Meine Liebe zu Tieren

Ich weiß, dass viele Asperger mit Tieren zusammenleben, weil es die einzigen Geschöpfe sind, denen sie vertrauen und von denen sie sich angenommen fühlen. Ich weiß ebenso, dass fast alle sehr gut mit diesen Tieren umgehen und sie pflegen.

Tiere gehören auch für mich zu den wunderbarsten Geschöpfen auf Erden. Sie sind ehrlich, treu und verhalten sich immer gleich. Man findet in ihnen aufrichtige und treue Lebensbegleiter.

Ich hatte als Kind einen Wellensittich, den ich so sehr liebte, dass ich mich in jeder freien Minute mit ihm beschäftigte. Er wurde sehr schnell zutraulich und lernte mit kleinen Gegenständen auf dem Tisch (Glöckchen, Strohhalmen, … ) kleine Kunststücke zu vollbringen, die die ganze Familie begeisterten. Es war eine Sie, und ich nannte sie Bibi. Bibi lebte nicht nur im Käfig, obwohl sie einen besaß, aber sobald ich mein Zimmer nach der Schule betrat, hob ich den Plastikdeckel von ihrem runden Käfig ab und ließ sie frei im Zimmer fliegen. Natürlich musste ich öfters etwas sauber machen, aber das war es mir wert. Bibi war vollkommen in mein Leben integriert. Sie saß auf dem Schreibtisch und lief meinem Füller hinterher, während er Wörter aufs Papier schrieb. Aber sie knabberte auch mit großer Freude meine beschriebenen Blätter an, sodass ich auf meine Schulbücher und Hefte gut Acht geben musste. Sie saß auf dem oberen Rand meiner Bücher, wenn ich las, oder lief auf meinen Beinen umher, wenn ich im Schneidesitz auf dem Boden saß und Musik hörte. Sie war ein liebenswerter Geselle und ich schenkte ihr mein ganzes Herz! Wenn sie krank wurde, litt ich mit ihr, setzte sie auf meine Schulter unter mein langes Haar und wärmte sie dort. Wenn ich in der Küche spülte, saß sie auf meinem Kopf und sah mir zu. Sie saß ständig irgendwo auf meinem Körper oder der Hand, wenn ich durchs Haus ging. Wenn jemand die Tür öffnete, schrie ich schon von weitem „Tür ZU!! Bibi ist frei!“. Und doch passierte es trotz großer Vorsicht einmal, dass sie durch die Haustür davonflog. Es war eine Katastrophe für mich und ich lief ihr draußen schreiend hinterher. Sie setzte sich in den nächsten Baum und sah auf mich herab. Ich hatte Tränen der Angst in den Augen, denn sie war in meiner früheren Jugend mein einziger Freund. Ich sah zu ihr hinauf und hielt ihr die Hand entgegen, und sie kam tatsächlich zu mir und ließ sich problemlos ins Haus zurückbringen.

Dann passierte dieser Zwischenfall, dass sie eines Tages durch mein offenes Zimmerfenster verschwand. Ich stellte den offenen Käfig an das Fenster, um sie wieder anzulocken. Es dauerte keine fünf Minuten und sie kam zurück und saß auf ihrem Käfig, trällerte mich fröhlich an, als würde sie mir von ihrer kurzen Reise in die Freiheit erzählen.

Ich wusste natürlich, dass gezüchtete Wellensittiche den Winter über ohne Hilfe in Freiheit nicht überleben können, und doch machte ich eines Tages ein Vertrauens-Experiment. Ich ging mit ihr ans offene Fenster und ließ sie frei. Ich stellte den Käfig nicht an das Fenster und wartete ab, was sie tun würde. Mein Vertrauen in diesen Vogel war immens! Es dauerte nur eine kurze Weile und sie kam wieder zurück in mein Zimmer geflogen. Von diesem Tag an ließ ich an warmen Tagen mein Fenster immer offen, und Bibi die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wo sie sich aufhalten möchte. Sie kam immer wieder zurück.

Ich liebe Vögel – alle – und beobachte sie heute noch mit großer Freude. Sie sitzen oft an meinem Fenster, wenn ich schreibe, als würden sie mir zuschauen. In England saßen einmal zwölf Spatzen in einer Reihe auf dem Fensterbrett direkt vor meinem Schreibplatz. Ich wollte sie fotografieren, aber meine Bewegung hin zum Fotoapparat verscheuchte sie.
In Colorado beobachtete ich mit großer Freude Adler. Ich mag aber genauso den anmutigen Anblick von Schwänen oder die lustigen Hühner, wenn sie frei auf dem Hof herumstolzieren. Ich liebe es, wenn die Wildgänse in Formation im Frühjahr und Herbst über mich hinweg fliegen.

Als Jugendliche pflegte ich einen Raben, dessen Flügel angeschossen worden war. Er lernte sprechen. Jeden Morgen, wenn ich ihm Futter brachte, sagte ich „Leo, komm“. Es dauerte ein paar Wochen, da hörte ich ihn heimlich diese Worte krächzen.
Ich wuchs mit Hühnern, Hunden, Katzen, Vögeln und Mäusen auf dem Lande auf und hatte eine glückliche Kindheit dort. Meine Probleme begannen erst in der Schule, als ich auf viele fremde Menschen traf.

Ich habe mich immer wieder gefragt, warum ich besonders Vögel mag. Ich finde es einfach schön, dass sie immer dort hinfliegen können, wo sie wollen. Sie sehen die Welt von oben, haben ausreichend Platz sich zu bewegen und können sich immer dort niederlassen, wo ihre Bedürfnisse sie hinführen. Sie können genauso schnell wieder wegfliegen, wenn sie irgendetwas nicht mehr mögen oder sich erschrecken. Sie machen sich im Flug unerreichbar für den Menschen.

Ich liebe alle Tiere, habe aber seit meiner Kindheit keines mehr besessen. Eben, weil ich sie liebe. Ich liebe es, wenn ich sie in ihren natürlichen Lebensräumen sehe. Dann weiß ich, dass sie glücklich sind. Ich bin viel unterwegs und wohne derzeit in einer Reihenhaus-Siedlung, die ich nicht für Tierhaltung für geeignet halte. Aber ich werde jeden Tag von vielen Tieren in meinem Garten besucht: Eichhörnchen, Vögel vieler Arten, Igel, Schnecken und Kröten. Ich fand vor einigen Wochen eine Schildkröte mitten auf der Straße und versorgte sie bestmöglich, bis ich einen guten Halter für sie fand. Ich versorge alle Tiere, die zur Winterzeit einen Unterschlupf oder Nahrung benötigen, und stelle im Sommer immer frisches Wasser für sie in den Garten. Jeden Morgen bekomme ich dafür ein kostenfreies Konzert vor meinem Fenster! Ich liebe Vogelgesang. Er beruhigt mich zutiefst.

Leider gibt es immer wieder Menschen, die Besitz an Tieren mit Macht verbinden und dann sehe ich mit Schrecken, wie sie mit ihren Tieren umgehen. Es tut mir sehr weh, wenn Tiere unter schlechten Bedingungen leben müssen, unschuldig angeschrien, getreten oder anderweitig schlecht behandelt werden. Es verursacht mir große Schmerzen. Den gleichen Schmerz kann ich in den Augen der Tiere sehen. Dann werde ich sehr wütend. Doch was soll ich dagegen tun? Es wird immer Menschen geben, die die Würde eines Tieres nicht achten. Aber es sind auch oft Menschen, die gar keine Würde zu schätzen wissen, weder die anderer Menschen, noch der Natur. Ich muss diese Menschen eben aushalten.

Wenn sich meine Wohnsituation eines Tages ändern sollte, so wird es ein kleines Haus mitten in der Natur sein, umgeben von Bäumen, Pflanzen und Tieren. Dann könnte es sein, dass mich eines Tages ein Hund findet, denn diese Tiere suchen sich ihre „Herrchen“ oft aus. Sie haben einen Instinkt dafür, zu wem sie passen. Dann werden es gute Beziehungen. Das würde mir gefallen!

(Ab jetzt kann man meine Blogs auch zusammengefasst als eBook und  Printausgabe lesen)

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2 Gedanken zu „Meine Liebe zu Tieren

  1. Forscher

    Kann ich gut nachempfinden. Hatte als Kind ein Kaninchen und zwei Meerschweinchen. Eigentlich liebe ich Katzen, sie sind bei mir auch immer zutraulich, aber ich brächte es nicht übers Herz, mir eine reine Wohnungskatze zuzulegen. Katzen brauchen für mich die Möglichkeit, in die Natur zu gehen und zu jagen, das wäre für mich natürlich. So genieße ich es jedes Mal, wenn ich eine Katze bei einem Besuch streicheln kann, aber habe mich insgeheim damit abgefunden, selbst nie eine haben zu können. Mit Hunden ist es ähnlich, auch wenn ich als Kind lange Zeit Angst vor Hunden hatte, seit mir einer nachgelaufen ist.

    Jetzt ist es so – wenn ich mit den öffentl. Verkehrsmitteln fahre, und sehe einen Hund, geht mein Puls runter, und ich entspanne richtig, selbst, wenn es mir sonst zu laut und zu dicht gedrängt ist.

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