Meine Schulzeit

Meine Schulzeit betrachte ich mit gemischten Gefühlen.

Ich ging gerne in die Grundschule und war eine gute Schülerin. Ich liebte das Lernen und besonders das Lesen und Schreiben. Damals versuchte ein Mädchen meine beste Freundin zu sein, was aber nicht funktionierte, weil ich völlig andere Interessen hatte. Ich begann schon sehr früh Zeitungsartikel zu sammeln und Wortspiele zu erfinden. Zudem hielt ich mich gerne allein im Wald auf, während andere auf der Straße zusammen spielten. Dennoch hatte ich zu allen Klassenkameraden und Nachbarskindern ein gutes Verhältnis, war aber eher unauffällig, so dass sich viele kaum an mich erinnern. Ich war bevorzugt mit Jungen zusammen, weil sie viel interessantere Sachen machten als Mädchen. Ich mochte weder Schmuck noch Röcke noch lange Haare mit Schleifen. Früher gab es „Hot Pens“. Das waren kurze Hosen mit Miniröcken darüber, die vorne durch einen Schlitz geöffnet waren. Ich zog in der Schule regelmäßig diesen blöden Rock aus und auf dem Heimweg wieder an. Im Winter hasste ich Strumpfhosen, liebte aber Steghosen mit dicken Wollpullovern. Ich mochte keine Lackschuhe, sondern bequeme Ledersandalen.
Später kaufte ich meine Schuhe häufig in der Jungenabteilung, weil sie einfach bequemer waren.

In der weiterführenden Realschule fand ich gar keinen Anschluss, weil ich dort große Probleme mit den Lehrern hatte, die mich ständig am Arm oder den Schultern berührten und meine Lernfähigkeit damit so beeinflussten, dass ich nichts mehr aufnehmen konnte. Ich hatte zu einigen Jungen Kontakt und saß meistens in den Pausen in irgendeiner Ecke und schrieb irgendwelche Sachen.

Durch meine Lernunfähigkeit in der Realschule wurde ich nach zwei Jahren in die Hauptschule heruntergestuft. In dieser Klasse wurde ich sehr freundlich aufgenommen, schnell zur Klassenbesten und dann zur Klassensprecherin gewählt. Viele mochten meine außergewöhnliche Art, Geschichten zu schreiben und die englische Sprache anzuwenden. Ich war die Einzige in der Klasse, die Amerikanisch sprach und Nachhilfeunterricht im Fach Englisch gab. Allerdings fand ich wieder keine feste Freundin. Dafür waren meine Interessen zu seltsam. Ich beschäftigte mich mit den Texten und dem Leben von John Denver, zudem mit Rockmusik, den USA, dem Gitarrenspiel und schrieb ohne Unterlass irgendwelche Geschichten und Krimis. Ich interessierte mich nicht für Petting, Schmuck, Schminke und Mode. Das machte allerdings einige Jungen aufmerksam und ich hatte mehr männliche Freunde als weibliche. Aber eine feste Freundschaft? Keine Chance! Es gab diverse Interessenten, aber sie interessierten mich nicht. Schon allein der Spruch „Willst du mit mir gehen“ löste in mir Unverständnis aus. Meine Antwort wäre „Wohin?“. Ich fand das „Mit-dir-gehen“- System unglaublich lächerlich. Entweder war man miteinander näher befreundet und mochte sich sehr oder nicht. Auch das Getuschel der Mädchen über Jungen fand ich dämlich. Auf mich wirkte es immer wie das Gackern von Hühnern. Ich bekam in der 10. Klasse ein Mofa und düste damit in die nächste Rockdisco! Es waren immer ein paar Jungen aus meiner Klasse dabei. Ich trug keinen Schmuck, keine Röcke, keine Stöckelschuhe und keine Schminke. Ich trug abgefahrene, verrückte Klamotten, die ich zum Teil selbst nähte oder im Second Hand Laden kaufte. Ich war ein völlig untypisches Mädchen.

Während meiner Ausbildung in der sozialpädagogischen Fachschule lernte ich meine erste gute Freundin kennen. Wir waren uns ziemlich ähnlich und hatten in vielerlei Hinsicht die gleichen Ansichten. Der Kontakt zu dieser Freundin besteht noch heute.

Im Hinblick auf meine Schulzeit kann ich sagen, dass ich nicht das typische ausgegrenzte Schülerleben hinter mir habe, wie es viele Asperger von sich berichten. Ich würde es eher als abgegrenzt bezeichnen, wobei ich die Abgrenzung selber bestimmte. Ich lernte gerne, fühlte mich aber nie zu irgendwelchen Mitschülern besonders emotional hingezogen, weil ich in meiner Freizeit viel lieber alleine meinen Interessen folgte, die sich merklich von denen anderer unterschieden. Es kam nie zu einer Beziehung zu einem Jungen während meiner Schulzeit, weil ich danach überhaupt kein Bedürfnis hatte. Dennoch pflegte ich zu einigen Jungen ungezwungenen Kontakt in meiner Freizeit. Ich lernte von einem Jungen das Gitarrenspiel, hielt Briefkontakt zu einem Jungen in England und fuhr mit einigen Jungen regelmäßig in die Rockdisco. Die laute Musik entspannte mich damals schon sehr. Das ist heute noch so. Genau wie das stereotypische Hören von Musik.
Für mich stand in meiner Jugend fest, dass ich eines Tages einen englisch sprechenden Mann heiraten wollte, weil ich Englisch viel lieber spreche als Deutsch. Doch das Leben hatte andere Pläne. Ich heiratete mit 20 Jahren einen Deutschen!

(Meine Blogs gibt es auch als eBook bei Amazon unter „Denkmomente“ und bald als Printausgabe)

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