Wenn Ideen zwanghaft werden

Ich habe immer gedacht, ich leide nicht an Zwängen, weil ich eine Idee als etwas empfand, was mich weiterbrachte und meinen Alltag gestaltete.
Das ganze Leben besteht nur aus Ideen, weil sich daraus die Individualität eines Menschen bildet. Jede Bewegung, jeder Gedanke und jede Tat eines Menschen besteht aus tausenden von Ideen, die das Gehirn sendet.

Ideen können jedoch unterschiedlicher Natur sein. Es gibt die typischen Alltags-Ideen, die daraus bestehen, wie man seinen Tag gestaltet. Wann wasche ich Wäsche, wann reinige ich die Wohnung, wann gehe ich Einkaufen oder meine Familie besuchen? Alles Ideen, die jeder kennt.

Dann gibt es schon die etwas wichtigeren Ideen:
Wie gestalte ich meinen Geburtstag oder was schenke ich einem mir wichtigen Menschen? Sollte ich der alten Dame von nebenan mal meinen Fahrdienst anbieten oder etwas Besonderes für meinen Mann planen?
Das sind Ideen, die sich schon etwas mehr im Gehirn festsetzen und uns für längere Zeit beschäftigen.
Soweit ist alles im grünen Bereich.

Doch was passiert, wenn Idee entstehen, die einem die Gelassenheit nehmen oder einen nicht mehr loslassen?

Kennt Ihr die Idee vom Bergsteiger, der unbedingt einen bestimmte Berg besteigen muss? Der krank wird, wenn er das nicht tut? Wenn du ihn fragst, warum er das tun muss, dann antwortet er oft: „Das weiß ich nicht, ich muss es eben.“
Ist es dann ein Drang, eine Sucht oder ein Zwang??
Welche Art von Ideen können soweit gehen, dass sie zwanghaft werden?

Nun, ich lebe ständig mit zwanghaften Ideen und bemerkte erst in den letzten Jahren, dass sie nicht mehr normal sind. Ich kann bestimmte Idee nicht wieder in meinem Gehirn ausschalten oder löschen, bevor ich sie nicht erledigt habe. Kennt Ihr das auch? Ist das mein ausgeprägter Perfektionismus?

Im Internet lese ich folgende Beschreibung zu einer Zwangsneurose:
„Die Zwangsneurose kann einem das Leben zur Hölle machen und gehört zur Zwangsstörung (OCD-obsessive-compulsive disorder). Es besteht für den Betroffenen ein innerer Drang, bestimmte Dinge zu tun oder an bestimmte Dinge zu denken. Der Betroffene wehrt sich gegen das Auftreten der Zwänge, weil er sie als übertrieben und sinnlos empfindet, kann sich ihnen aber willentlich nicht entziehen. Das beeinträchtigt sein Alltagsleben.“

Wir stellen uns bei einer Zwangsneurose jemanden vor, der z.B. immerzu seine Haustür kontrolliert, ob er sie gerade verschlossen hat. Das Gehirn speichert den Vorgang nicht und es kommt zu ständigen Wiederholungen, bis dass das Gehirn es gespeichert hat.
An diesen Zwängen leide ich nicht.
Ich unterliege aber anderen, denen ich mich nicht entziehen kann. Bei mir treten Zwänge schon in kleinem Rahmen auf.

Ich gebe ein Versprechen und es entsteht ein Zwang daraus. Das können ganz banale Sachen sein. Ich verspreche z.B. eine Erledigung für jemanden zu machen, schaffe es aber zeitlich nicht, weil ich mich (mal wieder) verkalkuliert habe. Anstatt den anderen darüber zu informieren, verselbstständigt sich ein Zwang in mir. Ich denke Tag und Nacht an diese Erledigung und es beeinträchtigt meinen Alltag so sehr, dass ich ihn kaum noch bewältigt bekomme. Dabei wäre es so einfach, Bescheid zu sagen und alles abzublasen. Warum kann ich das nicht?

Ein Zwang kann auch eine Gartenarbeit sein. Ich nehme mir vor, den Garten in dieser Woche zu machen, aber es regnet. In mir entsteht ein regelrechtes Zwangsdenken daran und jeder Tag, an dem ich es nicht schaffe, verspüre ich eine größere Aggression aufkommen, weil mir die Erledigung nicht mehr aus dem Kopf geht. Warum kann ich nicht ganz entspannt auf die nächste Woche warten? Es funktioniert bei mir einfach nicht. Auf diese Art und Weise stapeln sich regelrechte Zwänge in mir, die mich erschöpfen und wütend machen. Ich kann das Denken daran nicht abschalten.

Wenn ich lese, entsteht in mir der Zwang, mich irgendwo im Gesicht zu kratzen. Ich spüre durch die Konzentration auf das Buch plötzlich den geringsten Mikrostaubkorn auf meiner Haut, der einen Juckreiz auslöst. Ist das eine Macke oder eine sensorische Überempfindlichkeit?
Also Macken habe ich echt viele…

Ich lebe immer schon mit einer Form von Zwängen, denen ich mich nicht entziehen kann und doch wirke ich nach außen kontrolliert und normal. Ich verstecke meine Zwänge eben gerne… und frage mich, ob nicht jeder eine Form von neurotischem Anteil in sich hat.

Zwänge können auch wunderbare Sachen bewirken.

Was ist mit den Zwängen, unbedingt etwas tun zu müssen und nicht zu wissen warum? Und es stellt sich Jahre später heraus, dass genau dieser Zwang/Drang zu etwas geführt hat, was einmal sehr wichtig für dich im Leben sein wird… Ist das eine Art von Intuition?

(Ab jetzt kann man meine Blogs auch zusammengefasst als eBook oder  Printausgabe lesen)
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