Die Gier der Menschen

Der Begriff „Gier“ sieht für mich wie ein hässliches schwarzes Muster voller giftiger Stachel und messerscharfer Kanten aus. Ich weiß, was es bedeutet, und deswegen verabscheue ich es.

Gier hat mit Verblendung, Betrug, Gemeinheit und Rücksichtslosigkeit zu tun. Verhaltensweisen, die ich nicht beherrsche, und darüber bin ich sehr dankbar. Umso mehr schrecke ich vor ihnen zurück.
Ich bin glücklich, nicht das Verlangen zu verspüren, andere Menschen übers Ohr hauen zu müssen. Meiner Meinung nach vergiftet es den Menschen von innen. Es fühlt sich gemein, niederträchtig und schmerzhaft für den an, der der Gier zum Opfer fällt.

Wo findet man heute noch Unternehmen, die nicht durch Gier motiviert sind? Ein alter Spruch besagt: „Wenn du ehrlich bist, wirst du niemals reich.“

Will ich reich werden? Wozu? Was ist Reichtum überhaupt?

Es reicht aus, wenn ich mit ehrlicher Arbeit so viel verdiene, dass ich mein Essen, meine Kleidung, meine Miete und einige lebenswichtige Dinge wie Versicherung, Auto und Telefon bezahlen kann, um in der Gesellschaft teilhaben zu können. Alles, was darüber hinausgeht, interessiert mich nicht, denn es befriedigt nicht meine Grundbedürfnisse. Deren Befriedigung reicht mir. Grundbedürfnisse können durch mehr Geld höchstens qualitativ höherwertig gestillt werden, aber quantitativ? Kein Bedarf.
Ich bin froh, so wenig wie möglich zu besitzen, damit für mein Gehirn meine Besitztümer überschaubar und sortierbar bleiben. Wenn mein Stresspegel im Alltag steigt, muss ich überlegen, ob ich nicht erst einmal wieder eine Aufräumaktion von Gütern und Tätigkeiten vornehme. Einmal im Jahr sortiere ich meinen Haushalt durch. Danach weiß ich genau, was ich besitze und nicht mehr benötige. Der Spruch: „Aber das kann man doch irgendwann noch gebrauchen“, zählt bei mir nicht. Wenn ich es in den letzten – höchstens – zwei Jahren nicht benutzt habe, dann werde ich es wahrscheinlich auch in Zukunft nicht mehr benutzen. Es kommt hinzu, dass ich mich bei Bedarf sowieso nicht mehr daran erinnern kann, wo es liegt. Also gebe ich es an Bedürftige ab oder entsorge es.

Die Gier fängt bereits bei ganz kleinen Dingen zu Hause an. Wenn sie einen erst einmal gepackt hat, weitet sie sich rasend schnell aus.

Wo finde ich überall Gier?

Zunächst natürlich in großen Konzernen, die einen hohen Gewinn einfahren und den Mitarbeitern nichts abgeben, obwohl es im Grunde deren Verdienst ist. Ich ärgere mich darüber ständig, weil ich Ungerechtigkeit zutiefst verabscheue. Eine jährliche Provision wäre fair, sozial und ehrlich, doch die gibt es nur in den wenigsten Unternehmen.
Ich finde Gier in Spielcasinos. An keinem Ort ist es offensichtlicher als an diesem Ort. Dort treffen Gierige auf Gierige. Und jeder versucht dem anderen sein Geld abzuluchsen. Wie krank!

Die Gier ist auf dem Immobilienmarkt derart zu Hause, wie nirgendwo. Überhöhte Miet- und Immobilienpreise. Dahinter steckt kein fairer Gedanke, sondern nur die pure Gier nach schnellem Geld!

Und erst die Anbieter von Energie!
Mit welcher Form der Gier sie infiziert sind, ist undefinierbar für mich. Die Krankenkassen, die Milliardengewinne auf Kosten der Patienten einfahren, weil Leistungen und Medikamente aus dem Erstattungsplan ausgenommen wurden. Die ehrlichen und fairen Menschen sind ihnen vollkommen ausgeliefert. Sie leiden, erkranken und isolieren sich immer mehr. Wer Kraft hat, beginnt mit Prozessen und viel Schreibarbeit dagegen anzukämpfen. Aber diese Kraft hat nicht jeder.
Die Gewinne dieser Unternehmen werden oft unter einigen wenigen wohlhabenden Managern aufgeteilt. Wie gerecht!

Die Gier lässt sich in jedem Geschäft finden, das versucht, Kinder an der Kasse durch „griffbereite“ Süßigkeiten zum Zugreifen zu veranlassen. Kinder auf diese Art und Weise zu manipulieren finde ich unmöglich! Man sollte solche Manipulationen verbieten, denn Kinder lernen dadurch Taktiken und Methoden kennen, die sie besser nicht kennenlernen sollten. Vielleicht sind es die, die später genau diese Geschäftsleute über den Tisch ziehen…! Dann kann es nur recht sein.
Aber diese Kinder richten später vielleicht einen noch größeren Schaden an.

Wie viele unsinnige Dinge finden wir in und vor den Geschäften in kleinen Angebotskörben stehen, die schnell einen weiteren Umsatz einfahren sollen? Der Blick auf das Wesentliche wird verblendet.
Ein Sonnenstudio ist für mich vollkommender Blödsinn! Wir haben wunderschöne Sonnentage über das Jahr, aber haben die Menschen Zeit, sich in den Garten oder Park zu setzen? Das wäre kostenlos und viel gesünder! Nein, es wird stattdessen in ein Sonnenstudio gelaufen … Der Besitzer des Studios freut sich, an dieser Unsinnigkeit Geld zu verdienen.

Ich komme in dieser Welt immer schlechter zurecht, weil ich auf Gier und Betrug nicht programmiert bin. Es stresst mich unendlich, mein Haus zu verlassen und Erledigungen hinter mich zu bringen, wenn ich sehe, wo überall Gier und Betrug lauern.

Ich komme in großen Einkaufszentren nicht zurecht, weil mich die Atmosphäre der Gier dort wie eine Welle üblen Gestanks überrollt. Ich meide sie, gehe liebe in kleine und überschaubare Geschäfte, wo man sich persönlich kennt.
In den Augen vieler Menschen steht „haben, haben haben wollen“ geschrieben. Und dann haben sie es und fühlen sich trotzdem nicht besser. Wo bleibt der Sinn? Sind es die kleinen Glücksmomente, die gesucht werden, der schnelle Kauf und das Ausschütten der Glückshormone Dopamin und Serotonin? Und was geschieht danach mit der gekauften Ware? Die Gier nach guten Gefühlen ist kurzzeitig befriedigt worden und gleichzeitig die Gier verschiedener Händler. Die Müllberge wachsen sinnlos an. Das alles nur für ein Gefühl, das die Natur im Überfluss dem Menschen bietet. Wie blind sind die Menschen geworden?

Ich kann dies alles nicht nachvollziehen, finde Glück in ganz anderen, kleinen Dingen, die mit Geld nichts zu tun haben. Die wunderschön blühende Blume am Straßenrand, die heiße Tasse Tee mit Blick in den Garten, das Buch am Abend, das Knistern des Feuerholzes, eine Spende an die Bedürftigen oder selbstgebackene Plätzchen zu Weihnachten. Es gibt viele schöne Dinge, mit denen man sich Glücksgefühle verschaffen kann. Wann hat man der Kassiererin das letzte Mal gesagt, dass sie sehr freundlich sei oder eine schöne Frisur habe? Es gibt unzählige Momente, Komplimente auszusprechen und Glück zu schenken. Warum machen es so wenige?

Ich bekomme meine Freunde nicht mehr sortiert, weil viele eine verborgene Gier in sich tragen, die mich enttäuscht. Ich habe Angst, große Geschäfte aufzusuchen, um nicht ständig ungewollt verführt zu werden, und ich bin ständig gefordert, als nicht gieriger Mensch meinen Arbeitsplatz zu finden, an dem ich mich wohlfühle. Muss Arbeit unbedingt mit Betrug am Arbeiter verbunden werden? Wo sind die fairen und ehrlichen Arbeitgeber geblieben? Ich möchte meine Arbeit angemessen und fair bezahlt wissen.
Betrug und Gier sind zwei schlechte Gesellen, denn auf kurz oder lang rächt es sich auf irgendeine Art und Weise.

(Ab jetzt kann man meine Blogs auch zusammengefasst als eBook und  Printausgabe lesen)

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Ein Gedanke zu „Die Gier der Menschen

  1. Diana

    wie treffend formuliert und dargestellt, ich bin in dieser Hinsicht auch froh, dass mir Gefühle wie Neid, Missgunst und Eifersucht unbekannt sind, wären alle Menschen diesbezüglich so veranlagt, wäre die Welt offener, ehrlicher und glücklicher und reifer.

    Gefällt 1 Person

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