Rationelles Denken und Handeln

„Warum nimmst du das nicht mit nach oben?“, frage ich, wenn jemand die Treppe hinaufgeht, und ich bereits das eingekaufte Toilettenpapier für das obere Bad im Haus an der Seite der Treppe bereitgelegt habe. Die Antwort: „Wieso, ich gehe doch nur hoch, um mich umzuziehen.“
Genau an dieser Stelle trennen sich unsere Geister. Ich denke den Satz zu Ende: „… und nicht, um dieses Toilettenpapier hochzutragen.“

Ich bin ein sehr rationeller Denker in vielen Bereichen und erspare mir oft viel Zeit, indem ich viele Abläufe im Haus so organisiere, dass ich zusätzliche Wege spare.

Wir haben zwei Treppen im Haus. Eine in den ersten Stock, die andere in den Keller. Auf beiden Treppen liegen ständig Dinge, die nach oben oder unten kommen. Ich denke so, dass ich immer etwas mitnehme, sobald ich nach oben oder unten gehen muss. Das spart mir einen zusätzlichen Weg und macht Sinn. Es erspart mir aber nicht das ständige rationelle Denken, wenn ich aufräume. Wo lege ich was zum Mitnehmen hin? Ich muss mich also entscheiden, ob ich denke oder laufe. Beides stresst. Aber ich bin nun mal auf rationelles Denken programmiert. Überall platziere und sammle ich Dinge, die irgendwo hinkommen. Deswegen sieht es nicht unordentlich aus, denn ich beseitige das Bereitgelegte recht schnell. Im Flur lagern Dinge, die ich mit ins Auto oder in die Garage nehmen muss und auf meinem Sekretär liegt Post, die ich mit in die Stadt nehmen muss. So sehen meine Systeme aus und halten mich ständig am Denken und Organisieren. Das ist anstrengend, aber auch zeitsparend. Selbst wenn nichts bereitliegt, denke ich bei jedem Schritt darüber nach, ob ich auf diesem Wege noch etwas Sinnvolles erledigen kann.
Dasselbe, wenn ich mal in eine andere Stadt fahren muss. Dann warte ich oft solange, bis ich mehrere Erledigungen auf dem Weg dorthin gesammelt habe. Dann macht der Weg für mich Sinn.

Das rationelle Denken kann aber auch extreme Ausmaße annehmen, wenn es zum Beispiel um Renovierungsarbeiten geht. Ich male und tapeziere sehr gerne im Haus. Aber warum nur ein einzelnes Zimmer streichen, wenn sich doch sowieso der Dreck überall im Haus verteilt? Da kann ich doch direkt das ganze Stockwerk renovieren. Dann lohnen sich die Anschaffung eines 10 Liter Eimers Deckenfarbe, das Anrühren von Kleister und die anschließende komplette Reinigung des ganzen Stockwerkes. Ich kann somit sämtliche Materialanschaffungen bis auf wenige Reste verarbeiten und habe kaum Abfall. Rationell eben! Mal ehrlich, wie oft verbleiben Farbe, Tapeten und Kleister für den Sondermüll? Das versuche ich zu vermeiden.
Mein Mann bekommt regelmäßig einen Stressanfall bei meinen Aktivitäten, aber ich setze mein Anliegen ziemlich vehement durch. Warum soll ich jedes Mal das ganze Stockwerk für nur ein renoviertes Zimmer reinigen? Ich renoviere in einem Fünf-Jahres-Rhythmus. Alle fünf Jahre bricht bei uns die Hölle aus! Rationell eben!

Mein rationelles Denken kann aber auch in andere Richtungen gehen. Ich mag keine Vergeudung. Das heißt nicht, dass ich krankhaft geizig bin. Ich mag es zum Beispiel nicht, wenn jemand sinnlos das Licht im Haus anlässt oder die Wohnzimmertür im Winter offenstehen lässt, wenn der Raum schön warm ist, und die Wärme dann in den Flur weicht. Ich denke, das sollte für jeden umweltbewussten Bürger ein Muss sein. Aber bei mir wird diese Kontrolle je nach Stimmung zu einer regelrechten Zwangsneurose. Sobald jemand durchs Haus geistert, kann ich durch die Glastüren der Wohnräume sehen, ob jemand das Licht irgendwo im Haus angelassen hat. Ich sehe mich dazu veranlasst, es auszuschalten, obwohl derjenige nach wenigen Momenten wieder den Raum betritt und das Licht einschaltet. Dann ist mein rationelles Denken und Handeln Blödsinn, und ich muss mir immer wieder sagen, dass ich mich nicht darum kümmern sollte. Ich bin schon seit Kindesbeinen an sehr um die sinnvolle Nutzung von Energieressourcen bemüht, habe aber im Laufe der Zeit gelernt, entspannter damit umzugehen. Doch manchmal bin ich regelrecht entsetzt, wie sehr Energie vergeudet wird, indem ganze Wohnungen oder Häuser sinnlos beleuchtet werden. Das kann ich nicht verstehen. Ich begrenze mich gerne auf das Notwendigste.

(Ab jetzt kann man meine Blogs auch zusammengefasst als eBook und  Printausgabe lesen)

DSCN3960

Advertisements

Ein Gedanke zu „Rationelles Denken und Handeln

  1. Pingback: Rationelles Denken und Handeln | Denkmomente

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s