Die Geräusche der Natur

Es gibt zwei wesentliche Geräusche, die mir sehr wichtig sind: Zum einen die Geräusche der Natur, zum anderen die Musik.
Das ist sicherlich nichts Absonderliches, weil es fast allen Menschen so geht.
Doch mir geben diese Geräusche die Möglichkeit, dass sie mich bei extrem emotional aufwallenden Situationen schnellherunterholen können. Ebenso können sie mein Gefühl von Glück extrem untermalen. Mit extrem meine ich extrem. Gefühle, die sich außerhalb der normalen Gefühlsskalen bewegen. Damit meine ich unerträglich oder überdreht. Bei mir gibt es nichts dazwischen. Ich habe keine Grauzone in meinen Gefühlen. Alles oder nichts. Ein bisschen geht nicht. Ich bin ja auch nicht ein bisschen verheiratet oder ein bisschen am Leben.

Die Geräusche der Natur haben eine ganz besondere Wirkung auf mich. Ich liebe das Rauschen des Meeres oder das Rauschen des Windes in den Bäumen, bevorzugt in Espen. Beide Geräusche hören sich für mich fast identisch an und geben mir das Gefühl von totaler innerer Ruhe. Schon als Kind rannte ich ständig in den Wald und verbrachte dort Stunden, so dass meine Eltern sich oft Sorgen machten. Ich ließ die Ruhe nur so durch mich hindurchfließen, als Balance zum unruhigen Alltag. Genauso ist es am Meer. An einem See funktioniert es leider nicht, denn ein See macht kaum Geräusche, aber am Meer höre ich dieses Rauschen wie das Rauschen der Bäume und es löst in mir das Gefühl des totalen Loslassens aus. Als Jugendliche wollte ich immer in Aspen/Colorado leben, weil es dort unzählige Espen gibt, die mich vollkommen beruhigen.

Das Gefühl des Loslassens funktioniert aber nur, wenn ich ganz alleine dort bin. Sobald jemand dabei ist, schalten sich sämtliche Synapsen ein und legen den Fokus auf diese Person. Ich denke dann ununterbrochen, was diese Person jetzt wohl gerne mag und schalte meine eigenen Bedürfnisse ganz aus. Ich bin dann ganz auf die Bedürfnisse des Anderen eingestellt. Je mehr Menschen um mich sind, je mehr Synapsen beginnen in meinem Kopf zu arbeiten und verursachen Stress. So kann es passieren, dass ich nach einer entspannenden Wanderung mit einer Gruppe völlig erledigt zu Hause ankomme und Tage benötige, um meine Akkus wieder aufzuladen. Die Aufmerksamkeit, die mir abgefordert wird, ist so immens, dass normale Menschen ohne Asperger Syndrom es nicht nachvollziehen können und oft denken, ich wäre zu bequem, nun den Dingen des Alltags nachzukommen. Aber das stimmt nicht. Ich bin schlicht zu stark erschöpft und selbst sehr unzufrieden, dass ich nichts leisten kann. Erschöpfung löst in mir große Unzufriedenheit aus und bringt mich ständig in einen Stresskreislauf, den ich mit Gewalt durchbrechen muss. Das Schreiben entspannt mich dann total, deswegen schreibe ich Bücher.

Zum Schreiben meiner Bücher flüchte ich immer von zu Hause. Ich wohne in einer Reihenhaussiedlung und werde von allen Seiten den ganzen Tag über beschallt. Das muss ich unbedingt in Zukunft ändern. Ich suche die totale Ruhe, um den Fokus zu hundert Prozent auf die Geschichte zu legen. Sobald ich durch nervende Geräusche abgelenkt oder angesprochen werde, gerate ich aus dem Kontext und kann auch nicht mehr anknüpfen. Alle Gedanken, die ich gerade hatte sind vollkommen gelöscht. Sie kommen auch in der alten Formation nicht wieder. Und das macht mich wütend. Sehr wütend! Ich schreibe exzessiv, wenn ich Bücher schreibe, und benötige vollkommende Ruhe in dieser Zeit. Ich habe einen Platz im Nationalpark Exmoor/England in der Nähe der Küste von North Devon gefunden, wo ich in einer kleinen Hütte ohne Luxus und Reize von außen in der Nähe eines Farmbetriebes ungestört arbeiten darf. Nur die Geräusche der Natur erwecken meine Aufmerksamkeit, aber sie beruhigen mich zutiefst. Ich stehe dort oft schon um vier Uhr morgens auf, um die Natur bei einer heißen Tasse Tee erwachen zu sehen und zu hören. Das ist das schönste Gefühl überhaupt für mich. In dieser Atmosphäre ist in mir alles ruhig, kann meine Fantasie extrem gut arbeiten und es entstehen interessante Bücher. Zudem bietet mir die inspirierende Umgebung alle Möglichkeiten der Erholung. Ich kann stundenlang alleine an der Küste wandern und das Meer rauschen hören oder in den Wäldern verschwinden und vermisse nichts und niemanden. Mitten in der Natur leben, Schreiben und Wandern sind für mich die optimalen Lebensbedingungen, in denen ich 100% ich selbst bin.
Mit 48 Jahren bekam ich die ersten Ahnungen, dass ich eine Autistin sein könnte. Mit 51 Jahren habe ich das Gefühl, mich endlich auf dem richtigen Weg zu befinden.

(Ab jetzt kann man meine Blogs auch zusammengefasst als eBook und  Printausgabe lesen)

DSCN3960

Advertisements

Ein Gedanke zu „Die Geräusche der Natur

  1. 2ndplanetleft

    Hab den einen Beitrag schon entdeckt. Ja. Naturgeräusche und Musik. Da kann ich mich anschließen. Ich mache selbst Musik, am liebsten Elektronica. Text finde ich manchmal störend in der Musik, ich mag nicht immer über den Sinn der Worte nachdenken müssen.

    Gefällt 1 Person

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s