deutlich länger .
    Es ist wirklich nicht einfach
    Und ich dachte ich mache es richtig !

    Danke für Deine Hilfe und Deinen Rat .
    Hoffentlich habe ich mir jetzt nicht Zuviel / noch mehr kaputt gemacht

    LG

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    1. Denkmomente Autor

      Du leidest eine große Not, liebe Ute! Das tut mir so leid. Wahrscheinlich hast du dich tatsächlich zu schnell gemeldet. Ja, Funkstille kann auch verspätet eintreffen. Ganz plötzlich kommt das Gehirn nicht mehr nach. Ich kann immer nur empfehlen, so lange zu warten, bis der Asperger sich meldet, denn dann ist er gesprächsbereit. Alles was zu schnell kommt, kann er nicht verarbeiten und ignoriert oder übergeht es. Es setzt ihm noch mehr zu und verdichtet die Funkstille. Das ist unglaublich schwer für dich, weil du die Sache sicherlich geregelt haben möchtest und das ist dein gutes Recht. Ich glaube, man kann nie von richtig oder falsch sprechen, weil jeder sein bestes gibt. Es ist auch nicht möglich auf Dauer, dass du jede deiner Reaktionen überdenken musst. Das ist ja furchtbar anstrengend und künstlich! Ich kannte auch mal eine Asperger, der so kompliziert reagierte, dass ich nicht mehr wusste, wie ich mich verhalten sollte. Es war so anstrengend, dass ich heute nur noch oberflächlich zu ihm Kontakt halte. Mehr war nicht möglich. Alles Gute!

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  6. Lisa S.

    Ich habe selbst Asperger und mein Partner auch. Trotz allem sind wir in manchen Belangen sehr verschieden. Ich bin SEHR kommunikativ. Probleme möchte ich sofort klären oder zumindest noch taggleich. Bei ihm reicht die kleinste Kleinigkeit und er zieht sich wortlos zurück, oft tagelang. Ich lasse ihn ihn Ruhe und wenn er sich wieder meldet kommen kleinkarierte, pedantische Erklärungsmodelle zu seinem Rückzug. Ich bekomme jedesmal Panik und denke die Beziehung ist vorbei, er sagt ich würde in der Hinsicht überreagieren, dass er mich liebt, vermisst aber ich merke davon nicht viel. Wenn er nach jedem noch so kleinsten verbalen Ausrutscher in die Defensive geht wie sollen wir da jemals auf einen Nenner kommen? So kann man doch keine Beziehung führen wenn keinerlei Kritikfähigkeit vorhanden ist.

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