Der Perfektionismus 2 … es geht noch doller!

Irgendwie habe ich beim letzten Blog über Perfektionismus nicht alles niedergeschrieben, was ich sagen wollte. Das ergeht mir ständig so. Tage später fällt mir alles Mögliche dazu ein. So auch weitere Dinge zu diesem Thema.

Ich finde den Perfektionismus in vielen kleinen Dingen im Alltag wieder. Zum Beispiel beim Wohnungsputz:

Es beginnt damit, dass ich „wieder einmal“ das Wohnzimmer staubwischen muss, was ich gar nicht gerne tue… Das hat einen Grund und nichts mit Faulheit zu tun.
Also schiebe ich es erst einmal vor mich hin, bis a. der Staub wirklich gut sichtbar wird (!) oder b. sich Besuch ankündigt…, denn ich weiß, wenn ich damit beginne, taucht er auf – der teuflische Perfektionismus! Und der ist furchtbar anstrengend!
Wo andere mal eben mit dem Staubwischer durch die Ecken fegen, ein wenig saugen und putzen, beginnt bei mir ein wahrer Reinigungsakt von mehreren Stunden, denn ich kann nicht nur „ein bisschen“ putzen. Der „Kölsche Wisch“ ist mir ein Greul. Schon alleine der Gedanke, was ich alles wieder beim Staubwischen sichte, erschöpft mich. Meine Überwahrnehmung pflastert dann den Weg in die stundenlange perfekte Reinigung. Ich rücke Möbel, sauge sie komplett ab, wasche die Gardinen gleich mit, putze die Fenster, pflanze Blumen um, die es nötig haben, und jage dem kleinsten Staubkorn hinterher, der sich noch irgendwo versteckt hält. Danach ist das Zimmer wahrlich sauber! SAUBER! Wenn es ganz schlimm kommt, renoviere ich gleich die Wände mit oder streiche die Möbel neu an, um die kleinsten Kratzer noch zu beseitigen!

Ich weiß nicht woran es liegt, aber ich übertreibe ständig beim Reinigen des Hauses, obwohl ich keinen Putzfimmel habe. Bekomme es einfach nicht hin, wie andere nur oberflächlich das Sichtbare zu beseitigen. Für mich ist „das Sichtbare“ so viel mehr. Ich denke, es hat tatsächlich mit meinem Filter im Kopf zu tun, der Wichtiges vom Unwichtigen nicht unterscheiden kann. Dabei dürfte es kein Problem sein, wenn man ein „Mensch der Regel“ ist. Jede Woche Staubwischen und alle drei Monate Grundreinigung. Das klingt doch prima … und so einfach. Aber es gibt Regeln, an die ich mich nicht halten kann. Bei mir gibt es nur eine Regel: Alles oder Nichts!

Hier noch ein Beispiel: … wehe ich gehe in den Garten. Wer denkt, ich würde nur ein wenig Unkraut jäten, Rasen mähen und die Erde harken, der irrt! Wenn ich im Garten fertig bin, ist er vollkommen neu gestaltet! Es kam früher vor, dass ich direkt neue Gehplatten legte oder ganze Bäume ausbuddelte!! Je nachdem, wie stark mich der Perfektionismus beherrscht. Ich muss mich jedes Mal stark zusammenreißen, um diesem Drang zu widerstehen.

Das Autowaschen: Ich will es nicht ausführen … Wenn ich es zum Waschen komplett auseinandernehmen könnte, würde ich es tun!

Nur oberflächlich erledigte Dinge hinterlassen bei mir oft das Gefühl der Unzufriedenheit. Und Unzufriedenheit löst in mir Stress aus. Das ist der Grund, warum es mich immer wieder große Überwindung kostet, etwas zu erledigen, was anderen mit Leichtigkeit von der Hand geht. Es passiert, dass mich das bloße Denken daran schon derart erschöpft, dass ich keine Kraft finde, etwas anzufangen. Denn ich weiß von vorherein, wie anstrengend es ist, mit dem Teufel der Perfektion einen Kampf auszufechten…
Ich muss mich immer wieder zwingen, mich nur auf bestimmte Erledigungen einzulassen, weil mir diese Gabe nicht natürlich mitgegeben ist.

(Ab jetzt kann man meine Blogs auch zusammengefasst als eBook und  Printausgabe lesen)
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