Die Kerze – mein HerzLicht

Die Flamme einer Kerze gibt mir das schönste Licht der Welt. Ich fühle eine Lichtspiegelung in meinen Augen, die kein elektrisches Licht der Welt erreichen kann. Ich nenne es deswegen HerzLicht, weil es durch meine Augen direkt in mein Herz leuchtet.
Man versucht, durch das sogenannte „Warmlicht“ mit speziellen Glühbirnen das Kerzenlicht zu ersetzen, aber es funktioniert bei mir nicht. Ich habe viele Warmlicht-Glühbirnen ausprobiert und keine gefunden, die nur annähernd das Gefühl von Kerzenlicht für mich ersetzt.

Kerzenlicht ist für mich ein ganz besonders Licht und verändert meine Gefühle. Es lässt mein Herz langsamer schlagen und zur Ruhe kommen. Wenn es nach mir ginge, hätte ich überall im Haus Kerzen stehen anstatt Lampen an den Decken. Ich sammele mit Vorliebe Laternen und alte Kerzenständer. Zudem benutze ich oft gelbe Glühbirnen in den Lampen. Gelbes Licht empfinde ich als angenehm. Es ist das einzige elektrische Licht, bei dem ich mich wohlfühle. Es vermittelt mir Wärme und Gemütlichkeit und strengt meine Augen nicht an.

Neonlicht ist für mich gänzlich unerträglich. Der grelle Schein löst Schmerzen in meinen Augen aus. Ich habe früher in einer Firma unter einer Neonlampe gearbeitet. Nach vier Wochen musste ich kündigen, weil mir regelmäßig die Augen schmerzten und tränten.
In der Schule litt ich ständig unter tränenden und schmerzenden Augen, weil die Klassenräume mit Neonlicht ausgeleuchtet waren. Ich konnte kaum konzentriert arbeiten.
Ich mag auch kein helles oder grelles Licht in der Wohnung. Es macht mich unruhig und aggressiv wie bei einer Reizüberflutung. Bei mir wird man dieses Licht vergeblich suchen. Nur zum Lesen, Schreiben und Handarbeiten benutze ich spezielle Leselampen mit Warmlichtbirnen.

Es hat wohl mit einer speziellen Form der Sinneswahrnehmung zu tun. Eine sensorische Auffälligkeit. Sie zeigt sich in Form einer Überempfindlichkeit im Bereich des Sehens. Ich kann mich nur schwer in grell oder hell erleuchteten Räumen aufhalten. Bin ich als Gast in solche Räume geladen, muss ich nach spätestens einer Stunde den Raum verlassen, weil meine Augen rot werden und zu tränen beginnen. Diskotheken mit starken Lichteffekten hatte ich in meiner Jugend gänzlich gemieden, weil sie mir Schmerzen verursachten. Ebenso kann ich keine Filme mit grellen schnellen Bilderwechseln anschauen. Blinkende Lichterketten verwirren mich, sodass ich sofort wegschauen muss.

In meinem Haus gibt es keine weißen Gardinen. Sie tauchen die Räume in ein Licht, das ich nicht vertrage. Alle meine Gardinen sind entweder gelb, hellbraun oder beige, weil sie so ein warmes Licht in die Zimmer werfen und meine Augen nicht reizen. Es fühlt sich für mich gut an.

Es gab eine Begebenheit, die ich nie vergesse.
Als wir am 24. Dezember 2007 von Kanada wieder nach Deutschland zurückkehrten, waren wir natürlich noch sehr spartanisch in unserem neuen Haus eingerichtet. Freunde hatten uns einen sieben-flammigen Kerzenständer geschenkt und ins Wohnzimmer gestellt. An den Decken hingen nur nackte Glühbirnen. So zündeten wir abends alle sieben Kerzen an und schalteten die Lampen aus. Das Licht, das diesen Raum nun erfüllte, wird ewig in meiner Erinnerung bleiben. Es schenkte mir ein großes Wohlgefühl und nahm mir die Reize des Tages.

Ein anderes Erlebnis gibt es aus der Zeit, als ich darauf bestand, den Tannenbaum mit echten Kerzen zu schmücken. Es war nicht ganz ungefährlich, weil unsere Kinder noch klein waren. Aber wir machten eine ganz besondere Zeremonie daraus, weil die Kerzen nur zwei Stunden brannten. Der Raum wurde in dieser Zeit in ein zauberhaftes Licht getaucht, das keine Lichterkette der Welt erreicht.
Noch heute erinnere ich mich mit großer Freude an dieses Licht zu Weihnachten.

Wenn ich in England in meiner Hütte bin, stelle ich bei Dunkelheit überall Kerzen hin. Und eine Kerze stelle ich immer ans Fenster. Es ist für mich nicht nur ein angenehmes Licht, sondern auch das Zeichen, mich Zuhause zu fühlen. Es nimmt mir die Reize des Tages. Das Herz beruhigt sich. Eben HerzLicht.

(Meine Blogs gibt es auch als eBook bei Amazon unter „Denkmomente“ und bald als Printausgabe)

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