Seinem Ziel treu bleiben

Angeregt durch einen Blog zum Thema „Traumkiller“, kann ich kaum an mich halten, unendlich viel Wut in mir zu spüren. Aber auch Erleichterung und schlussendlich Glück! Träume und Wünsche aufzugeben, hat lange Zeit mein Leben bestimmt.

Jeder Mensch hat eine Vorstellung davon, was er kann, mag und sich wünscht. Punkt! Viele bemerken es recht früh, andere benötigen etwas mehr Zeit, um es herauszufinden. Sie müssen sich auf viele Wagnisse einlassen, um sich definieren zu lernen. Nun, wie auch immer. Aber jeder hat eine Kraft und Gabe in sich, die für sein Leben bestimmt ist. Es gibt keine Menschen ohne Begabung!

Es gibt allerdings genug Menschen, die deine Begabung anzweifeln!
Und damit zweifeln sie auch deine Wünsche und Ziele im Leben an. Entweder passt du nicht in das Bild dieser Menschen, was sie gerne von dir hätten oder sie möchten dich gerne für ihre eigenen Belange gewinnen.

Als spätdiagnostizierter Mensch mit Asperger Syndrom hatte ich mein ganzes Leben lang das Problem, genau das nicht filtern zu können. Ich entdeckte schon sehr früh mein Interesse an Büchern und dem Geschichteschreiben. Ja, es wurde fast hinderlich, noch nebenbei die Schule erledigen zu müssen. Mein Ziel im Leben stand schon sehr früh fest: Ich werde etwas in diese Richtung später machen.

Das war der Beginn, als sich vor mir unzählige Barrieren aufbauten. Stelle dir vor, du bist ein Hürdenläufer, der hunderte von Hürden vor sich hat, es aber noch nicht sieht, weil jede neue Hürde hinter einer Kurve steht. Wie lange, meinst du, kannst du es aushalten, bis du körperlich zusammenbrichst und aufgibst? Wochen, Monate, Jahre oder gar Jahrzehnte?

Meine erste Hürde musste ich mit 10 Jahren überspringen, als man mich nicht in die Schule steckte, die ich mir für das Erreichen meiner Ziele wünschte. Also – Hops, drüber! Zwei Jahre später eine erneute Hürde. Noch mal in der Schule zurückgestuft. Also – Hops, drüber!
Ich weiß nicht, was sie hat, sagten viele. Vielleicht ist sie einfach nur dumm. Man sagte „Erzieherin“ ist das richtige für sie, nicht dieses blöde Schreiben, was sie immer macht. Also, ab in die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin. Hops, drüber!

Mit 19 Jahren wagte ich einen für alle befremdlichen Schritt. Ich wollte mich von allen Menschen entfernen, die mir diese Hürden vor die Füße bauten und düste in die USA. Luft holen, neue Kraft schöpfen und es noch einmal versuchen. Die Studios Hollywood besuchen und Drehbücher schreiben wurde mein neues Ziel. Und tatsächlich, ich durfte zu Dreharbeiten dazukommen und wurde ermutigt, mal eine spannende Geschichte zu schreiben. Dann der Schock, zu Hause in Deutschland gab’s große Probleme. Ich brach alles ab… und Hops, drüber über diese Hürde.
Der Krebs stoppte mich, und ich begann tatsächlich ein Buch zu schreiben. Und noch ein Buch! Ich eröffnete sogar einen Verlag, doch es passte so gar nicht in das Bild einer Mutter mit Kindern. Von allen Seiten hagelte es Zweifel, Vorwürfe, keine Zeit mehr zu haben und zum Schluss die größte Hürde überhaupt, eine weitere Autoimmunerkrankung: Ich warf all meine Wünsche im Leben hin. Also – Hops, drüber. Diese letzte Hürde war verdammt groß!

Mit 48 Jahren brodelten meinen Ziele immer noch in mir. Ich stand erneut vor einer Hürde und überlegte, ob ich überhaupt noch springen sollte. Als ich vom Asperger Syndrom hörte und begriff, dass ich eine Betroffene war, setzte sich plötzlich eine andere Sicht der Dinge bei mir in Gang:

Weshalb übersprang ich eigentlich immer die Hürden, die andere mir in den Weg stellten?
Warum baute man mir überhaupt so viele Barrieren ins Leben?
Ich tat es doch auch nicht bei anderen!

Antwort: Ich wollte mich anpassen, ich wollte doch nur dazugehören… nicht auffallen. All meine Bemühungen gingen immer nur darum, den anderen zu gefallen. Ich versteckte meinen Kummer solange, bis er mich versteckte.

Ich begann, mit meiner neuen Situation zu arbeiten. Die ließ keine Hürden mehr zu. Ich übersprang keine einzige Hürde mehr, sondern begann sie umzustoßen, weil sie mir im Weg standen.

Es wurde mir bewusst, dass ich so nicht weiterleben konnte, sondern musste konsequent die Menschen aus meinem Leben entfernen, die mir die Hürden vor meine Ziele und Wünsche stellten. Das tat ich, schweren Herzens und mit einer Leidenszeit, die ich aushalten musste. Solange, bis der Trennungsschmerz nachließ.

Heute kann ich sagen, arbeite ich erfolgreich mit meiner Begabung und kann sogar davon leben. Es ist genau das passiert, was mir niemand zugetraut hatte. Dabei hatte ich von klein auf gewusst, wo mein Weg liegt. Durch meine Art, die Welt anders wahrzunehmen, hegte ich immer Zweifel an mir und fühlte mich falsch. Sie wurden so stark, dass ich nur noch begann, das zu tun, was andere mir sagten. Meine Versuche, meinen Weg zu finden, scheiterte dadurch ständig.
Hätte ich früher gewusst, dass es mir so guttut, Hürden einfach wegzustoßen, wäre ich nicht die ganze Zeit darüber gesprungen und hätte so viel Energie vergeudet!

(Ab jetzt kann man meine Blogs auch zusammengefasst als eBook oder  Printausgabe lesen)
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2 Gedanken zu „Seinem Ziel treu bleiben

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