Außergewöhnliche Hobbys während meiner Jugend

Ich pflegte in meiner Jugend ein recht gutes und unauffälliges Verhältnis zu meinen Schulkameraden und besaß nie eine feste Freundin oder gar einen Freund. Das ist sicher auch auf meine merkwürdigen Hobbys zurückzuführen.

Dass ich mich für alles interessierte, was die USA betrifft, habe ich bereits mehrfach erwähnt. Aber es gab noch ein „Ableger-Interesse“ der USA und das waren amerikanische Fernsehserien. Ich saugte sie auf wie Babys ihre Muttermilch. Jeden Montag-, Dienstag- und Freitagabend saß ich in meinem Zimmer vor dem Fernseher und verfolgte akribisch die Serien Kojak, Columbo, Thoma, der Magier, Starsky & Hutch, Abenteuer der Landstraße, Eddies Vater und viele mehr. Doch damit nicht genug. Ich schrieb damals regelmäßig die Zeitschrift „Hörzu“ an, um an gewisse Informationen zu kommen. Ich wollte wissen, wie die Synchronsprecher hießen und wie viele Teile einer Serie gesendet wurden, denn ich führte eine Liste darüber.
Es gab damals noch kein Internet, mit dessen Hilfe ich mich hätte informieren können, und ich hatte als einzige Informationsquelle die Redaktion dieser Fernsehzeitung. Wenn Teile fehlten, schrieb ich die Redaktion direkt an und fragte nach. Es gab zum Beispiel eine Begebenheit, die sehr auffällig war. Ich mochte den Schauspieler Bill Bixby und die Serie „Der Magier“. Da es von dieser Serie keine Bücher gab (von Kojak, Columbo und Thoma gab es eine Bücherserie bei Bastei Lübbe), nahm ich diese Serie mit Cassette und Mikrofon auf und schrieb am nächsten Tag mein eigenes Buch davon. Ich konnte die Gespräche und Geräusche der Serie wunderbar als Gedächtnisunterstützung verwerten. Man wollte 27 Serien ausstrahlen, also sollten es 27 Bücher werden. Es wurden aber nur 24 Serien ausgestrahlt. Das machte mich wütend. Also schrieb ich völlig erbost die „Hörzu“ an, wo die anderen Teile blieben. Die Redaktion gab mir tatsächlich eine Antwort und teilte mir ihr Erstaunen mit, wie exakt ich die Anzahl der Serien verfolge. Sie teilten mir des Weiteren mit, dass das ZDF die restlichen drei Serien für das kommende Jahr aufgespart hätte, um die Übertragung der Olympischen Spiele damit etwas aufzulockern und gaben mir die Adresse der ZDF-Redaktion. Doch es gab an dem versprochenen Zeitpunkt keine Ausstrahlung und ich schrieb einen total erbosten Brief an das ZDF. Vier Jahre später bekam ich tatsächlich eine Antwort von diesem Sender mit der erfreulichen Mitteilung, dass die restlichen Serien nun ausgestrahlt werden. Man teilte mir Sendezeit und Titel mit. Sie hielten ihr Versprechen, und ich konnte meine private „Buchserie“ vervollständigen.

Während dieser Zeit, es muss um 1980 gewesen sein, hatte ich unablässigen Kontakt zu sämtlichen Redaktionen der Fernsehsender ARD, ZDF und WDR. Ich erfragte Adressen von Synchronsprechern, um Autogramme anzufordern. Ich wollte Gesichter zu den Stimmen haben, die ich hörte. Diese Autogramme klebte ich in meine Tagesaufzeichnungen und besitze sie noch heute. Zu einem Synchronsprecher hielt ich besonders viel Kontakt, weil er damals sämtliche Schauspieler synchronisierte und ich ihm regelmäßig schrieb, wann ich seine Synchronisationen passend und nicht passend fand. Er lud mich eines Tages sogar nach Berlin ins Studio ein. Leider trat ich diese Reise nie an, weil ich noch minderjährig war und niemand mitreisen wollte.

Ich nahm in dieser Zeit sämtliche Melodien von Fernsehserien auf und veranstaltete damit Quizspiele, wenn ich Besuch hatte.
Ich glaube, das ist der einer der Gründe, weshalb es mir in dieser Zeit an Freunden mangelte. Meine Interessen waren einfach zu seltsam. Ich beschäftigte mich viel mit der amerikanischen Sprache, die nur die wenigsten in meiner Klasse verstanden.
Meine Eltern schenkten mir damals einen Pulli, auf dem „Starsky&Hutch“ abgebildet waren. Den trug ich, bis das Motiv sich vom Stoff löste und der Pulli entsorgt werden musste.

Um noch einige weitere merkwürdige Interessen aus dieser Zeit aufzuführen:

Ich kann eine Kamerafehleinstellung bei einem Film sofort bemerken. Kamerafehleinstellungen sind zum Beispiel, wenn man am Rande etwas vom Filmset sieht, was nicht in das Bild gehört. Es sind zwar nur Sekundenbruchteile, aber ich sehe sie. Ebenso wenn die Szenen nicht sauber geschnitten sind und ein Szenecutter oder der Regisseur kurz im Bild erscheinen. Das normale Auge kann es nicht sehen, aber ich sehe es. Heute kann ich es sogar meinem Mann durch die Technik mit der Fernbedienung zeigen. Wenn ich solche Fehler in den Filmen damals sah, schrieb ich regelmäßig die Fernsehsender an und machte sie auf die Fehler aufmerksam. Ebenso, wenn ich eine Unlogik in der Geschichte eines Films feststellte. Ich weiß nicht, wie viele Briefe ich an die Fernsehsender schrieb. Man schrieb mir zurück, wenn ich nicht so jung wäre, würde man mir einen Job in der Branche anbieten, damit diese Fehler vermieden werden könnten. Das war sicher Ironie.
Ich kontrollierte einfach alles, was amerikanische Filme und Serien betraf. Das war ein Spezialinteresse von mir.
Ich erinnere mich, dass es damals in den Kinos Sekundeneinspielungen von Eiswerbung (Langnese) gab und ich das immer bemerkte und kommentierte. Viele lachten mich aus, bis Jahre später ein Bericht darüber erschien, wie versteckt die Werbung für den Konsumenten betrieben wurde. Auch heute noch laufen diese Sekundenbilder, um das Publikum zum Eiskaufen zu bewegen.
Es ist insgesamt eine Macke von mir, auf Widersprüche in Geschichten und Berichte und versteckte Hinweise in der Werbung fixiert zu sein. Ich kann in komplexen Bildern sehr schnell ein kleines Objekt finden. Berühmtes Beispiel: 1000 Mal ist eine 9 abgebildet, aber es befindet sich eine 8 darunter. Ich finde sie sofort, weil sie ein asymmetrisches Bild für mich herstellt.

Ich könnte hier weitere merkwürdige Hobbys aus meiner Jugend und auch Gegenwart aufführen, aber das würde den Rahmen sprengen. Ich denke, mit diesen Beispielen habe ich einen Einblick gegeben, was autistische Spezialinteressen sind!

(Ab jetzt kann man meine Blogs auch zusammengefasst als eBook und  Printausgabe lesen)

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