Adventsgedanken

Die Adventszeit ist eine ganz besondere Zeit für mich. Ich glaube, dass ich vielen Menschen aus dem Herzen spreche, ob mit Autismus oder ohne. Es ist eine Zeit, in der sich alle auf die Suche nach Ruhe und Besinnlichkeit machen. Das ist zumindest unser aller Ziel in der Vorweihnachtszeit.

Ich mag diese Zeit, weil viele Menschen sich dazu angehalten fühlen, Rücksicht zu nehmen und auf die schwächeren Menschen in ihrer Umgebung zu schauen. Sämtliche karikative Verbände bekommen Aufmerksamkeit und Obdachlose erfahren Zuwendung und Liebe.
Es fühlt sich an, als würden plötzlich alle Menschen die Welt für kurze Zeit mit anderen Augen sehen. Plötzlich möchten alle etwas schenken und andere glücklich machen, ihnen Freude und Trost spenden. Alte Menschen werden zur Adventszeit häufiger besucht, Familien finden zusammen und Kranke bekommen mehr Zuwendung. Irgendwie fühlen sich alle Menschen mit diesem Verhalten sehr glücklich. Es steckt viel Nächstenliebe und Mitgefühl drin. Warum ist das nur zur Weihnachtszeit der Fall? Was löst dies plötzlich bei so vielen Menschen aus?

Es ist eine Zeit, von der ich mir wünsche, sie würde nie vergehen!
Es ist eine Zeit, in der sich alle Menschen sehr nahe sind und sich wohlfühlen. Zumindest ist das ihr Bestreben.

Warum lassen sich die Menschen nicht das ganze Jahr hindurch auf dieses besondere Gefühl ein? Sie erleben einen Zauber in ihren Gefühlen, den sie das ganze Jahr hindurch herbeisehnen. Die überfüllten Weihnachtsmärkte beweisen, wie stark die Sehnsucht nach Ruhe, Liebe und Besinnlichkeit im Menschen drinsteckt. Die Liedtexte erzählen von Nächstenliebe und Ruhe.

Was ist es, das die Menschen außerhalb dieser Zeit so stark entzweit, dass sie diese Gefühle nicht abrufen können? Hat es etwas mit Stärke und Schwäche zu tun? Oder ist es der Zauber des Augenblicks, der nur zur Weihnachtszeit „die Plätzchen gut schmecken lässt“. Wenn diese Zeit so viele Sehnsüchte erfüllt oder uns zumindest ein Gefühl gibt, wo unsere Sehnsüchte versteckt sind, warum brechen die Menschen im Rest des Jahres wieder zusammen und leben in Rückzug, Abstand und Ignoranz weiter? Warum verlieren sie diese soziale Komponente plötzlich wieder und erliegen den Reizen des Gesellschaftskampfes?

Für mich gilt, dass alle Menschen im Herzen grundgütige Wesen sind. So empfinde ich sie. Das gefällt mir. Ich frage mich, ob es die Ausprägung von Schwäche ist, die dies immer wieder zusammenbrechen lässt.
Wer sind die wirklich Starken und die wirklich Schwachen in unserer Gesellschaft?
Sind nicht die die Schwachen, die glauben, die Starken zu sein, nur weil sie in der Mehrzahl sind und dadurch das Weltgeschehen bestimmen? Sind es nicht letztendlich die Schwachen, die mehr Stärke beweisen (vielleicht auch beweisen müssen), weil sie in der Minderheit sind und konstant ihre Einstellung auch über diese Zeit hinaus vertreten möchten?
Ich finde das einen interessanten Gedanken.

Dieser Wechsel von Ignoranz zu Mitgefühl in der Weihnachtszeit verwirrt mich oft.
Bei mir endet die Idee nach Weihnachten nicht, weiterhin Bedürftigen zu helfen und die Suche nach Ruhe und Besinnlichkeit fortzuführen. Ich pfeife das ganze Jahr über „Jingle Bells“, weil es immer wieder dieses tolle Gefühl des Zusammenhalts in mir hervorruft und mich glücklich macht. Der Januar fühlt sich wie eine Eiszeit an, nicht nur der Jahreszeit wegen. Ich sehe all diese zauberhaft geschmückten Räume und Städte wieder im Grau des Alltags verschwinden. Das Lächeln auf den Lippen verblasst und sie spiegeln erneut die Härte des Überlebenskampfes wider. Der Alltag hat die Menschen erneut eingeholt. Sie verlieren sich in der Schwäche der Erwartung der Gesellschaft, die sie selber schaffen. Dabei wären sie so gerne weiterhin glücklich.
Warum können Menschen dieses tolle Gefühl in der Adventszeit nicht in ihren Herzen bewahren und durch das ganze Jahr hindurch weiter empfinden? Warum bricht es mit dem Anbruch des Januars plötzlich zusammen, obwohl wir viele Wochen so nahe zusammen glücklich leben konnten? So viel Rücksicht schwindet dahin. Warum?

Zu keiner Zeit bin ich allen so nahe und so verbunden wie in der Vorweihnachtszeit. Als existierten plötzlich keine Barrieren, Unterschiede oder Andersartigkeiten.
Das ursprüngliche Bedürfnis eines jeden Menschen ist es zu helfen und für andere da zu sein.
Adventszeit – es gibt in dieser Zeit keine Unterschiede, keine Bewertung, keine Ignoranz! Ich freue mich, dass es diese Zeit gibt!

(Ab jetzt kann man meine Blogs auch zusammengefasst als eBook und  Printausgabe lesen)

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2 Gedanken zu „Adventsgedanken

  1. Ismael Kluever

    Seltsam, ich empfinde gerade den Advent ganz anders.
    Viele Leute sind so unruhig und unangenehm umtriebig, oft auch gereizt und aggressiv. Die Innenstädte sind von Menschen überfüllt, vielerorts Gedrängel und Geschubse. Ich mag zu dieser Zeit nicht in die Stadt fahren. Den Weihnachtsmarkt umgehe ich weiträumig.
    Meine Liebste „muss“ jetzt gerade zu einer betrieblichen „Weihnachtsfeier“, zu der kaum einer der Mitarbeiter dort richtig Lust hat.
    Ich werde gleich jemandem (den ich kaum kenne) einen langen lieben Brief schreiben.
    Mein Motto in dieser Zeit:
    Slow down!
    Das scheint mir aber das Gegenteil von dem zu sein, was andere derzeit machen.

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    1. denkmomente Autor

      Das ist richtig, Ismael. Es ist eine starke Unruhe zu bemerken. Aber ich meinte damit, dass sich irgendwie jeder Mensch auf der „Suche“ nach Ruhe und Besinnlichkeit befindet. Das sit zu keiner Zeit so ausgeprägt wie zur Vorweihnachtszeit. Ob er sie findet, ist eine andere Frage. Ich kann diese Gefühle auch nicht in der Öffentlichkeit finden, weil viele in dieser Zeit viel zu sehr vom Konsumzwang beherrscht werden. Aber wenn man diese Menschen fragt, würden sie gerade jetzt zu dieser Zeit gerne das Gegenteil finden. 😉

      Gefällt 1 Person

      Antwort

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