Mut

Was ist Mut?
Mut ist ein kurzes Wort mit einer großen Bedeutung.
Ich habe viel in meinem Leben gewagt und war bis vor einigen Jahren doch ziemlich tollkühn in meinen Aktionen, doch ich konnte es nie unter Mut verbuchen.

Ist es mutig, das Land zu verlassen und in einem fremden Land ganz neu anzufangen?
Ist es mutig, gegen den Krebs zu kämpfen?
Ist es mutig, vor einem großen Publikum zu lesen?
Ist es mutig, allein mit dem Wagen quer durch Europa zu reisen, obwohl ich mich ständig verirre?

Viele würden sagen, ja, das ist Mut.
Für mich war und ist es alltäglich, bestimmte Aktionen im großen Stil durchzuführen. Sachen, die sich andere vielleicht nie im Leben trauen. Und doch fühlt es sich für mich nicht mutig an.

Mut bedeutet, mich Dingen zu stellen, für die ich mich überwinden muss. Und die haben oft nichts mit großen Aktionen zu tun. Im Gegenteil, für mich sind es die kleinen Dinge im Leben, die bei mir großen Mut einfordern. Viele Jahre lang war ich feige. Ich benutze einfach mal dieses negative Wort, weil mir kein anderes dazu einfällt.
Ich war feige zu sagen, wann es mir reichte.
Ich war feige zu sagen, was mich verletzt.
Ich war feige, nein zu sagen.
Ich war feige, den Menschen die Wahrheit zu sagen.
Ich war feige, mich gegen Dinge zu wehren, die ich nicht wollte.
War ich feige, unfähig oder ängstlich?

Für mich beginnt Mut an einer ganz anderen Stelle, nämlich bei der sozialen Interaktion. Meine sogenannte Feigheit war im Grunde meine Angst vor den Reaktionen der anderen, wenn sie mich mit ihren Gegenargumenten bombardierten. Dass meine Reaktion darauf nicht die beste war, stellte ich schon in jungen Jahren fest. Warum konnte ich nie spontan ehrliche Reaktionen abrufen und mitteilen? Warum kamen mir immer alle möglichen Ausreden in den Sinn, für die ich mich später hasste?
Ich konnte mich viele Jahre lang nicht überwinden, die Wahrheit zu sagen. Damit bekam das Wort „Mut“ eine neue Dimension für mich.

Doch…stopp! Es gab eine Zeit, als ich mutig war, nämlich als Kind. In dieser Zeit machte ich meinen Unmut deutlich und es bescherte mir immerzu Ärger. Ich galt als launisch, unerträglich und komisch.
Ein Kind lernt schnell. Schneller als ein Erwachsener, weil es noch keine Strukturen in sich verspürt, die es ändern muss. Es legt seine Strukturen im Leben erst an. Damit auch die Regeln und Verhaltensweisen. Mein feiges Leben begann als junge Erwachsene, damit ich überhaupt in die Gesellschaft fand. Feigheit und Lüge wurden zu Strategien und Regeln, die ich widerlich aber unumgänglich fand. Es funktionierte 30 Jahre lang. Dann machte der Körper nicht mehr mit. Ich ging auf die Suche nach meinem alten Mut aus meiner Kindheit und frühen Jugend und fand ihn.

Mut ist gleich einer Überwindung für mich.
Überwindung kostet viel Kraft. Es ist, als würde ich an einer Klippe stehen und jeder wartet auf meinen Sprung in die Tiefe. Überwindung ist bei mir immer mit immenser Angst verbunden. Ich springe nicht gerne in die Tiefe ohne zu wissen, was dann passiert.

Die Überwindung hat mich in den letzten Jahren meiner Veränderung immer mehr beschäftigt. Ohne Überwindung wird sich nichts verändern. Ich musste lernen, mutig in meinem Sinne zu werden, also Worte auszusprechen, die ich kaum über die Lippen bekam. Auch auf die Gefahr hin, einen Krieg auszulösen. Ich bin kein Stratege und auch nicht diplomatisch, deswegen kommen meine Worte oft ungebremst heraus und werden schnell missverstanden. Meine Impulsivität tut ihr Übriges. Doch ehe ich die Gelegenheit bekomme, es zu erklären, sehe ich mich besiegt am Boden liegen.

In den letzten Jahren ist mir immer klarer geworden, dass ich Mut üben musste, auch auf die Gefahr hin, anfangs zu verlieren. Ich musste also lernen, immer wieder von der Klippe zu springen, solange, bis ich den Sprung beherrschte.
Nun, ich werde solche Sprünge nie wirklich lernen und es kostet mich immer wieder viel Überwindung, mutig zu sein, doch ich habe bemerkt, dass sich durch Mut die Dinge positiv für mich verändern. Der Gewinn ist oft größer als der Verlust. Ich muss aushalten lernen, anders, als ich früher aushielt. Jetzt muss ich FÜR MICH aushalten lernen und nicht für andere. Das gibt dem Wort eine neue Dimension in meinem Leben. Und das wiederum gibt mir neuen Mut…

(Ab jetzt kann man meine Blogs auch zusammengefasst als eBook oder  Printausgabe lesen)
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2 Gedanken zu „Mut

  1. D. Helbich

    Diese sogenannte „Feigheit“ kenne ich auch nur zu gut.

    Es kostet mich auch immer Überwindung in Gruppen etwas zu unternehmen, außer meine Schwester wäre dabei, da kann ich mich an Ihr orientieren, daher fliege/fahre ich auch nur mit Ihr in den Urlaub. Das ich bei so etwas sehr schlecht bin, hat sich in diesem Urlaub wieder gezeigt. Ich nehme das geschrieben Wort sehr wörtlich ebenso wie das gesprochene Wort, daher kommt es da schon einmal zu Missverständnissen, dies ist auch bei der Mietwagenbuchung passiert als ich den Mietwagenanbieter nicht fand, obwohl auf der Bestätigung stand der Wagen könnte am Flughafen abgeholt werden. Dieses am Flughafen war dann 5 Autominuten entfernt, hätte meine Schwester dann nicht die Initiative ergriffen, würde ich wohl immer noch in der Mietwagenabteilung stehen, da ich auch sehr schlecht fragen kann, vor allem fremde Leute und das noch in englisch.

    Ich fahre fliege trotzdem immer wieder mit Ihr in den Urlaub, obwohl ich da vor Nervosität und Angst am liebsten schreiend vom Flughafen weg laufen würde, hat dies etwas mit Mut zu tun ich weiß es nicht.
    Auch essen gehen oder über Weihnachtsmärkte „bummeln“ überfordern mich eigentlich, aber soll ich deshalb das alles nicht machen, ich mag Weihnachtsmärkte es wäre halt nur schöner wäre es nicht so voll und nicht so laut.

    Jetzt muss ich zum Rehasport, da durch die muskuläre Dauerverspannung/ Anspannung meiner Skeletmuskulatur die BWS geschädigt wurde, ich würde am liebsten nicht hin fahren da der Kurs nur in Gruppen stattfindet, aber versuch dies mal jemanden zu erklären der dieses Gefühl nicht kennt, das ist sehr schwer bzw. unmöglich, man bekommt immer wieder die gleiche Antwort man soll sich nicht so anstellen und in der Gruppe macht doch Spaß, ja ? vielleicht wenn die Gruppe aus maximal zwei Personen besteht.

    Da liebe ich es doch alleine mit meinem Pferd im Stall zu sein oder unterwegs in der Natur.

    Deshalb kann ich Deine Definition von Mut genau nachvollziehen.

    Ich wünsche Dir noch viel Mut.

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