Stigmatisiert

Ein gefährliches Thema!
Im Duden finde ich Begriffe wie ächten, anprangern, brandmarken, kennzeichnen, verdammen, denunzieren und diskriminieren.

Ich habe all die mit diesen Begriffen verbundenen Gefühle in meinem Leben gespürt. Sie haben sich in mein Herz gebrannt und machen mich immer wieder unsicher. Eigentlich sollte ich längst gegen diese Gefühle resistent sein, aber das Gefühl der Stigmatisierung kommt immer wieder durch. Es ist wie eine Welle, die sich nicht aufhalten lässt. Eine Naturgewalt in meinem Gehirn.

Es beginnt damit, dass ich an einer Aktion oder einem Gespräch teilnehme. Solange ich das sage, was der andere hören mag, bekomme ich keine Probleme. Aber sobald ich von der Meinung der anderen abweiche, beginne ich mein Stigma zu spüren. Es liegt nicht an dem Gegenüber, mit dem ich rede, oder demjenigen, mit dem ich gerade etwas plane. Er trägt keine Schuld. Es liegt an mir, weil ich so viel anders wahrnehme. Sobald man meine Ansichten in Frage stellt, beginnt der Prozess der tausend Zweifel in mir. Ich kann nicht sehr gut argumentieren, wenn mir Situationen fremd oder neu sind. Ich benötige Zeit, mich mit einer neuen Idee anzufreunden oder sie zu überdenken. Diese Zeit führt zu einer Erstarrung in mir. Die Argumente des anderen mögen in der Denkwelt der NTs überzeugend und logisch erscheinen, aber in meiner Welt der Ansicht werfen sie Zweifel auf. Wie kann ich das dem Gegenüber jetzt in aller Eile klarmachen? Ich beginne zunächst, indem ich irgendwelche Argumente zusammenbastele, die signalisieren sollen, dass ich nicht einverstanden bin. Bevor ich meine Argumente weiterverfolgen, festigen und formulieren kann, kündigt mein Gegenüber schon seine Zweifel an, argumentiert also direkt dagegen. Das bringt mich noch mehr aus dem Konzept und ich beginne mich erst einmal wieder gegen das letzte Argument zu rüsten natürlich auch mit unzureichender Zeit und Argumentation. Das Gespräch gerät aus den Fugen. Ich starte zu viele verwirrende Ansätze, die mein Gegenüber nicht versteht, so dass sich meine Stigmatisierung festigt. Ich fühle mich allein auf verlorenem Posten und rede immer mehr verwirrendes Zeug, um die Situation noch halbwegs zu retten, doch es funktioniert nicht. Irgendwann qualme ich wie Popeye mit der Pfeife und ziehe wie ein nasser Pudel von dannen ohne je wieder das Bedürfnis zu verspüren, mit demjenigen reden zu wollen.

Ich nenne das eine Blamage auf ganzer Linie. Ich komme mir dumm und naiv vor, obwohl meine Argumente und Zweifel durchaus angebracht, hochwertig und richtig waren. Aber ich habe sie wieder einmal nicht aus dem Hirn in den Mund transportiert bekommen.
Solche Situationen häufen sich, so dass ich oft dermaßen stigmatisiert bin, dass ich erst gar nichts einbringe an Argumenten und den anderen einfach walten lasse, obwohl ich es falsch finde.

Meine größte Angst ist, dass viele einen falschen Eindruck von mir gewinnen. Ich denke oft, dass alle mich ziemlich dumm und naiv finden. Gut, naiv kann man mit der Tatsache gleichsetzen, dass ich sehr schlecht manipulative Gespräche bemerke. Ich gehe ständig davon aus, dass der andere genauso ehrlich ist wie ich. Das ist naiv! Nur die Wenigsten sind es.
Die Folgen sind fatal, denn ich beginne mich immer mehr aus der Gesellschaft zurückzuziehen. Ich bin zu müde, um auf Verschleierungen und Manipulationen reagieren zu wollen. Wir alle haben eine Sprache, Worte und Gesten. Warum werden sie nicht dafür benutzt, wofür sie gedacht sind? Warum werden sie mit Zweideutigkeit behaftet und kommen Lügen gleich? Wie soll ein Mensch, der im Gehirn keine Verdrahtung mit diesen zweifelhaften Anwendungen im Sprachgebrauch hat, sich dagegen wehren? Wie soll ein Mensch, der nicht in der Lage ist zurückzuschlagen, weil er vom Gehirn keine Signale für diese Handlung bekommt, je zurückschlagen?

Schneide einem Menschen beide Beine ab, und dann sage zu ihm: Lauf!

Wenn gewisse Dinge im Gehirn nicht verdrahtet sind, können sie nicht abgerufen werden. Wenn gewisse Dinge längere Zeit brauchen, um sich im Gehirn zu verdrahten, dann muss man die Zeit dafür bekommen.

Wissenschaftler kommen nur zu großartigen Ergebnissen, wenn sie sich Zeit nehmen, die Dinge immer neu zu überdenken und im Gehirn zu verdrahten. Sie nennen es einfach „Handeln im Sinne der Wissenschaft“. So einfach ist das … und es funktioniert. Die Ergebnisse sind hervorragend.

Wenn das alle verstünden, gäbe es keine Stigmatisierung mehr.

(Ab jetzt kann man meine Blogs auch zusammengefasst als eBook und  Printausgabe lesen)

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