Arbeitsstellen im Vier-Jahres-Rhythmus

Hahaha … jetzt muss ich direkt lachen, denn bei Arbeitsstellen denke ich immer direkt an eine Sache, die keiner wirklich glaubt, die sich aber genauso zugetragen hat.

Ich bügle für mein Leben gern. Wirklich! Habe ich schon als Kind getan, wenn meine Mutter arbeiten war. Ich bügelte mit großer Freude die Hemden meines Vaters für die Arbeit.

Nun kam eine Zeit, in der meine Kinder größer wurden, meine Aufmerksamkeit nicht mehr so sehr beansprucht wurde und mein Mann sich gerade mit einem Betrieb selbstständig machte. Ich übernahm daheim die Stellung am Telefon mit diversen Bürotätigkeiten. Doch das füllte meine Zeit nicht genug aus und es gibt nichts Schlimmeres für mich als Langeweile. Also dachte ich, ich könnte doch ein bisschen für andere Familien zwischendurch bügeln und gab eine kleine Anzeige in der Zeitung auf. Und tatsächlich meldeten sich vier Haushalte, die mir ihre gereinigte Wäsche zum Bügeln vorbeibrachten. Ich meldete die Tätigkeit beim Finanzamt an und legte los.
Es dauerte nicht lange, als sich mein Bügelservice herumsprach, und bald hatte ich acht Haushalte, dann zwölf und zum Schluss achtzehn! Jeden Tag wurde Wäsche vorbeigebracht und ich hatte meine eigene Arbeitsstelle zu Hause eingerichtet! Mir machte es höllisch Spaß, weil ich die Zeit selbst einteilen konnte und unsere Urlaubskasse damit füllte. Wir wollten wieder mal in die USA reisen. Die Arbeit war perfekt für mich, denn ich wurde von niemanden gestört, hörte derweil meine Lieblingsmusik, konnte auch oft draußen im Garten arbeiten und hatte durchweg freundlichen und dankbaren Kundenkontakt. Perfekt.

Da ich oft meine Grenzen überschätze, meldet sich häufig mein Körper. Nach vier Jahren bekam ich an beiden Händen das Karpaltunnel-Syndrom. Der Nerventunnel im Handgelenk verengte sich durch das ständige Abknicken des Gelenks und meine Hände schliefen in der Nacht immer häufiger ein. Als der Zustand unerträglich wurde, ließ ich beide Handgelenke operieren und musste das Bügeln für andere beenden.
Diese Situation war ganz typisch für mich. Wenn ich etwas mache, dann ufert es aus.
Zudem habe ich festgestellt, dass ich einen Vier-Jahres-Rhythmus im Wechsel von Arbeitsstellen habe. Das scheint eine Zeitgrenze zu sein, in der ich zusammenbreche oder eine neue Herausforderung brauche.

Ich habe den Beruf der Erzieherin gelernt, aber nach meiner Ausbildung keine freie Stelle gefunden. Also begann ich in einer Transformatorenfirma an einer Wickelmaschine zu arbeiten. Dort perfektionierte ich meine Arbeit dermaßen, dass man mich zur Vorarbeiterin der Abteilung machen wollte. Doch dann bekam die Abteilung eine Mitarbeiterin, die einige Kolleginnen zu mobben begann. Damit kann ich gar nicht umgehen und lehnte den angebotenen Posten ab. Wenn ich etwas nicht mag, dann sind es Ungerechtigkeit, Lügerei und verschleiertes Handeln. Zum Glück wurde ich in dieser Zeit mit meinem ersten Sohn schwanger und konnte die Firma nach vier Jahren verlassen. Ich hätte die Position als Vorarbeiterin niemals ausfüllen können, da mir die soziale Kompetenz im Umgang mit solchen Menschen fehlt. Ich hätte kündigen müssen.

Als mein erster Sohn anderthalb Jahre alt war, übernahm ich als Erzieherin die erste Kleinkindergruppe über das Bildungswerk Mettmann in unserer Stadt und leitete dort vier Jahre lang Eltern-Kind-Gruppen mit großem Erfolg. Danach arbeitete ich freiberuflich als Erzieherin und bot eine Kleinkindergruppe ohne Eltern an, die ein richtiger Renner in unserer Stadt wurde. Kreative und musikalische Förderung standen auf dem Programm, ebenso Förderung von Begabungen und Hochbegabungen. Auch diese Gruppe leitete ich genau vier Jahre lang.
In dieser Zeit begann ich mit dem Bücherschreiben und eröffnete einen Verlag und später eine Literaturgruppe. Auch das dauerte vier Jahre. Danach bügelte ich vier Jahre und arbeitete knapp vier Jahre für eine ambulante Sozialstation im Bereich der Demenzbetreuung.

Immer wieder zeigt sich dieser Vier-Jahres-Rhythmus. In dieser Zeit arbeite ich nahezu perfektionistisch und erziele immer großen Erfolge. Dann beginne ich mich zu langweilen oder breche körperlich zusammen.

Jetzt schreibe ich seit vier Jahren Bücher als freiberufliche Autorin. Ich hoffe, dass dies mein letzter Beruf bleibt, denn er fühlt sich richtig gut für mich an … ich kann meine Zeit wieder frei einteilen, habe niemanden um mich und brauche mich nach niemanden richten. Ein Hochgenuss für meine Gefühle!

(Ab jetzt kann man meine Blogs auch zusammengefasst als eBook und  Printausgabe lesen)

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