Archiv für den Monat Dezember 2014

Die Kerze – mein HerzLicht

Die Flamme einer Kerze gibt mir das schönste Licht der Welt. Ich fühle eine Lichtspiegelung in meinen Augen, die kein elektrisches Licht der Welt erreichen kann. Ich nenne es deswegen HerzLicht, weil es durch meine Augen direkt in mein Herz leuchtet.
Man versucht, durch das sogenannte „Warmlicht“ mit speziellen Glühbirnen das Kerzenlicht zu ersetzen, aber es funktioniert bei mir nicht. Ich habe viele Warmlicht-Glühbirnen ausprobiert und keine gefunden, die nur annähernd das Gefühl von Kerzenlicht für mich ersetzt.

Kerzenlicht ist für mich ein ganz besonders Licht und verändert meine Gefühle. Es lässt mein Herz langsamer schlagen und zur Ruhe kommen. Wenn es nach mir ginge, hätte ich überall im Haus Kerzen stehen anstatt Lampen an den Decken. Ich sammele mit Vorliebe Laternen und alte Kerzenständer. Zudem benutze ich oft gelbe Glühbirnen in den Lampen. Gelbes Licht empfinde ich als angenehm. Es ist das einzige elektrische Licht, bei dem ich mich wohlfühle. Es vermittelt mir Wärme und Gemütlichkeit und strengt meine Augen nicht an.

Neonlicht ist für mich gänzlich unerträglich. Der grelle Schein löst Schmerzen in meinen Augen aus. Ich habe früher in einer Firma unter einer Neonlampe gearbeitet. Nach vier Wochen musste ich kündigen, weil mir regelmäßig die Augen schmerzten und tränten.
In der Schule litt ich ständig unter tränenden und schmerzenden Augen, weil die Klassenräume mit Neonlicht ausgeleuchtet waren. Ich konnte kaum konzentriert arbeiten.
Ich mag auch kein helles oder grelles Licht in der Wohnung. Es macht mich unruhig und aggressiv wie bei einer Reizüberflutung. Bei mir wird man dieses Licht vergeblich suchen. Nur zum Lesen, Schreiben und Handarbeiten benutze ich spezielle Leselampen mit Warmlichtbirnen.

Es hat wohl mit einer speziellen Form der Sinneswahrnehmung zu tun. Eine sensorische Auffälligkeit. Sie zeigt sich in Form einer Überempfindlichkeit im Bereich des Sehens. Ich kann mich nur schwer in grell oder hell erleuchteten Räumen aufhalten. Bin ich als Gast in solche Räume geladen, muss ich nach spätestens einer Stunde den Raum verlassen, weil meine Augen rot werden und zu tränen beginnen. Diskotheken mit starken Lichteffekten hatte ich in meiner Jugend gänzlich gemieden, weil sie mir Schmerzen verursachten. Ebenso kann ich keine Filme mit grellen schnellen Bilderwechseln anschauen. Blinkende Lichterketten verwirren mich, sodass ich sofort wegschauen muss.

In meinem Haus gibt es keine weißen Gardinen. Sie tauchen die Räume in ein Licht, das ich nicht vertrage. Alle meine Gardinen sind entweder gelb, hellbraun oder beige, weil sie so ein warmes Licht in die Zimmer werfen und meine Augen nicht reizen. Es fühlt sich für mich gut an.

Es gab eine Begebenheit, die ich nie vergesse.
Als wir am 24. Dezember 2007 von Kanada wieder nach Deutschland zurückkehrten, waren wir natürlich noch sehr spartanisch in unserem neuen Haus eingerichtet. Freunde hatten uns einen sieben-flammigen Kerzenständer geschenkt und ins Wohnzimmer gestellt. An den Decken hingen nur nackte Glühbirnen. So zündeten wir abends alle sieben Kerzen an und schalteten die Lampen aus. Das Licht, das diesen Raum nun erfüllte, wird ewig in meiner Erinnerung bleiben. Es schenkte mir ein großes Wohlgefühl und nahm mir die Reize des Tages.

Ein anderes Erlebnis gibt es aus der Zeit, als ich darauf bestand, den Tannenbaum mit echten Kerzen zu schmücken. Es war nicht ganz ungefährlich, weil unsere Kinder noch klein waren. Aber wir machten eine ganz besondere Zeremonie daraus, weil die Kerzen nur zwei Stunden brannten. Der Raum wurde in dieser Zeit in ein zauberhaftes Licht getaucht, das keine Lichterkette der Welt erreicht.
Noch heute erinnere ich mich mit großer Freude an dieses Licht zu Weihnachten.

Wenn ich in England in meiner Hütte bin, stelle ich bei Dunkelheit überall Kerzen hin. Und eine Kerze stelle ich immer ans Fenster. Es ist für mich nicht nur ein angenehmes Licht, sondern auch das Zeichen, mich Zuhause zu fühlen. Es nimmt mir die Reize des Tages. Das Herz beruhigt sich. Eben HerzLicht.

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Das Geheimnis der kleinen einfachen Weihnachtsgeschenke

Fernab jeder Geschenkkultur verspürte ich nie das Verlangen, große teure Geschenke zu Weihnachten bekommen zu wollen. Für mich besteht Weihnachten aus den Gaben der Natur, Kerzen, Gebäck, Selbsthergestelltem und einem köstlichen Weihnachtsmahl. Darin verbirgt sich für mich Liebe, Mühe und Zeit – ein tiefes Glücksgefühl. Ich liebe Weihnachtsgeschichten, die Langsamkeit und die Überschaubarkeit.
An mir würde jeder Einzelhandel oder jede Kaufhauskette pleitegehen.

Ich bin kein Geschenke-Gegner. Wirklich nicht. Im Gegenteil, ich bereite selber sehr gerne immerzu kleine Überraschungen für meine Freunde und meine Familie vor. Ich liebe es, wenn Menschen, die mir am Herzen liegen, sich freuen. Das ist auch gleichzeitig meine Freude und ich erwarte oder verlange nichts zurück. Ich mag das Ungeplante, also keine Geschenke auf Abruf. Deswegen kann ich mich nur schwer exakt zu Weihnachten am Heilig Abend über verpackte Geschenke freuen. Sie wirken auf mich „abgehandelt“ und verunsichern mich sehr. Ich weiß häufig nicht, wie ich reagieren soll, weil ich keine ehrliche Freude dabei empfinde. Ebenso fällt es mir sehr schwer, Geschenke auf einen bestimmten Termin für andere zu besorgen. Unter diesem Druck blockiert alles in mir.

Ich liebe ganz andere Dinge im Advent, die viele selbstverständlich finden: Das Schmücken des Baumes, das Aufbauen der Krippe, die vielen Kerzen, die Dekorationen, das Weihnachtsessen und das gemütliche Zusammensitzen am Abend. Eine Bescherung bereitet mir immer viel Stress.

Schon in meiner Kindheit fand ich zu Weihnachten die Form des Glücklich-Machens durch große teure Geschenke unangenehm, um nicht zu sagen falsch. Auf mich wirkte es verlogen. Als Kind bekam ich Geschenke, die ich nicht mochte und musste Freude und Dankbarkeit zeigen, was ich nicht wollte. Ich bekam ein Instrument geschenkt, das ich nicht spielen lernen wollte, Langspielplatten, die ich nicht hören wollte, und Kleidung, die ich nicht tragen wollte. Und dann immer schön lächeln …, weil sich jeder so viel Mühe gegeben hatte, mir eine Freude zu bereiten. Ich lächelte wegen der Mühe und der Gedanken, die sich der andere Mensch gemacht hatte, aber nicht für das Geschenk. Für mich folgten danach oft schlimme Zeiten, weil ich zeigen musste, dass ich diese Dinge auch mochte. Ich lernte Orgel spielen und fand es grausam, ich trug Kleidung und fand mich darin hässlich, ich hörte Musik, die mich nervte; ich war vollkommen überfordert.
Bereits als Kind faszinierte mich der wunderschön geschmückte Baum. Die Heimlichkeiten, wenn der Weihnachtsraum abgeschlossen und vom Christkind vorbereitet wurde, das besonders leckere Gebäck und das köstliche Abendessen. Nur einmal im Jahr gab es eine Weihnachtsgans. Der Duft schwebt mir heute noch in der Nase. Aber die Bescherung stürzte mich ins Unbehagen. Das ist bis heute so geblieben.

Für mich definiert sich die Weihnachtszeit anders, als viele Menschen mir vorzugaukeln versuchen. Es ist eine Zeit, in der ich das Krippenspiel sehr faszinierend finde. Die Geburt Jesu. Ich finde diese Geschichte in einem Stall voller Armut immer sehr beruhigend. Die Einfachheit verbirgt für mich einen magischen Zauber. Ich mag Kirchenchöre und Gospelgesang in dieser Zeit. Es übt eine große Ruhe auf mich aus.
Natürlich finde ich auch die Lichter und Farben zu Weihnachten schön, aber nicht diese Masse und Vergeudung, die eine totale Reizüberflutung für mich darstellen. Es scheint vielen Menschen große Freude zu bereiten. Sie wünschen und sie beschenken sich in einem Ausmaß, das mich unsicher macht und stresst.

Ich versuchte viele Jahre lang in meiner weitläufigeren Familie, diese einfache Form des Festes attraktiv zu machen, aber leider ist es mir nicht gelungen. Ich kam gegen die gekauften Geschenke nicht an und fühlte mich oft als Außenseiterin. Während der Familienfeste kam bei mir keine Freude auf, weil mich der viele Konsum sehr überforderte. Alles löste Stress und Wut in mir aus und zerstörte genau am Heilig Abend jedes schöne Gefühl für Weihnachten. Zwischen den Menschen und mir entstand ein großer Abstand während der Festtage. Ich fühlte mich besser, wenn es vorbei war.

Als meine Kinder größer wurden, beschlossen wir gemeinsam, Weihnachten ohne Geschenke zu feiern. Wir wollten dem Fest den eigentlichen Sinn von Weihnachten zurückgeben: Wir begannen zu den Adventstagen Selbstgebackenes zu genießen und die Adventskerzen mit Vorfreude auf das Fest brennen zu sehen. Und es funktionierte, allerdings nur in unserem kleinen Kreis. Seitdem feiern wir Weihnachten ganz alleine und meiden das Fest der großen Familie.

Ich liebe das Fest wie kein anderes, aber ich meide weitgehend Weihnachtsmärkte, die mehr einem Rummelplatz ähneln als einem Fest der Besinnlichkeit. Überall fließt der Alkohol im Übermaß. Der Alkohol scheint das Maß der Freude zu bestimmen. Für mich: nein danke. Ich möchte meine Sinne in dieser Zeit nicht vernebeln.
Stattdessen wandere ich lieber durch Wälder und suche Naturmaterialen für Kerzengestecke und die Raum-Dekoration.

Für mich hat Weihnachten immer schon in der Einfachheit der Dinge bestanden, die uns zu Besinnung, Nächstenliebe und Dankbarkeit führen sollen und heißt Rückschritt, nicht Fortschritt. Doch wenn ich mir heute die Werbung im Fernsehen, die Wurfsendungen im Briefkasten und die Geschäfte anschaue, laufe ich wohl wieder einmal in die falsche Richtung. Das Erstaunliche ist, dass jeder in der Weihnachtszeit das gleiche sucht, aber viele den Weg nicht finden …

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Verstummung – selektiver Mutismus

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel man über sich erfährt, wenn man mit anderen Betroffenen ins Gespräch kommt oder deren Lebensgeschichte liest.
Als ich zum ersten Mal in einem Buch von Janina Bürger über selektiven Mutismus las, wurde ich wieder einmal aufmerksam.

Hier eine zusammengefasste Erklärung von Wikipedia:
Man bezeichnet selektiven Mutismus als eine psychische Störung, wenn die sprachliche Kommunikation stark beeinträchtigt ist, obwohl keinerlei Sprachstörung im herkömmlichen Sinne vorliegt, sondern ein zeitlich begrenzter, angstbedingter Sprechabbruch in bestimmten sozialen Situationen oder in Anwesenheit unbewusst ausgewählter Personen. Das Schweigen kann auch ohne Therapie überwunden werden.

Genau wie Janina Bürger es in ihrem Buch beschreibt, beginnt auch bei mir diese Verstummung, wenn großer psychischer Stress vorausgeht. Ich möchte dies gerne anhand eines Beispiels veranschaulichen.
Bei mir spielt sich im Falle einer Verstummung folgendes ab:

Es entsteht eine Situation, die mich sehr überfordert oder verletzt und die ich nicht verarbeiten kann. Ich durchlebe, wie bereits mehrmals erwähnt, oft das Gefühl, alleine für alle Probleme zuständig oder an allem Schuld zu sein. Dies überfordert mich und macht mir ständig Angst. Diese Angst wendet sich nach innen und verkrampft meinen Bauch und meinen ganzen Brustkorb. Wenn ich dieses Gefühl herannahen spüre, war ich vorher in einer sehr schlimmen Situation, die Ängste in mir freisetzt. Ich bin nicht in der Lage, in diesem Moment darüber zu reden, weil ich keine passenden Worte für meine Gefühle abrufen kann, empfange also keine Signale für ein Gespräch. Ich beginne zu verstummen. Wenn mein Mann nachfragt, was los sei, sage ich: „Geht nicht.“ Das sind meine letzten Worte, die ich gerade noch aussprechen kann, dann ist die Verstummung vollkommen. Ich bekomme Angst davor, dass weitere Fragen an mich gerichtet werden, die ich nicht beantworten kann und ich leide unter starkem Druck. Zusätzlich setzt sich eine Autoaggression in Gang, also eine gegen mich gerichtete Aggression, und stürzt mich in eine tiefe Depression. Die spielt sich wie folgt ab:

Ich ziehe mich in mein Schlafzimmer zurück, egal zu welcher Tageszeit, verdunkle das Zimmer, lege mich voll bekleidet in Embryohaltung (zusammengerollt) ins Bett und erstarre in dieser Haltung. Mein Körper beginnt trotz Kleidung und warmer Bettdecke auszukühlen, und ich durchlebe starke Zitterzustände, Krämpfe und die totale Verstummung. Zum Teil laufen mir Tränen aus den Augen, ohne dass ich das Gefühl verspüre weinen zu müssen. Das ist wohl der Druck, den ich loswerden muss. In meinem Kopf baut sich ein Schlachtfeld auf, und ich beginne die Situation, die mich in diese Lage gebracht hat, tausendfach zu verteufeln. Wut und Zorn gegen mich selbst durchströmen meinem Körper, und ich kann kein Wort reden. Es ist mir sehr unangenehm, wenn zu dieser Zeit jemand das Zimmer betritt und nachfragt, was los sei oder wie es mir geht. Ich befinde mich in vollkommender Erstarrung und bin nicht in der Lage eine Antwort zu geben. Dieser verkrampfte Zustand hält zwischen zwei und zehn Stunden an, je nachdem wie schlimm die nicht verarbeitete Situation auf mich gewirkt hat. Nach einiger Zeit beginnt sich diese körperliche und geistige Verkrampfung von ganz allein zu lösen, so dass ich dieser Art Depression entkommen und das Zimmer wieder verlassen kann. Die Verstummung endet und ich bin in der Lage, Worte zu finden und mich mitzuteilen. Anschließend bin ich derart erschöpft, dass ich viele Stunden lang nicht arbeiten, essen oder Sonstiges tun kann. Es fühlt sich an, als hätte ich zwei Tage Schwerstarbeit hinter mir.

Mittlerweile kennt meine Familie diese Reaktion von mir und lässt mich weitgehend in Ruhe. Dieser Zustand holte mich bisher alle zwei bis drei Monate einmal ein, doch im Zuge der Veränderung, die derzeit in meinem Leben stattfindet, wird es weniger. Ich vermeide immer mehr Kontakte in die Öffentlichkeit und meide Menschen, die zu viel Hilfe von mir verlangen. Das lässt mich zur Ruhe kommen, auch wenn sich zwischendurch immer wieder ein schlechtes Gewissen einschleicht, nicht genug geholfen zu haben. Ich muss es aushalten lernen, um mich zu schützen. Zumindest gibt es immer weniger Situationen, die mich überfordern und in die Verstummung jagen.

Für den Lebenspartner ist diese Verstummung eine sehr schlimme Situation, weil er das Gefühl hat, Schuld an dieser Situation zu tragen. Doch es ist nicht der Fall. Es hat nur etwas mit „meiner“ Grenze der Überforderung zu tun. Leider treten diese Verstummungsanfälle sehr plötzlich und ungeplant bei mir auf und können einen schön geplanten Tag oder Abend ganz schnell zerstören. Es tritt auch bei Urlaubsreisen auf, was bedeutet, dass alle einige Tage Erholung einbüßen.

Ich hielt diese Reaktion von mir bislang für sehr merkwürdig, belastend und angsteinflößend. Nun weiß ich, dass sie dem autistischen Spektrum zugeordnet werden kann, was mich sehr entlastet.
Ich weiß nicht, wie es anderen Betroffenen geht, die am Asperger-Syndrom leiden, aber ich habe oft Angst, als „verrückt“ eingesperrt zu werden. Deswegen vermeide ich es weitgehend, über solche Probleme zu reden.

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Adventsgedanken

Die Adventszeit ist eine ganz besondere Zeit für mich. Ich glaube, dass ich vielen Menschen aus dem Herzen spreche, ob mit Autismus oder ohne. Es ist eine Zeit, in der sich alle auf die Suche nach Ruhe und Besinnlichkeit machen. Das ist zumindest unser aller Ziel in der Vorweihnachtszeit.

Ich mag diese Zeit, weil viele Menschen sich dazu angehalten fühlen, Rücksicht zu nehmen und auf die schwächeren Menschen in ihrer Umgebung zu schauen. Sämtliche karikative Verbände bekommen Aufmerksamkeit und Obdachlose erfahren Zuwendung und Liebe.
Es fühlt sich an, als würden plötzlich alle Menschen die Welt für kurze Zeit mit anderen Augen sehen. Plötzlich möchten alle etwas schenken und andere glücklich machen, ihnen Freude und Trost spenden. Alte Menschen werden zur Adventszeit häufiger besucht, Familien finden zusammen und Kranke bekommen mehr Zuwendung. Irgendwie fühlen sich alle Menschen mit diesem Verhalten sehr glücklich. Es steckt viel Nächstenliebe und Mitgefühl drin. Warum ist das nur zur Weihnachtszeit der Fall? Was löst dies plötzlich bei so vielen Menschen aus?

Es ist eine Zeit, von der ich mir wünsche, sie würde nie vergehen!
Es ist eine Zeit, in der sich alle Menschen sehr nahe sind und sich wohlfühlen. Zumindest ist das ihr Bestreben.

Warum lassen sich die Menschen nicht das ganze Jahr hindurch auf dieses besondere Gefühl ein? Sie erleben einen Zauber in ihren Gefühlen, den sie das ganze Jahr hindurch herbeisehnen. Die überfüllten Weihnachtsmärkte beweisen, wie stark die Sehnsucht nach Ruhe, Liebe und Besinnlichkeit im Menschen drinsteckt. Die Liedtexte erzählen von Nächstenliebe und Ruhe.

Was ist es, das die Menschen außerhalb dieser Zeit so stark entzweit, dass sie diese Gefühle nicht abrufen können? Hat es etwas mit Stärke und Schwäche zu tun? Oder ist es der Zauber des Augenblicks, der nur zur Weihnachtszeit „die Plätzchen gut schmecken lässt“. Wenn diese Zeit so viele Sehnsüchte erfüllt oder uns zumindest ein Gefühl gibt, wo unsere Sehnsüchte versteckt sind, warum brechen die Menschen im Rest des Jahres wieder zusammen und leben in Rückzug, Abstand und Ignoranz weiter? Warum verlieren sie diese soziale Komponente plötzlich wieder und erliegen den Reizen des Gesellschaftskampfes?

Für mich gilt, dass alle Menschen im Herzen grundgütige Wesen sind. So empfinde ich sie. Das gefällt mir. Ich frage mich, ob es die Ausprägung von Schwäche ist, die dies immer wieder zusammenbrechen lässt.
Wer sind die wirklich Starken und die wirklich Schwachen in unserer Gesellschaft?
Sind nicht die die Schwachen, die glauben, die Starken zu sein, nur weil sie in der Mehrzahl sind und dadurch das Weltgeschehen bestimmen? Sind es nicht letztendlich die Schwachen, die mehr Stärke beweisen (vielleicht auch beweisen müssen), weil sie in der Minderheit sind und konstant ihre Einstellung auch über diese Zeit hinaus vertreten möchten?
Ich finde das einen interessanten Gedanken.

Dieser Wechsel von Ignoranz zu Mitgefühl in der Weihnachtszeit verwirrt mich oft.
Bei mir endet die Idee nach Weihnachten nicht, weiterhin Bedürftigen zu helfen und die Suche nach Ruhe und Besinnlichkeit fortzuführen. Ich pfeife das ganze Jahr über „Jingle Bells“, weil es immer wieder dieses tolle Gefühl des Zusammenhalts in mir hervorruft und mich glücklich macht. Der Januar fühlt sich wie eine Eiszeit an, nicht nur der Jahreszeit wegen. Ich sehe all diese zauberhaft geschmückten Räume und Städte wieder im Grau des Alltags verschwinden. Das Lächeln auf den Lippen verblasst und sie spiegeln erneut die Härte des Überlebenskampfes wider. Der Alltag hat die Menschen erneut eingeholt. Sie verlieren sich in der Schwäche der Erwartung der Gesellschaft, die sie selber schaffen. Dabei wären sie so gerne weiterhin glücklich.
Warum können Menschen dieses tolle Gefühl in der Adventszeit nicht in ihren Herzen bewahren und durch das ganze Jahr hindurch weiter empfinden? Warum bricht es mit dem Anbruch des Januars plötzlich zusammen, obwohl wir viele Wochen so nahe zusammen glücklich leben konnten? So viel Rücksicht schwindet dahin. Warum?

Zu keiner Zeit bin ich allen so nahe und so verbunden wie in der Vorweihnachtszeit. Als existierten plötzlich keine Barrieren, Unterschiede oder Andersartigkeiten.
Das ursprüngliche Bedürfnis eines jeden Menschen ist es zu helfen und für andere da zu sein.
Adventszeit – es gibt in dieser Zeit keine Unterschiede, keine Bewertung, keine Ignoranz! Ich freue mich, dass es diese Zeit gibt!

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Gefühle – von der Tiefe an die Oberfläche

Jeder weiß, wenn man sich zu lange in der Tiefe des Meeres aufhält, wird man ertrinken. Dies ist im Leben nicht anders und kann auf alle Bereiche des Lebens übertragen werden. Ich möchte in diesem Beitrag gerne von Gefühlen schreiben.

Unser ganzer Körper besteht aus einem Netz von Nerven, Muskeln und Adern – unserem Lebensnetz, das durch unsere Stimmung im Fluss gehalten wird. Ein Fluss ist immer in Bewegung. Ein Fluss in unserem Körper ist gesund.
Meine Gefühle befinden sich ständig in einer Art „unruhigem Seegang“, der mit einem gleichmäßig dahin fließenden Fluss nicht viel zu tun hat.

Immer wieder gibt es in meinem Alltag Situationen, die meinen „Fluss im Körper“ durcheinander bringen. Ich denke, dass es jedem Menschen so ergeht. Was unterscheidet nun meinen „Fluss“ von dem anderer?

Es ist die Massivität, mit der ich Gefühle verarbeite. Wie bereits mehrfach erwähnt, fehlt mir der Regler für die „Gelassenheit“ in meinen Gefühlen. Es fühlt sich an, als wenn ein spitzer Pfeil direkt bis ins Herz vordringt. Eine Nachricht oder Situation, die mich durcheinanderbringt, kann meine Gefühle so stark in Wallung bringen, dass sie sich über viele Stunden oder gar Tage nicht mehr beruhigen. Dann haben sie sich komplett in die Tiefe meiner Psyche begeben und rauben mir Konzentration, Schlaf und Energie. Alles, was sich in der Tiefe meiner Gefühle aufhält, löst einen Dauer-Denk-Zustand in mir aus. Dauer-Denken erschöpft mich total. Ich kann diese Gedanken nicht abschalten und verspüre eine Art Hitze, die meinen Kopf und Körper erfassen und meine Energie regelrecht auffrisst. Wenn andere gelassen und geduldig reagieren, brennt bei mir die Hölle! Den Spruch „Das wird schon“ gibt es bei mir nicht. Ich verspüre ständig das Bedürfnis, für ein komplexes Problem sofort eine Lösung zu erarbeiten, damit ich es schnell wieder aus meinen Körper und Kopf kriege.
Dabei kommt es zu einem anderen Problem. Ich kann auf soziale Situationen nicht sofort reagieren und benötige oft Stunden oder Tage, um reagieren zu können. Das Problem, das meinen gesunden Fluss im Körper stört, bleibt über diese ganze Zeit präsent und beschäftigt mein komplettes Denken.

Diese Tiefe, in der meine Probleme oft landen, empfinde ich wie eine Wanne voll heißen Wassers. Es dampft und kocht, bis ich es endlich durch den Abfluss freilassen kann. Erst danach geht es mir besser und Erholung setzt ein.

Was passiert bei mir, wenn sich diese Tiefen-Probleme häufen und der Stress immer größer wird ohne sich abzubauen?

Mein Immunsystem bricht zusammen und mein Körper sammelt kleine Entzündungen. Meist zeigt es sich in den Augen. Sie werden rot, als hätte ich zu viel Alkohol getrunken (ich trinke überhaupt keinen Alkohol) oder eine Bindehautentzündung. Zunächst kann kein Arzt diagnostizieren, was es ist. Es tritt zweimal im Monat auf. Später diagnostizierte man eine Lederhautentzündung. Der Körper transportiert Infekte über die Augen nach draußen.
Ich bin kaum erkältet, habe selten Schnupfen oder Husten, aber ich leide nachts ständig an Fieberanfällen. Ein Zeichen, dass ich zu stark gestresst bin.

Derzeit zeigt sich ein neues Phänomen:
Es begann mit Schmerzen im Knie. Schleimbeutelentzündung, diagnostizierte man, gab mir starke Schmerzmedikamente und eine Kniebandage. Es wurde nicht besser und ich wechselte den Arzt. Inzwischen erstreckten die Schmerzen sich über das gesamte linke Bein, bis hin zur Niere, den Rippen, den Zähnen, und es endete in den Augen. Eine komplette linksseitige „Lähmung“ erfasste mich, und ich konnte mich nur noch unter starken Schmerzen bewegen.
Man stellte fest, dass sich durch den Stress die Faszien entzündet hatten. Faszien sind dünne Nervenhäute, die sich über den Muskeln befinden und diese „im Fluss“ halten. Diese Nervenhäute hatten sich entzündet, mit den Muskeln verklebt und begannen sie an ihren Bewegungen zu hindern. Das verursachte den Schmerz. Ich konnte es nur durch Dehnübungen und Blockadebeseitigung durch einen Osteopathen wieder loswerden. Ein sehr langwieriger Prozess.

Ich fand diese Reaktion des Körpers sehr grenzwertig. Schon Anfang des Jahres wiesen geschwollene Lymphknoten auf diverse Infekte im Körper hin, aber niemand fand heraus, welcher Infekt es war.

Derzeit übe ich, die Gefühle nicht mehr so sehr in die Tiefe gelangen zu lassen. Sobald ich bemerke, dass etwas zu tief geht, versuche ich es an die Oberfläche zu transportieren. Ein sehr anstrengender Denkprozess für mich, aber zum Schluss schenkt er mir Entspannung. Sobald die Gefühle an der Oberfläche landen, befreien sie mich von innerlicher Hitze. Da ich es ein Leben lang gewöhnt bin, die Gefühle in die Tiefe zu transportieren, wird es ein sehr langer Prozess werden, bis ich dieses Vorgehen beherrsche. Vielleicht wird er sich niemals verinnerlichen, und ich muss immer wieder mit der bewussten Erinnerung arbeiten. Eine von tausenden Erinnerungen in meinem Leben.

Was Menschen ohne Autismus genetisch mitgegeben wird, muss ich mir immer ständig durch hartes Training erarbeiten. Vielleicht hilft dieser Beitrag etwas, Menschen mit Autismus Störung besser zu verstehen.
Ich bin kein kaltherziger Mensch, sondern ein Mensch mit „zu viel“ Gefühl. Deswegen reagiere ich oft anders als andere.

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