Freundschaften

Das Wort Freundschaft ist ein sehr schönes Wort … und sooo wertvoll. Doch es hat bei mir nicht immer die gleiche Bedeutung.

Bei mir haben sich im Laufe des Lebens drei Kategorien von Freundschaften gebildet:

  1. Kategorie: Bekannte, die ich oberflächlich kenne.
    2. Kategorie: Freunde, mit denen ich verschiedene Interessen teile.
    3. Kategorie: Freunde fürs Leben, mit denen ich meine Interessen und privaten Probleme teile.Bei Menschen, die ich in Kategorie 3 aufnehme, bin ich mir ziemlich sicher, dass sie mein volles Vertrauen verdient haben und mich ein Leben lang begleiten werden. Sie tragen mich durch Höhen und Tiefen des Lebens und verlieren nicht den Glauben an mich bei allem, was ich tue. Umgekehrt ist es genauso. Das trifft allerdings nur auf sehr wenige Menschen zu.Freundschaft bedeutet für mich totale Ehrlichkeit, aber keine Unfreundlichkeit. Ich finde, man kann auch unangenehme Mitteilungen überbringen, wenn man es behutsam tut. Wer sich mir gegenüber frech, gemein, unaufrichtig, aufdringlich oder respektlos verhält, verliert sofort meine Freundschaft. Ebenso derjenige, der meine ethischen und moralischen Grenzen überschreitet. Ich kann auf ein solches Verhalten keine Reaktion in mir abrufen. Es ist einfach nicht möglich. Kein Programm vorhanden.
    Ich kann auch sehr unangenehm reagieren, wenn mich jemand zu Unrecht angreift. Damit meine ich wirklich unangenehm – cholerisch oder gefühlskalt. Es kann auch passieren, dass ich mich von dieser Person wortlos abwende und sie sofort aus meinem Gedächtnis streiche. Dann existiert keine emotionale Bindung mehr und ich verschwende keinen Gedanken mehr an diese Person. Sie bekommt auch nie wieder die Chance, von mir beachtet zu werden. Die Verfehlungen sind dann so stark gewesen, dass ich jedes Vertrauen unwiderruflich verloren habe.

    Freundschaft zu pflegen ist für mich nicht immer einfach, weil ich hin und wieder vergesse, mich bei jemandem zu melden, obwohl er mir viel bedeutet. Dann habe ich ein schlechtes Gewissen und entschuldige mich vielfach. Immer wieder. Es ist aber auch schwer für mich, wenn ein Freund oder eine Freundin sich viel öfters melde, als ich antworten kann. Oftmals weiß ich nicht, was ich alles zurückschreiben soll, weil ich nicht gerne über mich schreibe oder rede. Ich weiß auch nicht, was den anderen interessiert. Deswegen gehe ich oft auf die Themen des anderen ein, um sicher zu sein, dass ich ihm genug Aufmerksamkeit geschenkt habe.

Es ist schwer für mich, wenn sich Freundschaften in einem Ungleichgewicht befinden. Es ist wie mit der Liebe: Es gibt immer einen, der mehr liebt als der andere. Menschen empfinden die Verbindung unterschiedlich stark. In diesen Momenten wird es für mich oft schwer herauszufinden, was der andere von mir erwartet. Schenke ich zu viel Aufmerksamkeit oder zu wenig? Ein ewiges Problem bei mir. Ich finde oft keine Balance.

Freundschaft hat bei mir nichts mit Erwartung zu tun, das heißt, wenn ich schreibe, erwarte ich nie, dass der andere direkt zurück schreibt. Ich erwarte auch nie ein Gegengeschenk, wenn ich etwas verschenke. Ich schenke immer von Herzen, nicht aus Berechnung. Die Freude des anderen ist gleichzeitig meine eigene Freude. Aber ich weiß oft nicht, was der andere denkt, wenn er mir etwas schenkt. Erwartet er ein Gegengeschenk? Um sicher zu sein, mache ich es oft.

Ich brauche gute Freunde mehr als meine Familie. Damit meine ich nicht meine engste Familie, also meinen Mann und meine zwei Jungen. Diese stehen mir am Nächsten. Ich meine den Rest. Es ist mir oft aufgefallen, dass sich Freunde viel intensiver und aufrichtiger für mich und mein Wohlergehen interessieren als die entfernte Familie.

Familie empfinde ich als eine Form der Hilfsorganisation. Dort hilft man sich physisch aus, das heißt, bei pragmatischen, organisatorischen Problemen wie Einkaufen, Umzügen, Feierorganisationen und Haushaltshilfen. Es geht selten um das psychische Wohlergehen. Ich weiß, dass man das nicht gerne hört, aber es entspricht meiner subjektiven Wahrnehmung, ohne dass ich es verschleiern oder schönreden will. Bisher hat sich kaum einer wirklich für meine Interessen oder meine Wünsche interessiert. Deswegen rede ich in Gegenwart vieler Verwandter auch nicht darüber. Das ist bei Freunden oft anders. Da ich sie „passend“ zu meiner Persönlichkeit aussuchen kann, interessieren sie sich mehr für meine Interessen und damit auch für mein psychisches Wohl. Sicher, wenn ich körperlich krank bin, ist natürlich immer die ganze Familie da, aber wenn ich in eine psychische Schieflage komme, weiß oft niemand, warum es so ist und wie man mir am besten helfen kann. Aber meine Freunde wissen es, weil sie mich viel intensiver kennen und begleiten. Dafür empfinde ich große Dankbarkeit und zeige es auch.

Neben meinem Mann und meinen Kindern sind mir meine engen Freunde das Wichtigste im Leben. Sie helfen mir, immer wieder aufzustehen, wenn ich umfalle. Im Gegenzug erhalten sie grenzenloses Vertrauen und Gegenhilfe von mir. Das hört sich sehr normal an und darüber bin ich froh!

(Ab jetzt kann man meine Blogs auch zusammengefasst als eBook und  Printausgabe lesen)

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