Haareschneiden beim Friseur? Unmöglich! Helm oder Mütze tragen? Noch unmöglicher!

Jeder normale Mensch besucht regelmäßig den Friseur und lässt sich das Haar abschneiden oder eine neue Frisur machen.

Bei diesem Gedanken überkommt mich das wahre Grauen! Ich kann es überhaupt nicht vertragen, wenn fremde Hände in meinen Haaren herumwühlen. Ich habe bereits zweimal versucht, mir bei einem Friseur die Haare schneiden zu lassen. Wo andere Kunden sich entspannt das Haar waschen und die Kopfhaut massieren lassen, überkommt mich totale Verspannung. Schon das Gefühl, dass fremde Hände meine Kopfhaut berühren, lässt mich in einen versteiften Zustand fallen. Alle Muskeln verkrampfen sich, und ich warte sehnsüchtig, dass dieser Prozess endet. Es überkommt mich Ekel, wenn ich ein Handtuch um den Kopf gewickelt bekomme und dann Wassertropfen in den Nacken laufen spüre. Völlig versteift nehme ich Platz auf dem Frisierstuhl und muss nun der Arbeit des Friseurs vertrauen. Schwer!

Meine Erfahrungen bei nur zwei Besuchen sahen folgendermaßen aus:

Nach dem ersten Friseurbesuch, den ich wegen meiner Hochzeit machte und mir eine Dauerwelle richten ließ, schnitt ich zwei Tage später mein ganzes Haar ab. Ich sah aus wie ein unter Strom gesetzter Pudel!
Nach dem zweiten Besuch, der eine pfiffige Kurzhaarfrisur hervorbringen sollte, sah ich aus wie eine toupierte Madonna. Auch dieser Frisur begegnete ich mit einer Schere und anschließender Radikaltherapie.

Ich ärgerte mich nicht nur über das Ergebnis, sondern auch darüber, dass sich meine Überwindung, einen fremden Menschen an mein Haar zu lassen, nicht auszahlte.
Wenn man nun von zwei Friseurbesuchen innerhalb von 51 Jahren ausgeht, kann man sich vorstellen, wie oft ich mein Haar selbst schneide.
Ich kann langes Haar nicht aushalten, weil mir eine sensorische Überempfindlichkeit im Gesicht sehr zu schaffen macht. Schon die kleinste Berührung der Haarspitzen im Gesicht löst in mir einen großen Juckreiz aus und ich kratze mich regelrecht wund.

Es gibt noch einen weiteren Bereich, der mir sehr zu schaffen macht: Das Helm- und Mützetragen.

Mein Mann ist ein leidenschaftlicher Motorradfahrer.
Er bat mich natürlich darum, mitzufahren und ich ging mir voller Stolz eine Motorradkluft und einen Helm kaufen. Dann nahte der besagte Tag: Ich musste nun alles anziehen. Die Kleidung war kein Problem, doch als ich den Helm anzog, auf das Motorrad aufstieg und die Fahrt begann, passierte etwas sehr Schreckliches mit mir. Ich hatte es beim Anprobieren des Helms nicht bemerkt, aber nun musste ich ihn über längere Zeit auf dem Kopf behalten. Das löste in mir plötzlich Atemschwierigkeiten aus. Ich verspürte einen derart starken Druck auf meinen Kopf, dass ich keine Luft mehr bekam. Gut passende Helme müssen stamm sitzen und drücken das Gesicht unangenehm zusammen. Es löste eine Art Raumangst/Phobie in mir aus. Ein gefühltes Eingesperrtsein vor der bloßen Tat, den Kopf vollkommen in diesen Helm gepresst zu haben.

Das gleiche Gefühl des Eingesperrtseins überkommt mich, wenn ich einen Fahrradhelm trage. Ich kann diese Kopfbedeckung nicht vertragen und drücke und schiebe beim Radfahren ständig daran herum. Ich kann keinen Druck auf meine Kopfhaut aushalten. Selbst eine banale Mütze macht mit zu schaffen. Ich trage deswegen bei großer Kälte nur Stirnbänder oder Ohrwärmer. Die Kapuze einer Jacke ziehe ich nur dann über, wenn das Wetter mich wirklich dazu auffordert. Doch auch das kann ich nur kurz aushalten.

Tja, das sind wieder diese kleinen Problemchen im Alltag einer Aspergerin …

(Meine Blogs gibt es auch als eBook bei Amazon unter „Denkmomente“ und bald als Printausgabe)

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