Das Geheimnis der kleinen einfachen Weihnachtsgeschenke

Fernab jeder Geschenkkultur verspürte ich nie das Verlangen, große teure Geschenke zu Weihnachten bekommen zu wollen. Für mich besteht Weihnachten aus den Gaben der Natur, Kerzen, Gebäck, Selbsthergestelltem und einem köstlichen Weihnachtsmahl. Darin verbirgt sich für mich Liebe, Mühe und Zeit – ein tiefes Glücksgefühl. Ich liebe Weihnachtsgeschichten, die Langsamkeit und die Überschaubarkeit.
An mir würde jeder Einzelhandel oder jede Kaufhauskette pleitegehen.

Ich bin kein Geschenke-Gegner. Wirklich nicht. Im Gegenteil, ich bereite selber sehr gerne immerzu kleine Überraschungen für meine Freunde und meine Familie vor. Ich liebe es, wenn Menschen, die mir am Herzen liegen, sich freuen. Das ist auch gleichzeitig meine Freude und ich erwarte oder verlange nichts zurück. Ich mag das Ungeplante, also keine Geschenke auf Abruf. Deswegen kann ich mich nur schwer exakt zu Weihnachten am Heilig Abend über verpackte Geschenke freuen. Sie wirken auf mich „abgehandelt“ und verunsichern mich sehr. Ich weiß häufig nicht, wie ich reagieren soll, weil ich keine ehrliche Freude dabei empfinde. Ebenso fällt es mir sehr schwer, Geschenke auf einen bestimmten Termin für andere zu besorgen. Unter diesem Druck blockiert alles in mir.

Ich liebe ganz andere Dinge im Advent, die viele selbstverständlich finden: Das Schmücken des Baumes, das Aufbauen der Krippe, die vielen Kerzen, die Dekorationen, das Weihnachtsessen und das gemütliche Zusammensitzen am Abend. Eine Bescherung bereitet mir immer viel Stress.

Schon in meiner Kindheit fand ich zu Weihnachten die Form des Glücklich-Machens durch große teure Geschenke unangenehm, um nicht zu sagen falsch. Auf mich wirkte es verlogen. Als Kind bekam ich Geschenke, die ich nicht mochte und musste Freude und Dankbarkeit zeigen, was ich nicht wollte. Ich bekam ein Instrument geschenkt, das ich nicht spielen lernen wollte, Langspielplatten, die ich nicht hören wollte, und Kleidung, die ich nicht tragen wollte. Und dann immer schön lächeln …, weil sich jeder so viel Mühe gegeben hatte, mir eine Freude zu bereiten. Ich lächelte wegen der Mühe und der Gedanken, die sich der andere Mensch gemacht hatte, aber nicht für das Geschenk. Für mich folgten danach oft schlimme Zeiten, weil ich zeigen musste, dass ich diese Dinge auch mochte. Ich lernte Orgel spielen und fand es grausam, ich trug Kleidung und fand mich darin hässlich, ich hörte Musik, die mich nervte; ich war vollkommen überfordert.
Bereits als Kind faszinierte mich der wunderschön geschmückte Baum. Die Heimlichkeiten, wenn der Weihnachtsraum abgeschlossen und vom Christkind vorbereitet wurde, das besonders leckere Gebäck und das köstliche Abendessen. Nur einmal im Jahr gab es eine Weihnachtsgans. Der Duft schwebt mir heute noch in der Nase. Aber die Bescherung stürzte mich ins Unbehagen. Das ist bis heute so geblieben.

Für mich definiert sich die Weihnachtszeit anders, als viele Menschen mir vorzugaukeln versuchen. Es ist eine Zeit, in der ich das Krippenspiel sehr faszinierend finde. Die Geburt Jesu. Ich finde diese Geschichte in einem Stall voller Armut immer sehr beruhigend. Die Einfachheit verbirgt für mich einen magischen Zauber. Ich mag Kirchenchöre und Gospelgesang in dieser Zeit. Es übt eine große Ruhe auf mich aus.
Natürlich finde ich auch die Lichter und Farben zu Weihnachten schön, aber nicht diese Masse und Vergeudung, die eine totale Reizüberflutung für mich darstellen. Es scheint vielen Menschen große Freude zu bereiten. Sie wünschen und sie beschenken sich in einem Ausmaß, das mich unsicher macht und stresst.

Ich versuchte viele Jahre lang in meiner weitläufigeren Familie, diese einfache Form des Festes attraktiv zu machen, aber leider ist es mir nicht gelungen. Ich kam gegen die gekauften Geschenke nicht an und fühlte mich oft als Außenseiterin. Während der Familienfeste kam bei mir keine Freude auf, weil mich der viele Konsum sehr überforderte. Alles löste Stress und Wut in mir aus und zerstörte genau am Heilig Abend jedes schöne Gefühl für Weihnachten. Zwischen den Menschen und mir entstand ein großer Abstand während der Festtage. Ich fühlte mich besser, wenn es vorbei war.

Als meine Kinder größer wurden, beschlossen wir gemeinsam, Weihnachten ohne Geschenke zu feiern. Wir wollten dem Fest den eigentlichen Sinn von Weihnachten zurückgeben: Wir begannen zu den Adventstagen Selbstgebackenes zu genießen und die Adventskerzen mit Vorfreude auf das Fest brennen zu sehen. Und es funktionierte, allerdings nur in unserem kleinen Kreis. Seitdem feiern wir Weihnachten ganz alleine und meiden das Fest der großen Familie.

Ich liebe das Fest wie kein anderes, aber ich meide weitgehend Weihnachtsmärkte, die mehr einem Rummelplatz ähneln als einem Fest der Besinnlichkeit. Überall fließt der Alkohol im Übermaß. Der Alkohol scheint das Maß der Freude zu bestimmen. Für mich: nein danke. Ich möchte meine Sinne in dieser Zeit nicht vernebeln.
Stattdessen wandere ich lieber durch Wälder und suche Naturmaterialen für Kerzengestecke und die Raum-Dekoration.

Für mich hat Weihnachten immer schon in der Einfachheit der Dinge bestanden, die uns zu Besinnung, Nächstenliebe und Dankbarkeit führen sollen und heißt Rückschritt, nicht Fortschritt. Doch wenn ich mir heute die Werbung im Fernsehen, die Wurfsendungen im Briefkasten und die Geschäfte anschaue, laufe ich wohl wieder einmal in die falsche Richtung. Das Erstaunliche ist, dass jeder in der Weihnachtszeit das gleiche sucht, aber viele den Weg nicht finden …

(Meine Blogs gibt es auch als eBook bei Amazon unter „Denkmomente“ und bald als Printausgabe)

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