Wichtige Fragen eines NTs an Menschen mit autistischem Spektrum

Vielen Dank für die Gedanken und Fragen eines sehr netten Kommunikationspartners zu einem Blog in WordPress! Ich lese immer mit großem Interesse seine Kommentare. Zu meinem Beitrag „Widerstand und Sehnsucht zugleich oder ,das offene Fenster‘ “, hatten mich einige der mit Abstand wichtigsten Fragen erreicht, die ein NT an Autisten stellen kann. Danke dafür! Ich möchte sie hier in Form eines neuen Beitrages beantworten, so dass auch andere Interessierte vielleicht davon profitieren können.

Ich kann nur für mich sprechen, weil der Autismus so vielseitig ist, wie das Verhalten der NTs. Für mich ist die schriftliche Mitteilung eine begnadete Art, das sagen zu können, was ich möchte. Papier ist geduldig, und das ist genau das, was ich brauche. Ich benötige Geduld, also Zeit, um mich mitzuteilen. Das ist mir bei direkten persönlichen Gesprächen leider nicht möglich, weil meine Gedanken bei der sozialen Interaktion viele Umwege gehen müssen, um zum Ziel zu gelangen. Das verhindert spontanes richtiges Reagieren. Anhand des Beispiels mit dem Essen und dem Übergewicht im vorhergehenden Beitrag möchte ich deutlich machen, dass es für mich erheblich leichter gewesen wäre, wenn ich mehr Zeit für eine Antwort gehabt hätte. Dann hätte ich ihr mit viel einfühlsameren Worten erklären können, dass sie nicht persönlich damit gemeint war, sondern meine Bemerkung nur eine allgemeine, wissenschaftlich fundierte Feststellung wiedergeben sollte. Ich hätte mich direkt bei ihr höflich entschuldigt und damit einen harmonischen Fortgang des Gesprächs erreicht. Aber ich war nicht in der Lage, diese Worte abzurufen, weil ich im Gehirn keine „direkte Leitung“ zu solchen Reaktionen besitze. Mit anderen Worten, ich bemerke nicht immer, wenn ich jemanden verletze, weil meine Worte nie diese Absicht verfolgen. Stattdessen verstricke ich mich immer tiefer in das Desaster, weil mein Gehirn in solchen Situationen eine Art Panik abruft und nicht mehr entspannt reagieren kann. Es ist sicherlich großartig, wenn alle Menschen viel entspannter, nachsichtiger und offener miteinander umgehen könnten, aber das wird niemals möglich sein, solange der autistische Mensch immer wieder auf uninformierte und fremde Menschen im Leben stößt. Das ist bei einem normalen sozialen Miteinander aber unvermeidlich. Der Autist kann seine Gehirnkonstruktion nicht verändern, sondern immer nur dazulernen und sich trainieren genau wie der NT.

In Web-Foren und Blogs bin ich in der Lage, genau das mitzuteilen, was ich meine und denke, was mir bei einem persönlichen Gespräch oft nicht möglich ist. In der Tat würdest du mir im realen Leben als einem ganz anderen Menschen begegnen, als der Person, die du hier durch meine Beiträge erlebst. Aber, wenn du mir persönlich begegnest, wirst du das Hintergrundwissen meiner Gedanken haben und mich dadurch viel besser einschätzen und verstehen können. Das wirkt wie ein Neutralisationsprozess, den diejenigen nicht durchleben, die mich nicht aus meinen Blogs kennen. Dann wirke ich oft unbeholfen, merkwürdig oder gar dumm, wenn es um soziale Interaktion geht. Aber der Informierte wird erkennen, wie und wer ich wirklich bin und mir großes Vertrauen schenken, während die anderen über mich lachen, tuscheln oder mich gar verspotten.
Bei meinen Spezialthemen laufe ich natürlich zur Höchstform auf, deswegen kann ich als Autorin sehr sicher bei Lesungen auftreten. Aber im Alltag sieht das völlig anders aus. Ich gehe kaum raus, und wenn, dann meistens nur in die Natur, weil mich dort niemand fordert. Wenn die Presse um ein Interview bittet, wird es kompliziert für mich, sofern sie mir andere Fragen stellen als die, die mit meiner Arbeit zusammenhängen. Nach über 50 Jahren habe ich genug Erfahrung und Übung, das zu sagen, was üblicherweise gehört werden will, um Anerkennung und Sympathien zu gewinnen.

Nun zu den interessanten Fragen eines NTs:
Wie viel Annäherung ist möglich?

Sobald ich das Gefühl habe, bei dir mit meinen Gedanken und Gefühlen gut aufgehoben zu sein, ist jederzeit Annäherung möglich. Doch du fragst nach „Wie viel?“. Ich unterscheide klar, ob du eine partnerschaftliche, freundschaftliche oder fachliche Annäherung suchst. Dass will ich zuvor abgeklärt wissen, denn das ruft völlig unterschiedliche Reaktionen in mir hervor. (Durch deine Art der Fragestellung gehe ich von einer fachlichen Annäherung aus.) Wenn ich das geklärt habe, beginne ich anhand einer schriftlichen Kommunikation das „Wie viel?“ auszuloten. Es ist abhängig von dem Vermögen des anderen, mich so zu nehmen wie ich bin. Sobald er mich angreift, ungerecht mir gegenüber wird oder ich mich denunziert fühle, weiche ich von der Annäherung merklich zurück, weil ich mich kaum wehren kann. Dann verursacht der andere Schuldgefühle und eine Abneigung in mir, die schlimmstenfalls in Wut und Zorn übergehen kann. Danach hat derjenige kaum noch eine Chance, sich je wieder mir anzunähern. Ich würde jeden Kontakt nur noch mit größter Vorsicht behandeln oder ihn ohne weitere Erklärungen abbrechen.

Wie viel Abstand wird bleiben?

Ich halte immer Abstand, ich bin nicht in der Lage, mich einem Menschen vollkommen mitzuteilen oder zu öffnen. Ich wünsche mir auch, dass mein Gegenüber meinen Abstand respektiert, weil ich viel persönlichen Freiraum benötige, den ich nur mit mir selbst teilen möchte. Doch die Frage hier stellt sich nach dem „Wie viel?“.
Ich mag es nicht, wenn jemand alles von mir wissen will. Es liegt also nicht in meiner Natur, Menschen komplett an mich heranzulassen. Dazu müsste ich das Gefühl einer Seelenverwandtschaft oder gar Symbiose verspüren. Wenn das passiert, darf derjenige/diejenige weit mehr in mein Lebensspektrum hineinschauen als andere. Ich habe viele Freunde, die ich unterschiedlich weit oder tief an meine Gedanken heranlasse. Meine Beiträge sind nur eine oberflächliche Wiedergabe meiner autistischen Probleme. Zudem: Ich mag Abstand. Er macht mich sicher und gibt mir ein gutes Gefühl. Wenn der andere das zu verstehen weiß, kann er dieses Gefühl auch für sich als positiv verwerten und sicher sein, dass er mich damit sehr glücklich macht. Er bekommt meine Wertschätzung und meine Aufmerksamkeit.
Das beantwortet auch gleich die nächste Frage:

Wie viel Distanz muss bleiben?

Ich weiß, dass sich viele NTs wünschen, in vollkommender Enttabuisierung miteinander zu leben, also keine Geheimnisse voreinander zu haben. Für mich kommt es einer Vergewaltigung meiner Gefühle gleich. Ich möchte es so formulieren:

Wenn jemand neben mir auf einer Bank vor meinem Haus sitzt, schweigend mit mir in die Natur schaut und ich dieses Schweigen und Zusammensitzen als sehr angenehm empfinde, hat derjenige alles bei mir erreicht, was er emotional aus mir herausholen kann. Die betreffende Person hat meine volle Zuneigung, die ich weit tiefer empfinde, als NTs Liebe empfinden. Damit weiß ich, dass derjenige meine Distanz und meinen Abstand respektiert und annimmt. Einen größeren Gefallen kann man mir nicht machen. Ich glaube, das ist oft genau der Knackpunkt bei einer Partnerschaft. Ich liebe auf einer anderen Ebene und zeige es anders als ein NT und teile mich nicht immerzu mit den Worten „ich liebe dich“ oder „ich mag dich“ mit. Wenn ich zu jemandem einmal sage „ich mag dich“, kann derjenige sich meiner Sympathie und Integrität sicher sein. Aber auch die unterteilt sich in partnerschaftliche und freundschaftliche Sympathie. Ich empfinde beides auf einer anderen Ebene. Die partnerschaftliche Sympathie kommt von so weit unten und schweigend aus meinem Inneren, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Deswegen ist meine Reaktion auch stark überzogen, wenn ich in diesem Bereich verletzt werde.
Wenn der NT dies erst einmal begreift und wertschätzt, kann er ein großes Glück mit mir empfinden. Manchmal ist es hilfreich, einfach nachzufragen, wie ich mich in verschiedenen Situationen fühle, um abschätzen zu lernen, was mir guttut und was nicht. Ich bin seit 31 Jahren verheiratet und weiß, wie schwer es einem NT als Partner fällt, diesen Abstand einzuhalten und anzunehmen. Er leidet, weil seine Gefühle nicht auf gleicher Ebene der Intensivität erwidert werden, wie er sie verspürt. Doch wenn er erst einmal die Form meiner Liebe begriffen hat, erlebt er eine Intensität, die weit größer ist, als die, die er bisher kannte. Wenn er das nicht kann, ist die Beziehung zum Scheitern verurteilt, weil der NT auf Dauer zu viel vermissen würde.
Wenn ich zu einem Freund oder einer Freundin sage „ich mag dich“, bedeutet es einen ersten Schritt der Annäherung. Wenn ich sage „ich mag dich sehr“, dann bedeutet es, dass ich Zuneigung empfinde. Ob es eine partnerschaftliche Zuneigung bedeutet, würde ich denjenigen dann wissen lassen, wenn ich sicher bin. Dazu gehört unbedingt das persönliche Kennenlernen.
Ich hoffe, ich konnte mit diesen Antworten meine Gefühlswelt etwas transparenter machen!

(Ab jetzt kann man meine Blogs auch zusammengefasst als eBook und  Printausgabe lesen)

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6 Gedanken zu „Wichtige Fragen eines NTs an Menschen mit autistischem Spektrum

  1. Ismael Kluever

    Danke, liebe Marion, für deine so ausführliche Antwort!
    Ich schäme mich fast ein bischen dafür, dich mit meiner Fragerei von der Arbeit an deinem neuen Buch abgehalten zu haben. Aber nur fast. 😉 Denn vielleicht hilft das gemeinsame Nachdenken ja doch zu mehr gegenseitigem Verständndis. Und das wäre ja schon ein kleiner Schritt in Richtung einer menschlicheren Welt, auch wenn wir hier nicht im Handumdrehen die Probleme des Miteinanders lösen können.

    Wie auch immer, die Aufmerksamkeit, mit der du dich meinen Fragen gewidmet hast, empfinde ich als Wertschätzung. Und das löst bei mir ein Echo aus. Wir gehen also bereits aufeinander zu, so empfinde ich es.
    Das ist nicht selbstverständlich. Es gibt andere, die empfinden meine Aufmerksamkeit für autistische Wahrnehmungen und meine Erklärungsversuche neurotypischen Verhaltens bereits als aufdringlich. Das muss ich denjenigen dann auch zugestehen und es akzeptieren. Obwohl ich meine, dass mein Interesse nur deswegen als „strange“ empfunden wird, weil es nun mal ungewöhnlich ist, dass ein Neurotypischer, der weder Therapeut noch Angehöriger eines Autisten ist, so in das Thema einsteigt. Gäbe es ein breiteres öffentliches Interesse, wäre das völlig normal. Und dann wäre der Umgang miteinander sicher auch anders.

    In vielem empfinde ich ähnlich wie du. Ich kann auch besser schreiben als reden. Ich kann dann meine Worte „sehen“ und mich besser auf die Inhalte konzentrieren. Beim mündlichen Gespräch mit all seinen unterschwelligen Signalen (Modulation, Stimmlage,m Lautstärke) spielt die Beziehungsfrage der Gesprächspartner eine viel größere Rolle. Dabei habe ich gar nicht immer Lust, meine Beziehung zu dem Gegenüber zu regeln, vor allem nicht auf eine so irrtumsanfällige Weise. 😉
    Ich persönlich bin z. B. ein grottenschlechter Smalltalker. Dabei ist gerade Smalltalk die ganz wesentliche Technik, Nähe und Distanz zwischen neurotypischen Menschen auszutesten und zu steuern. Aber ich finde es anstrengend. Wenn ich nichts zu sagen habe, dann halte ich auch ganz gern mal die Klappe!

    Du schreibst: „Ich mag es nicht, wenn jemand alles von mir wissen will. Es liegt also nicht in meiner Natur, Menschen komplett nahe an mich heranzulassen.“ Auch da geht es mir ähnlich. Ein eigentlich sehr liebenswürdiger Bekannter von mir hat eine recht penetrante Art, einen auszufragen. Wohin ich gerade ginge, was ich am Wochenende mache, was ich zu Weihnachten geschenkt bekommen hätte…
    „Dat geit di nix an,“ bin ich dann versucht zu sagen, versuche dann aber immer, meine Reserviertheit freundlich zu verpacken. Umgekehrt mag ich es nicht, wenn er leichthin von seinen Eheproblemen plaudert. Ich möchte auch vor *seiner* Intimspäre geschützt sein. Wenn mir jemand von Problemen erzählt, weil er Rat, Trost oder sonstwie moralische Unterstützung bei mir sucht, ist es allerdings ganz anders, damit kann ich sehr gut umgehen.

    „Ich weiß, dass sich viele neurotypischen Menschen wünschen, in vollkommener Enttabuisierung miteinander zu leben, also keine Geheimnisse voreinander zu haben.“
    Zu denen gehöre ich ganz bestimmt nicht. Nicht einmal in der Ehe würde ich mir eine quasi mystische Verschmelzung auf Gefühls- und Gedankenebene wünschen. Jeder Mensch braucht, so meine ich, einen Schutzbereich, wo er ganz frei sein darf und wo er selbst entscheidet, ob, wem und wie weit er jemandem Zugang gewährt. So werde ich z. B. meinen Sprössling nicht nach seinem Blog fragen. Meine Jackentaschen sind mein ganz persönliches Hoheitsgebiet ;-). Einem Fernsehteam, dass mal hier war, hab ich gleich klargemacht, dass bei uns in der Wohnung nicht gedreht wird. Und private Tagebücher sind sowieso für andere tabu. Auch erdachte Traumwelten oder gedankenverloren angelnd am See sitzen können ein solcher Schutzraum für die Seele sein. Ich glaube, in irgendeiner Weise braucht das jeder.

    Wir kennen uns wahrscheinlich auch in einer tiefen Beziehung nie ganz. Wir nehmen nur Merkmale und Wesenszüge voneinander wahr. Hoffentlich die wesentlichen. Wenn wir damit behutsam Umgehen, ist es gut.

    Gefällt 2 Personen

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  2. Ismael Kluever

    Du hast mir und anderen auf anderem Wege nicht nur Impressionen von der englischen Landschaft, in der du gerne unterwegs bist, sondern auch in dein gemütliches (und gerade schneeumstöbertes) Zuhause dort gegeben. 🙂
    Das Letztere ist ja schon ziemlich „privat“, da bin ich selbst wesentlich reservierter…

    Beim Gedanken an England fällt mir das bekannte Kinderbuch „The Wind in the Willows“ von Kenneth Graham ein. Und folgende Passage will mir nicht aus dem Kopf:

    „‚Couldn’t you ask him here – dinner or something?‘ said the Mole.
    ‚He wouldn’t come,‘ replied the Rat simply. ‚Badger hates Society, and invitations, and dinner, and all that sort of thing.‘
    ‚Well, then, supposing we go and call on him?‘ suggested the Mole.
    ‚O, I’m sure he wouldn’t like that at all,‘ said the Rat, quiet alarmed. ‚He’s so shy, he’d be sure to be offended. I’ve never even ventured to call on him at his own home myself, though I know him so well…“
    Tja, als die beiden dann doch im Winter bei Mr Badger anklopfen, erweist sich dieser als weit weniger grantelig als gedacht, sondern als ausgesprochen hilfsbereit und sozial! Und die gemeinsamen Vorlieben für das Untertägige machen Maulwurf und Dachs zu dicken Freunden, Badger gewährt Mole schließlich Einblick in sonst so geheime Gänge…

    Hach, ich liebe diese Geschichte!
    – Das musste jetzt einfach sein! – 😀

    Gefällt 2 Personen

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  3. Bones

    Autisten sind auch nur Menschen. Es gibt keine Betriebsanleitung. Autismus macht Menschen nicht zu konformen Ameisen.

    Mal so nebenbei gefragt: Was ist eigentlich so faszinierend an Autisten, dass man als unbeteiligter NT gezielt deren Nähe sucht? Welche Hoffnungen stecken hinter dieser Mühe?

    Ich persönlich würde mich nicht dauernd (v)erklären (lassen) und darstellen wollen. Ich wünsche mir zwischenmenschliche Kontakte, die auf Geduld und Akzeptanz basieren. Das ist wesentlich entspannender, als jedes Detail bis ins Tausendste zu zerlegen.
    Eine zwischenmenschliche Beziehung ist eben keine Operation am offenen Gehirn, auch nicht, wenn Autismus mit dabei ist.

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    1. denkmomente Autor

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Wie ich lese, kommen bei dir auch gleich interessante Fragen zustande. Ja, was ist eigentlich so faszinierend an Autisten, dass NT’s deren Nähe suchen? Vielleicht ist der fragende NT einfach nur an dem Thema interessiert oder einem autistischen Menschen begegnet, den er verstehen lernen will. Und er hat sich an mich gewendet, um eine Sichtweise einzuholen, die ihm weiterhilft.
      Es basiert leider nicht jede Begegnung auf Geduld und Akzeptanz. Und das betrifft beide Seiten. Auch Autisten können ungeduldig sein und zu schnell vorurteilen.

      Zum Thema „dauernd erklären oder darstellen wollen“. Du hast scheinbar mit Interesse diesen Blog gelesen, also warst du doch an meiner Erklärung oder Darstellung interessiert. Ich kann mich erinnern, als ich mich auf die Suche nach Sicherheit begab, ob ich eine Aspergerin sei, war ich an jedem Zipfel Info interessiert, doch viele schrieben im Internet viel zu allgemein, so dass ich nie richtig tiefgehende Fragen beantwortet bekam. Ich habe mir vorgenommen, mit diesen Blogs mehr anzubieten und unsichtbare Probleme sichtbar zu machen, um auf diesem Wege für ein besseres Miteinander und Verstehen zwischen Autisten/Asperger und NT’s zu kämpfen. Ich stelle mich den Fragen der NT’s, wenn ich sie für wichtig halte. Wie ich deinem Kommentar entnehme, wünschst du dir Geduld und Akzeptanz bei zwischenmenschlichen Beziehungen. Aber musst du dem anderen nicht auch gleichzeitig diese Tugenden anbieten, wenn er Fragen hat und bestimmte Dinge nicht versteht und nachfragt? Denk mal, viele Autisten analysieren ständig das Verhalten der NT’s, um in ihrer Regel-Welt klarzukommen und leben selbst nach starken Regeln. Das ist nichts anderes, als das, was interessierte NT’s auch mit ihren Fragen an Autisten zeigen. Sie möchten gerne etwas „greifbares“, was sie annehmen und umsetzen können, finden, um zu Verstehen und Sicherheit im Umgang mit einem Autisten zu erlangen. Das liegt fern von „ als jedes Detail bis ins Tausendste zu zerlegen“. Es steckt aus meiner Sicht eine ganz andere Motivation dahinter. Ich benutze gerne kleine Geschichten dafür. Wie wäre diese:
      Wenn ich nie in einem Auto gesessen habe und mein Fahrlehrer sagt: Jetzt treten Sie als allererstes die Kupplung, aber er hat mir nie erklärt, was eine Kupplung ist und wozu sie eingesetzt werden muss. Wie soll ich sie je treten können?

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  4. Ismael Kluever

    Hallo Bones,
    keine Ahnung, wo ich das mal geschrieben hatte: Für Autismus an sich interessiere ich mich kaum. Aber ich bin irgendwo mal auf den Blogeintrag einer Frau gestoßen, aus dem sich ein netter Austausch ergab. Darin spielte ihr Autismus eine Rolle. Dann kam eines zum anderen:

    Wenn du einen Autisten kennst, dann kennst du *einen* Autisten.
    Wenn du einen bloggenden Autisten kennst, dann kennst du bald eine Horde bloggender Autisten. 😉

    Das ist nicht anders, als in anderen Bereichen auch, für die ich mich ebenfalls interessiere. Umweltschutz, Theologie, bestimmte Hobbies, – das Internet ist ein Dorf! Die Vernetzung geht schnell. Schwuppdiwupp kennt man jede Menge Leute, die sich mit einem Thema auskennen.

    Was den Autismus betrifft, so war für mich eines nicht zu übersehen. Nämlich, dass es zwischen Autisten und Neurotypischen im Alltag Probleme gibt, die ihre Ursache auch in der Uninformiertheit der Nichtautisten (manchmal auch umgekehrt) haben. Da nehme ich mich selbst nicht aus. Rückblickend bin ich überzeugt, dass ich schon oft mit Autisten zu tun hatte, ihnen aber aus schlichter Unwissenheit nicht gerecht geworden bin. Ich habe einfach nicht begreifen können, warum sich ein sehr guter Freund immer schnell wegen angeblicher Kopfschmerzen und Müdigkeit aus unseren geselligen Runden zurückzog, obwohl er doch sonst bis tief in die Nacht an seinem Computer herumprogrammieren konnte. Heute ist mir klar, dass seine Kopfschmerzen echt und nicht vorgetäuscht waren. Und mir ist auch klar, warum er hingebungsvoll irgendetwas basteln konnte, ohne zu merken, dass es seiner Frau gerade sehr schlecht ging und sie seine Hilfe gebraucht hätte. Hätten wir, er selbst, seine Frau und seine Freunde Bescheid gewusst, wären wir sicher ganz anders damit umgegangen.

    Also ist Aufklärung gefragt.
    Dazu dienen unter Anderem persönliche Blogs, so wie dieser hier.

    Wenn es stimmt, dass ca. 1 % der Bevölkerung dem autistischen Spektrum angehören, dann erwächst daraus eine gesellschaftliche Verantwortung. Das kann dann nicht nur Sache von ein paar Experten sein. Was ich dabei tun kann, ist, bei mir selbst mit der Aufklärung zu beginnen. Mich persönlich birngen dabei (aber auch auf anderen Gebieten) Dialog und Diskurs recht gut weiter. Interessante Blogs, die eine Kommentarfunktion haben, empfinde ich als Einladung zum Austausch. Und manchmal (nicht immer!) nehme ich diese Einladung an, so wie hier. Das ist bei mir typbedingt. Andere lesen vielleicht lieber für sich selbst, recherchieren auf anderem Wege, schauen sich Filme an oder was auch immer.

    Wenn sich ein Austausch entwickelt, rückt das Thema, mit dem er begonnen hat, oft schnell in den Hintergrund. „Autisten sind auch nur Menschen,“ schreibst du. Ja, eben. Oft sehr sympathische und liebenswürdige Menschen. Und dann wundert es doch nicht, dass man bei ihnen „hängenbleibt“ und den Kontakt auch auf anderer Ebene weiterführt, oder? 😉

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